Gold: Kein Krisengewinner
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 23. Oktober 2008, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
als die Weltbörsen im Zuge der Finanzkrise Mitte September neue Jahrestiefststände erreichten und ohne Staatsgarantien das Finanzsystem drohte zusammenbrechen, flüchteten sic h viele Anleger in einem klassischen Reflex in das Krisenmetall Gold. Glaubt man den Aussagen der privaten Handelshäuser, so ist die Nachfrage von privater Seite ungebrochen. Betrachtet man allerdings den Kursverlauf der Feinunze in US-Dollar, unterscheidet sich der Chart im Verhältnis der vergangenen fünf Tage kaum noch von den Aktienbörsen. Ein massiver Kursrutsch hat einigen Investoren die bisherige Illusion genommen, Gold würde unzweifelhaft von der Ausweitung der Finanzkrise profitieren. Worin liegen die Gründe für diese Entwicklung?
Fundamental gesehen müsste der Goldpreis bei mindestens 1.000 US-Dollar liegen, private Handelsgesellschaften berichten wegen der hohen Nachfrage von privater Seite von Lieferschwierigkeiten, die erodierenden Aktienmärkte verstärken das Bestreben, sich Sicherheit zu erkaufen. Anders sieht die Sachlage hingegen bei den Großabnehmern wie Industrie und Schmuckhandel aus. Der schlagartige Übergriff der Finanzkrise auf die Realwirtschaft zieht eine deutliche Orderabschwächung nach sich. Vor allem die stark gedämpfte Nachfrage aus der Schmuckindustrie ist für die Entwicklung des Goldpreises bedeutsam, weil die Branche zwischen der Hälfte und zwei Dritteln des jährlichen Goldangebots aufnimmt. Da in dieser Krise, anders als beim Platzen der Internetblase, auch viele Neu-Millionäre und -Milliardäre größere Teile ihre Vermögens verlieren werden, entzieht sich für einen stiegenden Goldpreis ein wesentliches Fundament für steigende Kurse. Gerade die indische Schmucknachfrage hat einen dramatischen Absturz erlebt.
Außerdem ist das von den Terminmärkten angetriebene spekulative Moment zum großen Teil aus dem Goldmarkt entwichen. Die noch vor einem halben Jahr vorhandenen spekulativen Gelder werden jetzt zum einen zum Stopfen von Liquiditätslöchern verwendet, zum anderen rücken an den Aktienmärkten die günstigen Einkaufsmomente näher. Auch dafür wollen Investoren gewappnet sein. Zudem spielt die auch die Schwäche des Ölpreises eine Rolle, generierte sich doch wegen der Hausse des Ölpreises ein nicht unerheblicher Nachfrageschub aus den Ölförderländern. Mit der Halbierung des Ölpreises in den vergangenen drei Monaten versickerte auch diese Nachfragequelle für den Goldmarkt. Das sinkende Goldangebot der großen Minen in Südafrika, Australien und Kanada spielt vor diesem Hintergrund deshalb aktuell kaum eine Rolle.
Auch technisch gesehen ist in den kommenden Monaten nicht mit einem Anlauf auf neue Höchststände zu rechnen. Der Bruch des seit Mitte 2005 gültigen Aufwärtstrends ist dagegen eher als Warnzeichen für eine ausgedehntere Konsolidierung zu verstehen, gleichzeitig aber auch als Hoffnungssignal für Anleger, dass sich die Finanzkrise vermutlich nicht mehr zu einer Systemgefahr ausweiten wird. Mit Kursen unter 700 US-Dollar und einem Test einer horizontalen Unterstützungszone bei 693 US-Dollar ist in den nächsten ein bis zwei Wochen zu rechnen. Kann der Goldpreis dieses relativ starke Unterstützungsniveau verteidigen, sollte eine moderate Erholung bis in den Bereich um 775 US-Dollar,an den gebrochenen Aufwärtstrend, erfolgen. Von dort aus wird sich die Konsolidierung fortsetzen, ein weiterer Kursverfall bis mindestens 600 US-Dollar im Laufe des nächsten Jahres ist einzukalkulieren.
