Gold-Kurs-Warnung
Dr. Markus Schoor in Investoren Wissen
vom 21. Oktober 2008, 16:00 Uhr
ENL5462
Liebe Leser,
schon vor Monaten warnte ich vor einem Investment in Gold an dieser Stelle, doch die aktuellen Ereignisse haben bei mir eine Flut von Anfragen nach dem vermeintlich sicheren Hafen "Gold" auflaufen lassen.
Also schauen wir uns das aktuelle Chart einmal gemeinsam an und lassen die Ereignisse Revue passieren:
mit freundlicher Genehmigung von stockcharts.com
Ich erinnere mich gut: das ganze letzte Jahr hätte ich mit Goldkaufermahnungen, also Empfehlungen zum Goldkauf, pflastern können. Jede einzelne Ausgabe des Investoren-Wissens hätte ich dies tun können und die Artikel meiner amerikanischen Kollegen, die sich allesamt sicher waren und sind, dass das Gold auf 2000 oder 3000 Dollar steigen wird, rissen niemals ab.
Ich langweilte mich aber bereits nach einer Woche derart, dass ich damit aufhörte. Seit dem letzten Jahr hat sich nicht ein neues Argument dazu gesellt.
Selbst mit meinem Lieblingskollegen Jochen Steffens bin ich nicht ganz einig: Gold soll ein Anzeiger von Inflationssorgen sein, heisst es bei ihm.
Nachdem ich mir die lange wechselvolle Geschichte des Goldes angeschaut habe, komme ich zu dem Schluß, dass Menschen dann auf Gold aufspringen, wenn sie heiraten wollen, wenn sie Geld vor einer Währungsreform schützen wollen, bzw. den Untergang des Geldes in einer Hyperinflation fürchten.
Was haben diese drei Dinge gemeinsam? ganz klar: an Zinsen ist nicht mehr zu denken!
Seit der vergangenen Woche soll das Gold ja ausverkauft sein - also Goldmünzen in Münzläden und Banken, sowie Barren in Turnhallen, - nein, äh, Goldbarren auf Goldbarrenhalden natürlich. Tagelang habe ich die Sendungen in N24 gesehen, bei denen vom Ausverkauf der Münzen und Barren die Rede war.
Immer wieder wurde dabei erwähnt, dass der Goldpreis ja steigen würde.
Aber das Chart zeigt das nicht.
Seitdem der Goldpreis über 1000 notierte, hat er diese Marke kein zweites Mal erreichen können. Inzwischen hat sich eine Art Doppeltop bei 1000 begildet und sogar ein tieferes Hoch bei 925 Dollar.
Seit Jahren lehre ich in meinen Seminaren, dass dies der Lieblingseinstiegspunkt des unerfahrenen Börsianers ist: Nach einem Doppeltop, etwas tiefer als dieses. Wenn ich Showtradings mache, lasse ich die Zuschauer abstimmen, wann sie einsteigen. Und die Mehrzahl kauft hier - ein idealer Einstieg für ein Fiasko.
Für das Gold bedeutet das: Alle die kaufen wollten, sind in den letzten Wochen eingestiegen. Sollten jetzt keine weiteren Horrormeldungen folgen oder Frau Merkel zum Beispiel den Erwerb von Gold verbieten (wie die amerikanische Regierung in den 30er Jahren - was für Dummköpfe!) , dann sieht die Nachfragesituation in den nächsten Wochen nicht so toll aus, da die Goldkäufer immer langsamer nachwachsen.
Es besteht sogar die Möglichkeit, da der historische Fehler des Festhaltens am Goldstandard scheinbar verstanden wurde, dass die Politik die Notenbanken dazu anregt, ihre Goldreserven auf den Markt zu werfen, um die ausufernden Staatsschulden zu dämpfen. Das ist in Deutschland bereits seit 2004 grundsätzlich beschlossen worden, wurde aber bisher nicht umgesetzt. Das macht allerdings Sinn, da Regierungen ja nicht im Supermarkt einkaufen.
Wir haben es deshalb mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu tun, dass der Goldpreis unter 600 Dollar fallen wird.
Es ist keine Garantie - die gibt es nur an der Himmelspforte.
Nun, die meisten Goldkäufer der letzten Wochen, wollten nur ein wenig Krisenwährung erwerben und das ist beileibe nicht so schlimm. Ich bevorzuge Getreide und Suppendosen als Krisenwährung. Das ist einfach gebührenärmer und schreckt Diebe ab.
Es sollte abschließend bemerken, dass erfahrende Börsianer Gold durchaus kaufen würden - aber nicht vor einem Kursanstieg über 1000 Dollar.
Erste Marktberuhigung sichtbar
Letzte Woche zeigte ich Ihnen ja, anhand einer Anleihe der Deutschen Bank, wie nah wir am Abgrund standen.
Dieses Papier hat jedoch wenig Umsatz, deshalb beobachte ich eine Reihe anderer Papiere, um den Fortgang zu überwachen.
Hier einmal ein "sicherer" Pfandbrief, den wir als Anlageklasse ja bereits vor einigen Monaten einmal kritisch beäugt haben.
Der hat aber täglich jede Menge Umsatz. Hier können Sie ebenfalls die Krise erkennen (Abschläge bis zu 10%! - Hoffen wir, dass wir das niemals wieder sehen!), als auch die Erholung. Das Papier zeigt also eine erste vorsichtige Entwarnung - es sei denn, es rutscht wieder ab....
mit freundlicher Genehmigung von onvista.de
Beste Entspannungsgrüsse
Doc

Artikel weiterempfehlen