Gold: Sicherer Hafen und Optimismus
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 7. November 2011, 20:30 Uhr
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Es scheint, als hätte die Zeit der großen Tabubrüche begonnen. Letzte Woche wurde von offizieller EU-Häuptlingsseite mit der Möglichkeit eines Austritts aus der Zone gespielt. Und inzwischen sieht sich auch noch die Bundesbank ausgerechnet durch die EZB mit einem Tabubruch konfrontiert.
Bundesbank vs. EZB
Denn die (also die EZB) zieht doch allen Ernstes in Erwägung unsere Währungsreserven (also, natürlich nicht nur die der Bundesbank, sondern auch die der anderen Zentralbanken)..tja, wie soll ich sagen?!...unter ihre Fittiche zu nehmen, um sie dann dem EFSF zu zu schieben.
Klar, dabei geht es erst einmal nur um die Sonderziehungsrechte beim IWF. Aber unsere Bundesbank hält nun einmal einen großen Teil unserer Währungsreserven in Gold und befürchtet nun, dass am Ende dann auch noch die realen Werte dran glauben müssten. Außerdem: wer mit Währungsreserven Staaten finanziert, der gibt nicht nur seine Unabhängigkeit als Notenbankhüter des Geldes auf, sondern macht sich auch zur staatlichen Druckpresse...oder gar zur FED! ;-)
Na ja, unsere Bundesbanker sind verständlicherweise jedenfalls gar nicht begeistert von solcherlei EZB-Plänen...schließlich beweist die Bundesbank eine bewundernswerte historische Tradition dabei, sich aus den Geschäften und Problemen der Politik heraus zu halten und hat in der Vergangenheit so immer für ihre Unabhängigkeit und unsere (vergleichsweise) Geldwertstabilität gesorgt.
Andere Notenbanker, Politiker und Volkswirtschaftler sind da weniger zimperlich.
Vermutlich wird man die Bundesbanker wohl fürs Erste noch nicht überstimmen, aber wenn die EFSF-Anleihen weiter so weg gehen wie bisher (also gar nicht; sie also praktisch auch die Asiaten nicht mehr haben wollen), dann wird so manch einer Angst haben, dass das nötige Kleingeld zur Rettung des Kontinents vielleicht nicht zusammen kommen wird. Und dann? Tja, ich schätze, das wird nicht der einzige Konflikt sein, den unsere Bundesbanker gegen die anderen noch führen müssen.
Nebenbei verschärft sich der Fokus auf Italien, während man in Frankreich (dort will man jetzt sparen) und Griechenland (da will man jetzt ne kurze Übergangsregierung bilden) ein paar Scherben aufsammelt. Alles in allem, bleibt das Grundchaos, auch wenn man zwischendurch, an Strohhalme geklammert, mal ein bisschen ausruhen kann.
Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 31.10.-07.01.2011
Energie
Die Ölpreise bewegen sich weiterhin eher in Korrelation zur Stimmung an den Märkten. Im Großen und Ganzen wechseln sich Risikoaversion und -Freude in raschem Wechsel ab, doch im Wochenvergleich konnten die Ölpreise zulegen und auch heute setzen sie ihre Aufwärtsbewegung fort.
Besonderen Auftrieb erhielten die Ölpreise zum Ende der Woche. Unterstützend wirkten auf der Stimmungsseite die Absage des griechischen Referendums und die Leitzinssenkung der EZB, die als Stimulierungsmaßnahme wahr genommen wird und dies trotz der schwachen Konjunkturaussichten, welche die EZB als Begründung zeichnet. Doch das ist nur Europa.
Die wirklichen Hoffnungen ruhen dagegen auf dem starken Wachstum Chinas und zumindest keinem Einbruch in den USA (wobei auch die zuletzt positiven Arbeitsmarktdaten aus den USA unterstützend wirken).
Auf der fundamentalen US-Seite dagegen gab es eher gemischte Faktoren zu beobachten. So berichtet das EIA von einem Anstieg der US-Rohölbestände in der vergangenen Woche in Höhe von 1,8 Millionen Barrel. Die Benzinbestände stiegen um 1,4 Millionen Barrel. Damit relativiert sich der Lagerbestandrückgang der Vorwoche wieder. Allerdings weisen die Destillatsbestände in der vergangenen Woche einen Rückgang um 3,6 Millionen Barrel aus, was aktuell für eine dynamische Nachfrage spricht.
WTI zur Lieferung im notiert aktuell bei 94,97 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.
Brent Crude zur Lieferung im Dezember notiert aktuell bei 113,79 US-Dollar pro Barrel an der ICE.
Ausblick
Generell ruht der Blick zwar stimmungsbezogen auf Europa, wobei es hier ausreichen dürfte, wenn ab und ab das Gefühl von ein wenig Ruhe im Karton vermittelt wird. Fundamental allerdings blicken die Marktteilnehmer eher auf China und die USA in der Hoffnung auf positive Konjunktur- und preisunterstützende Impulse. Was in der letzten Woche der Rückgang der US-Destillatsbestände war, könnten in dieser Woche die chinesischen Ölimporte werden. Somit sollten die Ölpreise zumindest nach unten hin abgesichert sein.
Edelmetalle
Gold dagegen darf seinem Status als Sicherer Hafen wieder alle Ehre machen und konnte in der letzten Woche, sowohl in USD als auch in EUR deutlich steigen und auch heute setzt Gold seine Aufwärtsbewegung weiter fort.
Damit zeigen die Goldpreise aber auch, dass sie nicht nur im Rahmen ihres Safe-Haven-Status profitieren können (die Gold-ETFs verzeichnen weitere Zuflüsse), sondern auch zusätzlich von positiven Stimmungen an den Märkten, die offenbar den Wiedereinstieg begünstigen. Dies zeigt sich auch am Verhalten der Spekulanten die ihre Netto-Long-Position zuletzt wieder deutlich ausgeweitet haben.
Gold in USD notiert aktuell bei 1.789,50 USD pro Feinunze.
Gold in EUR notiert aktuell bei 1.300,29 Euro pro Feinunze.
Ausblick
Die Goldpreise dürften auch weiterhin gut unterstützt bleiben, mit der Rückkehr zum vollen Absicherungsstatus und zusätzlich unterstützendem Gold-Optimismus.
Zum zweiten Teil von: Kupfer: warten auf China!
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