Gold: Liquiditätsflut hilft
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 18. Dezember 2008, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
nicht nur der Euro hat in den vergangenen Tagen gegenüber dem US-Dollar kräftig an Wert gewonnen, auch Gold konnte deutlich zulegen. Die Gründe für diese Bewegung sind vielfältig, im Zentrum des plötzlich wiederentdeckten Interesses steht aber die massive Inflationierung der US-Währung durch die US-Notenbank und die künftige Regierung. Die Ausweitung der US-Wirtschaftskrise zu einer weltweiten Wirtschaftskrise hat dem US-Dollar ab Mitte des Jahres eine Atempause im Abwertungsprozess verschafft. Die bis dahin noch als gegen die Krise einigermaßen resistent beschriebenen Wirtschaftsräume Europas, Asiens und Südamerikas mussten zur Kenntnis nehmen, dass die seit mehr als 100 Jahren geltende Wirtschaftsordnung nach wie vor Gültigkeit hat. Danach folgt einer Wirtschaftsabschwächung in den USA mit sechs bis neun Monaten Verzögerung eine ebensolche Abkühlung in den anderen wichtigen Industrieländern. Die Globalisierungsprozesse der Achtziger und Neunziger Jahre haben den Kreis wichtiger Industrieländer stark erweitert, die Wirkung dieser Wirtschaftskrise betrifft entsprechend mehr Regionen als noch vor dreißig oder vierzig Jahren.
Unter dem Eindruck der US-Dollar-Abwertung von Mitte 2007 bis zum Frühjahr 2008 und der damit verbundenen Goldrallye haben viele Investoren den Prognosen eines raschen Goldanstiegs auf 2.000 US-Dollar und darüber hinaus Glauben geschenkt. Hinter diesem Vorgehen stand die Vermutung, dass die zu erwartenden Dimensionen der Bankenkrise nur mit staatlicher Hilfe zu bewältigen seien. Der Preis dafür ist eine stark Erhöhung der Staatsschulden, die auf Kosten der Stabilität der jeweiligen Währung geht. Dieser Prozess ist aber wesentlicher langsamer ist Rollen gekommen als Analysten dies erwartet hatten. Gold als Ersatzwährung musste deshalb in den vergangenen Monaten eine Konsolidierungsschleife drehen und erfreute sich weitaus geringerer Nachfrage als vermutet. Mit dem Herunterfahren der Leitzinsen auf einen Zinskorridor von 0 bis 0,25 Prozent sind die Geldschleusen in den USA jetzt bis zum maximalen Anschlag geöffnet , Barrack Obama wird als US-Präsident ein Konjunkturpaket im Billionen-Umfang zu Beginn des Jahres schnüren. Die Flucht aus dem US-Dollar lenkt die Investments in den Euro und in Gold. Da aber die europäischen Regierungen nicht um eine Ausweitung ihrer staatlichen Hilfen herum kommen werden, dürfte die Euro-Rallye begrenzt sein. Auch für das Gold wachsen die Bäume nicht in den Himmel.
Mit einem Wertzuwachs von 15 Prozent für die Feinunze Gold auf knapp 870 US-Dollar haben sich die technischen Perspektiven für das Edelmetall kurzfristig wieder aufgehellt. 38- und 200-Tage-Linie wurden beide nach oben durchbrochen, Trendfolgeindikatoren wie der MACD und das Momentum lassen noch keine Abschwächung der Aufwärtsdynamik erkennen. Eine erste Bewährungsprobe auf den steilen Aufwärtstrend kommt mit dem Test eines untergeordneten, mittelfristigen Abwärtstrends bei 890 US-Dollar auf den Goldpreis zu. Sollte dieser Bereich nachhaltig überwunden werden können, stellt sich zwischen 920 und 930 US-Dollar die dominierende Abwärtstrendlinie als nächste Hürde entgegen. Gemessen an der Dynamik, die der aktuelle Anstieg bis dato vorweisen kann, ist nicht auszuschließen, dass diese Widerstände in den folgenden Tagen direkt angegriffen werden, sehr wahrscheinlich werden die Bären die Attacken aber erst einmal abwehren können. Im Anschluss an eine mehrtägige Konsolidierung ist dann auch das Anvisieren höherer Kursziele um 1.000 US-Dollar durch die Bullen anzunehmen.

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