Gold, Gold und nochmals Gold
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 23. Dezember 2002 18:00 Uhr
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Am Goldmarkt reiben sich die Investoren die Augen. Letzte Woche schoss der Goldpreis auf bis zu 355 Dollar pro Unze hoch – die Anleger mussten sich kneifen, um sich zu versichern, dass sie nicht träumten. Nachdem sie 20 Jahre lang falsch gelegen hatten, können sich die Goldanhänger jetzt freuen ... endlich!
Währenddessen war es in China dem Durchschnittsbürger verboten, Gold zu besitzen – bis vor kurzem. Jetzt ist es erlaubt, und laut BBC stehen die Chinesen jetzt an, um Gold zu kaufen. Diese Goldbarren, die jetzt in China verkauft werden, sind übrigens mit einem Schaf gestempelt. Der chinesische Kalender sagt, dass das Jahr des Schafes im Februar beginnt.
Die Goldnachfrage in China soll sich im nächsten Jahr verdoppeln. Aber nicht nur deshalb scheint das Gold derzeit zu steigen – schließlich hat der Fed-Gouverneur Ben Bernanke der Welt mitgeteilt, dass die Fed notfalls bereit wäre, den Dollar durch Anwerfen der Notenpresse zu ruinieren, um fallende Konsumentenpreise zu verhindern. Derzeit werden 76 % der weltweiten Devisenreserven der Notenbanken in US-Dollar gehalten. Im Gegensatz dazu ist der prozentuale Anteil von Gold an den Reserven auf dem tiefsten Stand seit 50 Jahren.
Was würden Sie tun, liebe(r) Leser(in)? Stellen Sie sich vor, Sie wären Kopf der Zentralbank von Uruguay oder Usbekistan. Und Sie hätten die Rede von Bernanke gelesen ... und Sie wüssten, mit was für Problemen die USA zu kämpfen hätten: Die Vereinigten Staaten brauchen täglich fast 1,5 Mrd. Dollar an ausländischen Kapitalimporten, nur um das derzeitige Konsumniveau halten zu können. Und die Schlagzeilen rund um die Welt lauten so:
"Das Bruttoinlandsprodukt von Argentinien kollabiert mit einer Jahresrate von 10 % ...:"
"Deutschland kämpft mit Streiks ... Deflation ... einer alternden Bevölkerung ..."
"Die Zuversicht der italienischen Verbraucher ist auf einem 6-Jahres-Tief ..."
"Der Ölpreis steigt wegen der Kriegsangst ..."
Und, ja ... es gibt immer Krieg. Die Ausgaben für das Militär sind in den USA ein großer Bullenmarkt – vielleicht sogar eine Spekulationsblase. Im November lag das US-Haushaltsdefizit bei 59,1 Milliarden Dollar. Es wird erwartet, dass das Defizit für das gesamte nächste Haushaltsjahr (das am 30.9.2003 enden wird) auf 145 Milliarden Dollar steigen wird. Diese Zahlen beinhalten den größten Anstieg bei den Verteidigungsausgaben seit 2 Dekaden, was das US-Verteidigungsbudget auf 355 Milliarden Dollar steigen lässt. Es werden Hunderte von Milliarden von Dollar, die man nicht hat, ausgegeben, um einen Feind zu bekämpfen, den man nicht finden kann. Wie bei einem Bullenmarkt wird sich auch hier wahrscheinlich das Verhältnis einmal ändern. Aber wer weiß schon, wann? Oder wie?
Auch die Zentralbanker können genauso wenig wie ich die Zeitungen von Morgen schon heute lesen. Aber wenn Sie ein Zentralbanker wären – oder nur ein gewöhnlicher Investor –, würden Sie nicht dazu neigen, etwas mehr Ihrer Reserven vom Dollar zum Gold zu verlagern ... nur für alle Fälle?