Gold: Neues Allzeithoch!
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 7. Oktober 2009, 08:00 Uhr
ENL5462
die Zweifel an einem tatsächlichen Ausbruch des Goldpreises auf neue Allzeithoch sind seit gestern beseitigt. Wie in meiner Analyse vom 3. September schon erwähnt, war damit zu rechnen, dass sich dieser Prozess noch über vier Wochen hinziehen würde, denn alleine der Aufschwung von knapp 900 bis auf 1.000 USD hatte die Bullen erst einmal viel Kraft gekostet. Aber auch auf der fundamentalen Seite hat sich seither einiges getan. Das Thema US-Konjunkturpaket wurde bisher nicht wirklich wieder aufgewärmt, denn die Konjunkturerholung jenseits des Atlantiks versprach doch einen Abbau des US-Haushaltsdefizits sowie einen Anstieg der US-Zinsen und infolge eine Stabilisierung des US-Dollars gegenüber dem Euro. Diese Hoffnung muss nach den jüngsten Konjunkturzahlen wohl zunächst begraben werden. Die Amerikaner werden nicht umhin kommen, noch wesentlich mehr Verschuldung und damit Inflation auf sich zu nehmen, um dem strukturell desaströsen Zustand ihrer Wirtschaft in den Griff zu bekommen.
Vor diesem Hintergrund bekommen die von den Terminmärkten angetriebenen spekulativen Investitionen auf Gold einen ganz anderen Anstrich. Die physische Nachfrage nach Gold aus der Industrie und dem Privatkundensektor reicht jedenfalls nicht aus, um das Edelmetall substanziell auf neue Allzeithoch zu treiben. Institutionelle Investoren haben damit begonnen, ihre Positionen in Gold aufzustocken, durch das Überschreiten technischer Hürden wurde ein neues Kaufsignal ausgelöst, neue Käufer werden deshalb nun in den Markt drängen. Die Berechenbarkeit der nächsten Spekulationswelle nimmt aber etwas ab, denn einige Notenbanken haben bereits ihre Absicht bekundet, ihre Goldreserven wieder aufzufüllen.
Notenbanken stocken Goldbestände auf
Noch im vergangenen Jahr gehörten die internationalen Notenbanken zu den größten Verkäufern von Gold, doch hat sich dieses Bild schon im ersten Halbjahr 2009 stark verändert. Die Goldverkäufe nahmen um 74 Prozent ab, seriösen Schätzungen informierter Marktbeobachter werden die Notenbanken in diesem Jahr vermutlich zwischen 6 und 10 Millionen Unzen Gold nachfragen, Tendenz eher steigend. Damit bringen die Verantwortlichen in den Zentralbanken auch gleichzeitig ihr Misstrauen gegenüber der Politik zum Ausdruck, der sie eine angemessene Haushalts-konsolidierung nicht zutrauen.
Da zudem Politiker wie der französische Staatspräsident Sarkozy zudem die Unabhängigkeit der EZB beschneiden wollen, um eine eher populistische Währungs-und Zinspolitik zu betreiben, nimmt nicht nur das Vertrauen in den US-Dollar ab. Ein wenig Psychologie steckt hinter der neuen Begeisterung für Gold allerdings auch, denn immerhin konnte das Edelmetall im Gegensatz zu Aktien und Renten seine Kursschwankungen nach unten in den vergangenen zehn Jahren deutlich begrenzen, unter dem Strich steht für Anleger auf US-Dollarbasis seit 1999 ein deutliches Plus.
Lieber 10 Prozent Inflation als 10 Prozent Arbeitslosigkeit
Auch im Hinblick auf den eigenen begrenzten Spielraum spricht vieles für einen weiter steigenden Goldpreis. Im Konflikt zwischen mehr Wachstum und einer höheren Inflation wird die US-Notenbank eine zeitlich begrenzte, höhere Inflationsrate akzeptieren und damit eine Abwertung des US-Dollars tolerieren. Die US-Politiker betonen zwar gebetsmühlenartig ihr Interesse an einem starken US-Dollar, dies ist aber nur Alibi-Rhetorik. In der Realität bleibt den USA nichts anderes übrig, als ihre Verschuldungspolitik noch ein wenig ausbauen, um den Neustart der US-Wirtschaft nicht zu verzögern oder gar ganz zu verhindern.
Eine frühzeitige Erhöhung der Zinsen würde jedes weitere Konjunkturpaket, aber auch das aktuelle in seiner Wirkungsweise stark beeinträchtigen und hätte negative Folgen für die Konjunktur. Die Kritik an dieser Politik mag zwar berechtigt sein, die Weltwirtschaftsordnung hat sich aber trotz der Erstarkung Chinas noch immer nicht verändert. Die Amerikaner handeln dabei nach der Maxime des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, der schon konstatierte: Lieber 10 Prozent Inflation als 10 Prozent Arbeitslosigkeit.
Charttechnisch neues Terrain
Vor knapp vier Wochen stellte ich meiner Analyse fest:
„Der nächste Widerstandsbereich liegt nun bei Hochpunkten aus dem März 2008 und Juni 2009 bei 988/ 992 US-Dollar. Die aufkommende Dynamik bei den Trendindikatoren und der neutrale Zustand der Slow Stochastik, die anzeigt ob ein Basiswert überkauft oder überverkauft ist, lässt aber die Interpretation zu, dass die Bullen das Allzeithoch vom 17.März bei 1.032 US-Dollar testen werden. Naturgemäß würde es an einem solchen Widerstandspunkt nochmals zu einer Konsolidierung kommen.
Erst im Anschluss dieser Atempause wäre dann mit einer fortgesetzten dynamischen Aufwärtsbewegung in Richtung neuer Allzeithoch zu rechnen. Da es oberhalb von 1.032 US-Dollar keinerlei charttechnischen Widerstand mehr gibt, limitieren nur die Trendindikatoren das Aufwärtspotential. Erfahrungsgemäß dürfte ein Aufwärtsschub aber zwischen 10 und 15 Prozent betragen, so dass Kurse zwischen 1.150 und 1.200 US-Dollar im Oktober wahrscheinlich sind.
Dem ist eigentlich nur hinzuzufügen, dass im Anschluss an den ersten Aufwärtsschub, erneut eine kurze und heftige Konsolidierung folgen wird. Ein weiterer Aufwärtsimpuls dürfte dann Kurse von 1.250 bis 1.310 US-Dollar sehen.
ähnliche Beiträge:
weitere Ausgaben von
DAX Daily
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Mittwoch, 08. Februar 2012
Dienstag, 07. Februar 2012
Montag, 06. Februar 2012
alle AusgabenUS-Options Trader
Werden Sie zum Dauer-Sieger und überwinden Sie jede Markthürde mit Leichtigkeit
Mit der verblüffend einfachen und höchst effizienten US-Optionen-Strategie von Claudia Jankewitz können auch Sie stetige Gewinne einfahren!
Klicken Sie hier für weitere Informationen zu US-Options Trader
Artikel weiterempfehlen