Gold oder nicht Gold, das ist hier die Frage
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 03. November 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Zuletzt ist Gold auf gut 464 Dollar pro Unze gefallen. Es ist immer noch ein weiter Weg bis zum Ihrem Kaufzielwert von 450 Dollar, aber es ist zumindest schon einmal die richtige Richtung.
Es gebe keinen Grund mehr, Gold zu halten, sagen die Experten. Wenn Sie sich z.B. vor einer Inflation absichern wollten, dann gäbe es an der Wall Street eine Reihe von Möglichkeiten. Man könne Ölaktion kaufen. Exxon verkündete kürzlich Verkaufszahlen für das letzte Quartal von über 100 Milliarden Dollar. Keine Firma hat je zuvor in einem einzigen Quartal so viel Geld gebracht.
Exxon verkauft etwas, das die Fed nicht fälschen kann und das die Chinesen nicht herstellen können. Die Inflation wird den Preis in die Höhe treiben. Darüber hinaus erwirtschaftet die Firma einen Profit, so dass man sowohl Dividenden, als auch Kapitalgewinne kriegen kann. Um Aktien zu besitzen, muss man auch kein Schließfach mieten und man muss sie auch nicht in der tiefsten Nacht im Garten vergraben.
Das ist das Problem mit Gold, es ist wie eine Freundin, die weder die Wäsche macht, noch einen Kuchen für einen bäckt. Nach einer Weile denkt man, dass man es auch besser haben könnte.
Aber Gold ist die ultimative Rücklage. Es gibt weder Erträge, noch Dividenden, und es wirft keine Zinsen ab. Man kauft es, man hält es, man hofft, dass der Preis nicht fällt.
Aber die modernen Ökonomen sagen, man könne es auch besser haben. Man brauche keine Rücklagen gleich welcher Art und sicherlich nicht von der Art, die man auch im Periodensystem der Elemente und in Zähnen findet ... darauf bestehen sie. Sie sagen, die Wirtschaft sei heute so stabil, so solide und so gut diversifiziert, dass man nicht länger einen Bestand an Bargeld brauche. Es wird immer Geld geben, wenn man es gerade braucht: Es kommt aus Geldautomaten, von den Lohnlisten, den Anlagen und den Kreditgebern (inklusive der Kreditkarten).
In alten Zeiten bedeutete eine Rezession, dass die Menschen ihre Stellen verloren. Wenn der Brotverdiener keine Arbeit mehr hatte, dann mussten die Familien auf die Ersparnisse zurückgreifen. Aber das sei das alte Modell, erklären die Ökonomen. Heute verliert man die Jobs, wenn es zu dem sehr seltenen Ereignis eines Konjunkturrückgangs kommt, eher in China, nicht jedoch in den voll entwickelten Ökonomien. Abgesehen davon gibt es in den Familien in Amerika heute in der Regel mehr als einen Brotverdiener ... so ist es noch nicht einmal eine Katastrophe, wenn einer davon seinen Job verliert.
Und im schlimmsten Fall gibt es immer noch die Kreditkarten und die Möglichkeit der Hypothekenerhöhung, auf die man zurückgreifen kann. Warum also soll man sein Geld in einem Loch in der Erde vergraben?
Es sei eine neue Ära, sagen sie. Man braucht heute kein Feuerholz mehr zu lagern, oder Lebensmittel, oder Geld. Es wird immer da sein, wenn man es braucht, zu Preisen, die man sich leisten kann.
Ich kann gegen die Tatsachen nichts einwenden. Dank Mr. Greenspan sieht es so aus, als lebten wir in einer Welt, in der alles reichlich vorhanden ist ... es gibt reichlich Kredite, für alle, die einen brauchen. Und ja, es stimmt, solange die Welt voll ist von allen Dingen, die jeder braucht, zu Preisen, die man sich leisten kann, braucht man kein Gold.
Ich stelle nur die Bedeutung des Ganzen in Frage. Ist diese glückliche Welt eine dauerhafte Angelegenheit ... eine echte "neue Ära", wie so viele Ökonomen glauben? Oder verhält es sich zyklisch, als eine Phase der ruhigen, niedrigen Zinssätze und des offenkundigen Wohlstands ... auf die eine schwierigere Phase folgen wird?
Gold erlebte in den letzten fünf Jahren einen Bullenmarkt, es stieg um 160 %. Doch das ist nur wenigen Menschen aufgefallen. Nur 3,24 % des Fidelity Sector Funds sind Goldaktien zugewiesen. Während der Gold-Rally von 1989 bis 1990 ist der Anteil im Gegensatz dazu auf 36 % angestiegen. Entweder ist es wirklich eine neue Ära – eine Welt, so wie wir sie noch nie zuvor erlebt haben – oder dieser Bullenmarkt hat noch eine weite Strecke vor sich. Kaufen Sie Gold.
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