Gold schüttelt langsam die Korrelation zu den Finanzmärkten ab
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Goldpreisentwicklung
vom 31. Oktober 2011, 20:30 Uhr
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Es hat nicht allzu lange gedauert und die Realität ist schon zurück gekehrt an die Märkte. Feierte man letzte Woche, nach der Gipfel-Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, noch den Umstand, dass die europäische Politik sich wenigstens einmal dazu durchgerungen hat, Taten sprechen zu lassen, setzte bereits am Freitag dann aber doch schon wieder die Realität ein.
Und diese Realität ist keineswegs so positiv, wie es die Euphorie am letzten Donnerstag vielleicht vermuten ließ. Im Gegenteil: mittlerweile ist den Marktteilnehmern klar geworden, dass sich Europa nach wie vor, weit von einer echten Lösung entfernt befindet. (ich persönlich vermute sogar, dass die getroffenen Beschlüsse noch mehr Probleme verursachen werden...aber lassen wir das..).
Tatsache ist, dass die Euro-Krise nun auch schon, mit dem Insolvenzantrag von MF Global, ihr erstes Opfer unter den größeren US-Finanzfirmen gefunden hat. (MF Global hatte sich mit den Anleihen der europäischen Schuldenstaaten übernommen). Das drückt nun ebenso auf die Stimmung, wie der gestrige Kommentar der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, die es nicht für richtig hält, wenn China die Rolle des Retters für Europa spielen sollte. (...ganz unter uns: warum sollten die Chinesen das auch tun?...schließlich sind ja nicht Mitglied der Zone...;-)).
Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 24.10.-31.10.2011
Energie
Wie erwartet engt sich der Spread zwischen WTI und Brent (langsam aber sicher) weiter ein und der Aufschlag des europäischen Referenzöls gegenüber dem US-amerikanischen Referenzöl sinkt. Dies ist zum einen fundamental begründet, zum anderen aber auch aktuell stimmungsgetrieben.
Konnten die Rohölpreise zu Beginn der vergangenen Woche noch zulegen (insbesondere WTI, das am Dienstag im Hoch bei 94,65 USD pro Barrel handelte), ging es am Mittwoch zunächst abwärts. So waren, wenig überraschend (da im Vorfeld der Abbau der Lagerbestände vornehmlich auf sinkende Importe zurück zu führen war), die US-Rohölbestände in der vergangenen Woche um deutliche 4,7 Millionen Barrel gestiegen. Zwar wiesen die Bestände der Ölprodukte einen Rückgang aus, dies dürfte wohl aber vornehmlich auf steigende Exporte zurück zu führen sein.
Am Donnerstag ging es dann, entlang aller Asset-Klassen und angesichts der Euphorie nach den Euro-Gipfel-Beschlüssen wieder nach oben.
Am Freitag allerdings machte die allgemeine Euphorie schon wieder der ersten Ernüchterung Platz. Dies spürt auch heute Brent Crude stärker, als WTI.
WTI, das am Donnerstag bei 94,25 USD pro Barrel im Hoch handelte, fiel bis auf 91,36 USD heute im Tief und notiert aktuell bei 93,31 US-Dollar pro Barrel zur Lieferung im Dezember an der NYMEX.
Brent Crude handelte am Donnerstag in der Spitze bei 112,79 USD pro Barrel und fiel bis auf 108,20 USD heute im Tief. Aktuell notiert Brent Crude zur Lieferung im Dezember bei 109,81 US-Dollar pro Barrel an der ICE.
Ausblick
Der Aufschlag von Brent gegenüber WTI dürfte wohl auch weiter langsam sinken und die Preise könnten vorerst auch weiterhin unter gewissem Abgabedruck stehen. Alles weitere bleibt schließlich auch von der tatsächlich konjunkturellen Entwicklung abhängig.
Edelmetalle
Die Goldpreise konnten in der vergangenen Woche dagegen ganz klar zulegen. Obgleich das Muster der Korrelation zu den übrigen Rohstoff- und Aktienmärkten noch nicht gänzlich durchbrochen ist, zeigen die Goldpreis nun zunehmend ihr angestammtes Muster der Negativ-Korrelation zu den Finanzmärkten und werden damit ihrem üblichen Safe Haven Status wieder gerecht.
So zum Beispiel am vergangenen Dienstag, wo Gold, ganz im klassischen Muster, entgegen der übrigen Märkte deutlich zulegen konnte.
Auch heute können die Goldpreise zulegen, wobei der Goldpreis in Euro stärker aufwertet, aufgrund der schwachen Einheitswährung.
Aktuell notiert Gold in USD bei 1.721,60 USD pro Feinunze.
Gold in Euro notiert bei 1.237,38 EUR pro Feinunze.
Ausblick
Eigentlich ist die in den letzten Wochen beobachtete Phase der Korrelation von Gold zu den übrigen Märkten gar nicht mal so ungewöhnlich. Wie ich schon vor einigen Wochen schrieb, gerät der Goldpreis in extremen Krisenphasen in diese Korrelation natürlicherweise, weil eher spekulativ orientierte Investoren natürlich zwischenzeitlich Kasse machen müssen. Aber diese Phasen gehen vorbei und Gold kann dann wieder seinen Safe Haven Status wahr nehmen. Dafür, dass dies auch diesmal so sein wird, spricht auch der Umstand, dass die langfristig orientierten Investoren ihre Bestände nicht abgebaut, sondern wie in der letzten Woche (die Gold-ETFs konnten weitere Zuflüsse verbuchen) eher noch aufgebaut haben.