Gold: Der Zug rollt
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 3. September 2009, 08:00 Uhr
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Auch wenn sich viele Analysen mit den Ursachen für die Kursbewegungen bei Gold auseinandersetzen, in der Regel ist es schwierig eine genaue Vorhersage zu treffen, wann es zu starken Trendbewegungen bei dem Edelmetall kommt. Mein Versuch, einen Zeitpunkt für eine größere Trendbewegung zu finden, startete in dieser Kolumne vor vier Wochen. Gestern erhielt die damals gestellte Prognose dann durch eine starke Aufwärtsbewegung des Goldpreises ihr Gewicht. Die Hintergründe sind allerdings sehr verschieden, denn das Thema Inflation, dass ja Haupttreiber für einen höheren Goldkurs ist, wird zurzeit noch gänzlich beiseite geschoben.
Ein großer Teil der Anleger meint, eine wie auch immer geartete Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten führt zu einer automatischen Flucht in Sicherheit und lässt damit den Goldpreis steigen. Die These hat nicht viel Gehalt, denn nur in panikartigen Abwärtsschüben an den Aktienmärkten kann der Goldpreis deutlich profitieren. Im Normalfall bevorzugen Investoren auf kurze Sicht den Rentenmarkt als Sicherheitsalternative zu Gold, denn hier erhalten sie ihre Liquidität schneller und mit geringeren Verlustrisiken wieder zurück als bei Gold.
Ein stärkerer Aufschlag bei den Goldpreisnotierungen rührt also auch häufig an fundamentalen wirtschaftlichen Problemen. Da Goldpreis und US-Dollar in einer Wechselwirkung gebunden sind, indiziert ein stärkerer Goldpreis ohne Frage auch Schwierigkeiten beim Vertrauen in die US-Valuta. Gründe dafür gibt es seit dem letzten Jahr zuhauf, nur wird ihre Bedeutung in schwankendem Maße wahrgenommen. Aktuell verstärken sich aber die Sorgenfalten der Anleger im Hinblick auf die USA.
Neues Konjunkturprogramm?
Die Diskussion um die Notwendigkeit eines neuen Konjunkturprogramms in den USA rückt schlagartig die dramatische Staatsverschuldung des Landes in den Vordergrund. Bisher wurde aber von vielen Ökonomen argumentiert, auch viele andere Industriestaaten stünden vor diesem Problem. Es zeigt sich aber, dass die Sparquote anderer Nationen viel höher liegt als die der Amerikaner, so dass die US-Regierung weniger als andere Staaten darauf setzen kann, durch steuerliche Vergünstigungen die Konsumfreude wieder zu erhöhen.
Vordringliches Ziel der Regierung Obama ist es deshalb, zunächst so viele neue Arbeitsplätze zu schaffen wie möglich. Mit zusätzlichen Investitionen in die staatliche Infrastruktur könnte das zwar gelingen, allerdings nur zu dem Preis einer vorübegehenden höheren Staatsverschuldung. Die Regierung Reagan hat Anfang und Mitte der achtziger Jahre bereits mit Erfolg eine solche Politik betrieben.
Fed toleriert höhere Inflation
Im Zwiespalt zwischen mehr Wachstum und einer höheren Inflation wird die US-Notenbank deshalb zeitlich begrenzte, höhere Inflationsraten und damit eine Abwertung des US-Dollars tolerieren. Die US-Politiker betonen zwar gebetsmühlenartig ihr Interesse an einem starken US-Dollar, dies ist aber nur Alibi-Rhetorik. In der Realität bleibt den USA nichts anderes übrig, als ihre Verschuldungspolitik noch ein wenig ausbauen, um den Neustart der US-Wirtschaft nicht zu verzögern oder gar ganz zu verhindern.
Eine frühzeitige Erhöhung der Zinsen würde jedes weitere Konjunkturpaket, aber auch das aktuelle in seiner Wirkungsweise stark beeinträchtigen und hätte negative Folgen für die Konjunktur. Die Kritik an dieser Politik mag zwar berechtigt sein, die Weltwirtschaftsordnung hat sich aber trotz der Erstarkung Chinas noch immer nicht verändert. Nehmen die Amerikaner nicht wieder das Zepter in die Hand, bleiben die Wachstumsraten rund um den Globus niedrig. 
Auf dem Weg zu neuen Höhen
Vor knapp vier Wochen prognostizierte ich in einer Analyse an dieser Stelle den Ausbruch des Goldpreises aus einer Dreieckformation nach oben. Gestern Nachmittag gegen 14.00 Uhr startete die Notierung diese Bewegung mit dem Überschreiten des bisher hartnäckigen Widerstandes bei 960 US-Dollar. Im weiteren Verlauf gelang dem Goldpreis dann auch der Durchbruch über die Abwärtstrendlinie bei 974 US-Dollar sowie ein Tages-Topp bei 980,40 US-Dollar. Die Richtung für die nächsten Tage ist damit klar vorgegeben.
Der nächste Widerstandsbereich liegt nun bei Hochpunkten aus dem März 2008 und Juni 2009 bei 988/ 992 US-Dollar. Die aufkommende Dynamik bei den Trendindikatoren und der neutrale Zustand der Slow Stochastik, die anzeigt ob ein Basiswert überkauft oder überverkauft ist, lässt aber die Interpretation zu, dass die Bullen das Allzeithoch vom 17.März bei 1.032 US-Dollar testen werden. Naturgemäß würde es an einem solchen Widerstandspunkt nochmals zu einer Konsolidierung kommen.
Erst im Anschluss dieser Atempause wäre dann mit einer fortgesetzten dynamischen Aufwärtsbewegung in Richtung neuer Allzeithoch zu rechnen. Da es oberhalb von 1.032 US-Dollar keinerlei charttechnischen Widerstand mehr gibt, limitieren nur die Trendindikatoren das Aufwärtspotential. Erfahrungsgemäß dürfte ein Aufwärtsschub aber zwischen 10 und 15 Prozent betragen, so dass Kurse zwischen 1.150 und 1.200 US-Dollar im Oktober wahrscheinlich sind.
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