Gold: Steigende Zinsen beunruhigen die Profis
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 10. Dezember 2010, 17:00 Uhr
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Nervosität prägt wieder einmal die Stimmung. Das zeigt sich zum einen in den großen Indizes, die trotz begonnener Ausbruchsversuche auf neue Hochs nicht so recht vom Fleck kommen. Noch mehr aber wird es deutlich, wenn wir uns die Edelmetalle oder gar die Zinsen und Währungen ansehen.
Kommen die nächsten PIGS aus den USA?
Die Währungen wissen ähnlich wie die Indizes nicht so recht, wo sie hin sollen. Hier sehe ich Furcht in jede Richtung: Vor neuen Turbulenzen bei den angeschlagenen Euro-Staaten ebenso wie vor neuer Schwäche des US-Dollars angesichts der sich immer weiter auftürmenden Schulden. Hier droht besonders auf der Ebene der Bundesstaaten Ungemach. Nicht nur aus Kalifornien, wo "Arnie" gerade mal wieder den Notstand ausgerufen hat, um neue Sparprogramme durchzudrücken. Auch in anderen Bundesstaaten der USA wird es immer schwieriger, die hoch verschuldeten Haushalte mit frischem Geld zu versorgen. Denn die Anleger bekommen Angst, immer weniger Geld fließt in neue Anleihen.
Anleger verlangen mehr Zinsen für steigende Risiken
Dass es immer schwieriger wird, neue Staatsschulden an den Mann oder die Frau zu bringen, hat mit den nahezu weltweit steigenden Zinsen zu tun. Auch wenn Sie in den Massenmedien davon noch kaum etwas hören bzw. lesen, macht der jüngste Zinsanstieg die Profis mehr als nervös. Denn inzwischen müssen nicht nur die bekannten Schuldner immer höhere Zinsen bezahlen, sondern das Problem hat sich weiter bewegt zu den bisher vermeintlich sicheren Staatsanleihen. Davon ist inzwischen ganz Europa mit Deutschland betroffen ebenso wie die USA. Gerade am langen Ende, das die Notenbanken mit ihren Gelddruckmaschinen wenig beeinflussen können, werden viele Anleger hart getroffen.
Quelle: www.stockcharts.com
Sie sehen in der durch Herrn Buhl bekannten Point&Figure-Darstellung einen Chart der 30-jährigen US-Zinsen. Was in der sehr langfristigen Einstellung relativ harmlos erscheint, ist ein Anstieg um immerhin rund ein Prozent in nur drei Monaten. Damit sind wir nur noch wenig vom langjährigen Durchschnitt von rund fünf Prozent entfernt, der vor der Finanzkrise üblich war. Einer gesunden Wirtschaft schadet ein solches Zinsniveau nicht. Aber kleinere Unternehmen und die überschuldeten Hypothekenbesitzer in den USA kann das hart treffen. Erste Lebenszeichen des Immobilienmarktes könnten schnell wieder abgewürgt werden. Und neue Schulden werden immer teurer ...
Kommt die Ein-Auto-Doktrin in China?
Während in den USA die Politik bemüht ist, wenigstens die kurzfristigen Zinsen unter Kontrolle zu halten, steigen diese jedoch in anderen Ländern weiter. So wird erwartet, dass die Chinesen am Wochenende ihren Zinssatz erneut erhöhen, um das starke Wirtschaftswachstum und die ausufernde Inflation unter Kontrolle zu bringen. Zudem gehen Gerüchte um, dass weitere Wirtschaftsanreize gestrichen werden sollen. In der Diskussion sind besonders die Vergünstigungen für kleine PKWs. Zudem wird gemunkelt, dass in China nach der Ein-Kind-Politik nun die Ein-Auto-Politik beginnen wird. Jeder Haushalt soll nur noch einen PKW sein Eigen nennen dürfen. Was angesichts Verkehrsinfarkt und Umweltverschmutzung eigentlich sinnvoll erscheint, würde aber unsere deutschen Autobauer (wie ebenso die chinesischen, weshalb ich eher skeptisch bin diesem Gerücht gegenüber) hart treffen, nachdem sie sich gerade in der Sonne ihres Erfolgs in China räkeln. Eine solche Beschränkung könnte auch den Metallverbrauch verringern, besonders die Katalysatormetalle Platin und vor allem Palladium (das besonders für die in Asien beliebten Benziner verwendet wird) ebenso wie die Industriemetalle.
Steigende Zinsen sind Gift, solange die Wirtschaft nicht brummt
Die beschriebenen Gründe für die Nervosität gerade unter den großen Anlegern betreffen auch die Edelmetalle Gold und Silber. Kurzfristig werden hier Mittel abgezogen bzw. hohe Gewinne eingestrichen. Denn steigende Zinsen sind mittel- bis langfristig nicht nur für die Aktienmärkte bekanntlich Gift, auch die Anlagemetalle leiden darunter, wenn auf Geld plötzlich wieder Zinsen gezahlt wird. Denn sie bieten nur Sicherheit gegen marode Währungen, Zinsen können sie mit ihnen nicht verdienen - außer sie besitzen einige lukrative Metallaktien, die Ihnen diese ausschütten. Die gibt es derzeit trotz der bereits erlebten Rallye durchaus, wenn ich mir etwa die jüngste Quartalsübersicht der Oxford Eil-Depesche oder des Value Investor ansehe. Mehr Informationen dazu finden Sie hinter den Links.