Gold: Technisch überkauft, strategisch weiter ein Kauf
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 10. Dezember 2003 18:00 Uhr
ENL5462
Wegen eines starken Schneesturms in New York wurde ich am letzten Wochenende zeitweilig eingeschneit. Also tat ich das, was ich tun musste ... ich schnappte mir meine vertraute Schneeschaufel und traute mich in den wirbelnden Schneesturm hinaus. Nach 30 Minuten Schaufeln hatte ich einen schönen Weg von meinem Haus aus frei geräumt. Mein Rücken tat mir zwar weh ... aber wofür sonst ist eine Schneeschaufel gut?
Später an diesem Tag pflegte ich meinen Rücken mit einem heißen Bad, während die Schneeflocken vom Himmel flogen, wie so viele Dollarscheine ...
Der Vergleich ist wirklich nicht so unpassend. Niemand kauft mehr Dollar. Außer Touristen und Zentralbanken. Gestern ist der Dollar schon wieder gegenüber dem Euro auf ein neues Tief gefallen.
Der Dollar fällt so zügig, dass sich nur wenige Investoren trauen, ihre Goldbestände zu verkaufen. Auch wenn viele Chartanalysten sagen, dass Gold jetzt "überkauft" – wer traut sich schon, dieses Edelmetall zu verkaufen, wenn der Dollar so überreizt ist?
Am Goldmarkt heißt es jetzt "bei Rückschlägen einsteigen" und nicht mehr "bei Erholungen aussteigen". Jedes Mal, wenn der Goldpreis ein paar Dollar fällt, zeigen sich sofort eifrige Käufer. Der Goldmarkt hat so ein stetiges, zuversichtliches Kaufen lange, sehr lange nicht mehr gesehen. Aber das neue Jahrtausend war zu den Goldinvestoren sehr freundlich ... und auch zu den Investoren, die auf andere Rohstoffe gesetzt haben. Der stetige Kursverfall des Dollar und der stetige Anstieg der US-Verschuldung haben das Interesse am alten Edelmetall neu erweckt.
Auch das drohende Wiederauferstehen der Inflation ist gut für den Goldpreis. In den USA hilft eine sehr alte nationale Tendenz der Inflation: Dinge zu kaufen, die man nicht braucht, mit Geld, das man nicht hat. Und die Bush-Administration wirft mit beiden Händen Geld zum Fenster heraus.
'"Ein Großteil der 2,2 Billionen Dollar, die Washington im Fiskaljahr 2004 wahrscheinlich ausgeben wird, sind obligatorische Ausgaben für die soziale Sicherheit und die Gesundheitsvorsorge", so "the Monitor". Und weiter: "Aber die sogenannten freiwilligen Ausgaben haben sich auch erhöht, um 22 % während der Amtszeit von Bush, von 734 Milliarden Dollar im Jahr 2002 auf voraussichtlich 873 Milliarden Dollar im Jahr 2004."
Präsident Bush ist nicht der einzige Amerikaner, der sich Geld leiht, das er nicht zurückzahlen kann, um Dinge zu kaufen, die niemand braucht ... oder will. Fast jeden Monat erreicht die Zahl der pleite gegangenen amerikanischen Privathaushalte neue Rekordwerte. Und dennoch glauben die meisten Leute, dass die Wirtschaft boomt. Was stimmt mit diesem Bild nicht?
"Besonders besorgniserregend", so Stephen Roach von Morgan Stanley, "sind die immer höher werdenden Ungleichgewichte einer US-zentrierten Welt. Nirgendwo wird das offensichtlicher als in unseren Prognosen für das amerikanische Leistungsbilanzdefizit, das unserer Prognose nach auf 5,8 % des BIP im Jahr 2005 steigen wird. Das ist nicht nur ein Rekord für die USA – auf Dollarbasis 710 Milliarden Dollar –, sondern auch ein Rekord für die Welt."
Der Bullenmarkt beim Gold könnte Atem holen, aber ich fühle, dass dieser Bullenmarkt noch nicht vorbei ist.
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