Gold-Dukaten in Venedig
Investors Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 22. April 2004 18:00 Uhr
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*** "Florenz ist viel schöner", meint nicht nur mein Kollege Michael Vaupel, sondern auch ein libanesischer Freund von mir beim gestrigen Abendessen. "Hier in Venedig versucht jeder, einen auszunehmen. Wir sind gestern ein bisschen mit der Gondel herumgefahren. Ich wollte nur einen kurzen Trip, aber schon dafür mussten wir 80 Euro bezahlen. Und ein vernünftiges Abendessen kann man nicht für unter 40 Euro pro Person bekommen – das ist zumindest meine Erfahrung. Alles ist so teuer. Und es ist so wie Disneyland hier. Die ganze Stadt scheint nur aus Touristen zu bestehen. Die einzigen Venezianer, die ich gesehen habe, scheinen im Tourismus-Gewerbe zu arbeiten. Und nebenbei gesagt: Sonst gibt es ja auch gar nichts zu tun. Ich habe keine Theater irgendeiner Art gesehen. Keine großen Parks. Nur Kirchen. Und wie viele Kirchen kann man sich ansehen, bevor einem langweilig wird? Man kann einkaufen gehen, aber alles ist so teuer. Florenz ist besser."
*** Ich war noch nie in Florenz. Aber Venedig hat eine ganz bestimmte Anziehungskraft. Gestern besichtigte ich die Kirche "San Marco" und das Carrer-Museum (am zentralen Platz) mit seiner exzellenten Sammlung venezianischer Münzen.
"Seht Euch diese Gold-Dukaten an", sagte ich zu meinen Söhnen. "Seht Euch an, in was für einer guten Verfassung die sind. Gold verfällt nicht. Es rostet nicht. Diese Münzen sind über 500 Jahre alt. Wenn man die vor 500 Jahren in seinem Garten vergraben hätte, dann wären sie heute noch genauso viel wie damals wert."
"Aber Papa", antwortete mein Sohn Henry. "Was hätte man denn dann davon? Soll man Geld denn nicht nutzen? Warum sollte man 500 Jahre warten wollen, damit das Geld dann genauso viel wert ist wie vorher? Wäre es nicht besser, wenn man dann mit dem Geld Aktien oder so etwas gekauft hätte?"
"Lasst uns was trinken gehen", antwortete der Papa.
*** Heute Morgen tranken wir alle einen "Caffe Latte" am Giudecca Kanal. Meine Frau Elizabeth las uns laut etwas über die Geschichte von Venedig vor.
Trotz all der Fehler und Mängel hat Venedig Charme. Ich erinnere daran, dass tote Menschen nicht lügen. Und Venedig ist eine Stadt mit sehr vielen toten Menschen. Mehr dazu demnächst!
*** Meine Bekannten vom Internet-Dienst "What We Now Know" liefern mir einen Augenzeugenbericht aus dem Irak, von einem "Mr. X":
"Mal kurz, was hier drüben passiert ... in Falludscha hatten die Marines alles unter Kontrolle, bis sie kein Benzin mehr hatten, im wahrsten Sinn des Wortes. Der wahre Grund, warum die Marines ihre Waffenstillstands-Strategie anwenden mussten, ist, dass die Koalitionstruppen im Augenblick extrem wenig Benzin zur Verfügung haben. Wir haben das das erste Mal vor etwa 10 Tagen gehört, von einem Soldaten der 5. Division der Special Forces. Er beklagte sich, dass selbst sie ihr Benzin rationalisieren mussten."
"Ich arbeite in Bagdad und ich habe die Stadt noch nie so gefährlich erlebt. Noch nicht einmal im schlechten Frühling des letzten Jahres, während des Krieges. Wir wussten, dass alles vor dem 30. Juni schlechter werden würde. Und alles wurde schlechter. Wahrscheinlich wird alles noch schlechter werden ..."
Die Armee verschlechtert auch die Situation der Koalition. Die Armee beabsichtigt ihre Anwesenheit im Irak sehbar und spürbar zu machen, damit alle denken, sie würden richtig anpacken. Was sie nicht zu realisieren scheinen ist die Tatsache, dass gerade ihre große Militärpräsenz etwas ist, das die Iraker nicht ertragen ..."
"Solange die Armee das alles nicht realisiert – was sie scheinbar niemals wird – wird sich die Lage nur weiter verschlimmern. Und als Antwort darauf wird die Armee ihre Präsenz erhöhen."
"Damit will ich nicht sagen, dass es keine Hoffnung gibt. Langsam aber sicher verbessert sich für die Iraker die Lage. Alles – außer natürlich Sicherheit ..."
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