Gold-ETFs legen weiter zu
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 2. Dezember 2008, 20:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
gestern haben wir wieder halb fassungslos unser Gold weit unter die 800 US-Dollar-Marke fallen sehen. Halb fassungslos sage ich - weil zwar schmerzlich, aber erstens zu verschmerzen und zweitens in Zeiten wie diesen doch nicht mehr wirklich überraschend.
Die Märkte spielen rauf und runter, drunter und drüber, Schizophrenie und Paranoia - oder vielleicht sogar Käsekästchen. Nein, ich möchte nicht ungebührlich wirken. Nachdem Mr. Market schon wieder leichte Hoffnungen geschöpft hatte, bekam er gestern eine Schockserie verpasst, die eben nicht spurlos an ihm vorübergehen konnte.
Anfangs hatte der Markt noch tapfer die negativen Wirtschaftsdaten vom Wochenende ignoriert, doch am Montag wechselte die Stimmung wieder zur Risikominimierung. USD und JPY handelten wieder fester, das Pfund wurde abgestraft und die Aktienmärkte unter Druck gesetzt, ebenso wie die Rohstoffmärkte.
Finanzwerte, Automobilproduzenten und japanische Exporteure - alle wurden stark verkauft. Die Aussicht, dass Goldman Sachs einen 2 Milliarden USD-Verlust berichten könnte ist ebenso wie die Erwartung, dass die Banken in den nächsten 18 Monaten ihre Kreditlinien stark reduzieren könnten die eine Seite.
Auf der anderen Seite will Merkel keinen sinnlosen Wettbewerb um Milliarden" führen (zumindest nicht vor den Wahlen). Und Henrys Verweis darauf, man wolle neue Wege suchen um das Finanzsystem zu stabilisieren ging leider neben dem neuen Bericht des NBER völlig unter. Das National Bureau of Economic Research hatte sich doch tatsächlich getraut zu verkünden, dass die US-Wirtschaft sich bereits seit Dezember 2007 in einer Rezession befindet. Überraschend, finden Sie nicht?! ;-)
Nichts desto trotz, der Markt konnte die Fülle negativer News nicht mehr ignorieren. Seien wir ihm also nicht böse deswegen!
Doch, was hat das alles eigentlich mit der Goldpreisentwicklung zu tun? Warum gibt der Goldpreis in einem Umfeld, dass wieder mehr auf Risikoaversion ausgerichtet ist überhaupt ab? (Der Spot-Goldpreis fiel gestern von über 810 US-Dollar bis auf zwischenzeitlich unter 770 US-Dollar pro Unze zurück; gegenwärtig notiert der Preis pro Unze bei 777 US-Dollar, da der USD wieder ein wenig zurückgekommen ist und Käufer den günstigen Preis genutzt haben) Sollte man nicht davon ausgehen, dass Gold als das Sicherer-Hafen-Element schlechthin, an einem Tag, der mit negativen Wirtschaftsdaten gespickt ist eher zulegt?
Eigentlich schon! Und tatsächlich steigt die Nachfrage nach physischem Gold von Seiten der Investoren ungerührt weiter an. Doch wir haben die Rechung ohne die Hedge-Fonds, Investment-Fonds und die noch immer zwingende Maßnahme des Deleveraging gemacht. Bevor ich mich dieser Thematik im zweiten Teil zuwende, möchte ich zunächst auf die wachsende Gold-ETF-Nachfrage eingehen.
Gold-ETFs legen weiter zu
ETF-Securities gibt heute einen weiteren Anstieg seiner Goldvorräte auf 1,615 Millionen Unzen an. Am Freitag betrug das vom Gold-ETF verwaltete Volumen noch 1,606 Millionen Unzen.
Starken Zulauf verbuchen auch die Schweizer Gold-Fonds. Wie heute berichtet wurde, übersteigt der Gold-ETF der Zürcher Kantonalbank mittlerweile 3 Milliarden Schweizer Franken. Damit hat sich das Volumen in den letzten vier Monaten auf 94,4 Tonnen verdoppelt. Julius Bär verzeichnet mit seinem erst seit einem Monat handelbaren ETF bereits ein Volumen von 143 Millionen Schweizer Franken. Das entspricht 4,6 Tonnen eingelagertem Gold.
Die Anleger kaufen also weiterhin ganz gezielt physisches Gold, zur Absicherung ihres Portfolios. Ganz dem gegenwärtigen auf Sicherheit bedachten Marktumfeld angemessen.
Kommen wir also zurück auf die Frage, warum der Goldpreis trotzdem gefallen ist und widmen uns dieser Frage in Teil 2.
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