Gold – der einzig wahre Sichere Hafen
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 16. Dezember 2008, 20:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
Something is rotten in the state of Denmark" konstatiert Marcellus in Hamlet. Die alte Weisheit lässt sich auch hervorragend auf die Neuzeit übertragen. Also, frei nach Willie Shakespeare: Etwas ist faul im Staate USA!
Vielleicht denken Sie jetzt: das wissen wir doch schon längst und nicht nur da im Übrigen! Dennoch finde ich, dass es an der Zeit ist noch einmal über all die beunruhigenden Dinge zu sprechen die gegenwärtig im Staate USA so ablaufen.
3M T-Bond-Yields bei Null
Auch hiervon habe ich - auch im Devisenmonitor - bereits berichtet. Wie Sie wissen generieren US-Schatzanleihen mit dreimonatiger Laufzeit zum ersten Mal seit 1940 negative Renditen. Das klingt so nüchtern!
Ich sage es anders: Um Himmels Willen, die Leute leihen den USA Geld zu einer 0% Verzinsung. Wie kann man so etwas bloß machen? Klar, da steckt natürlich eine Riesenangst dahinter und der Versuch sein Bargeld zu schützen. Aber um Himmels Willen, eine Regierung dafür zu bezahlen, dass sie mein Geld annimmt - auf die Idee würde ich nicht kommen. Auch Renditen auf Anleihen mit längerer Laufzeit sind gefallen. 10Y US-Treasuries bringen es mit 2,47 % gerade einmal auf den tiefsten Stand seit 1954.
Ich sage Ihnen was ich denke: ich glaube nicht dass es lange so bleiben wird. Im Moment mögen US-Schatzanleihen beliebt sein, doch wie immer im Markt dreht sich alles irgendwann wieder. Eine Null-Prozent-Verzinsung kann nicht lange Bestand haben.
Massive Kapitalabflüsse aus den USA
Doch diese ungeheure, überbordende, sich überschlagende Beliebtheit von US-Schatzanleihen sagt uns etwas ganz Bestimmtes: Die Investoren verlieren immer stärker das Vertrauen in die US-Wirtschaft. Während die Käufe von US-Schatzanleihen zwar stabil bleiben, können sie doch nicht die massiven Verkäufe in anderen Asset-Klassen ausgleichen. Allein im Oktober haben Nicht-US-Bürger US-Vermögenswerte in Höhe von 69 Milliarden US-Dollar verkauft. Insbesondere Schuldpapiere von US-Firmen gehen den Bach runter. In den ersten zehn Monaten bis Oktober verkauften die Anleger solche Schuldpapiere in Höhe von 68 Milliarden US-Dollar.
Obwohl die Repatritaion flows (Amerikaner holen ihr Vermögen heim) weitergehen (im Oktober verkauften US-Bürger ausländische Anleihen und andere Vermögenswerte in Höhe von 36 Milliarden USD), sind doch die Kapitalabflüsse aus den USA massiv. [trotz der gegenwärtigen Beliebtheit von US-Schatzanleihen was nur in einem großen Knall enden kann]
Das wiederum bedeutet weiterhin ungeheuren Druck auf die US-Währung.
Zinssenkungen und andere Optionen üben weiteren Druck auf die US-Währung aus
Heute steht die Zinsentscheidung der FED an!! Man erwartet eine massive Zinssenkung um mindestens 50 Basispunkte auf dann 0,5 %. Vielleicht ist sogar noch mehr drin, doch der Clou ist, dass das mittlerweile schon fast egal geworden ist. Denn die effektive Federal Funds Rate liegt sowieso schon nahe der Null-Prozent-Marke.
Folglich muss Ben sich inzwischen noch mehr einfallen lassen, wenn er den Markt noch beeindrucken will. Und Ben hat Pläne: Quantitative Easing heißen diese Pläne. Konkret bedeutet das, dass die FED die Möglichkeit erhalten soll, neben der Zinspolitik auch mit dem An- und Verkauf von Wertpapieren Einfluss zu nehmen. Dies könnte den Aufkauf von US-Staatsanleihen bedeuten, oder von hypothekenbesicherte Wertpapiere oder kurzfristigen Schuldverschreibungen. Auf der anderen Seite bedenkt die FED offenbar auch selbst Staatsanleihen herauszugeben.
Und das ist Bens Clou: denn obwohl die US-Zentralbank theoretisch natürlich unbegrenzt Bargeld schöpfen kann, macht sich Ben offenbar doch Sorgen um das was dann folgen wird: der Inflationsdruck nimmt zu. Wenn Ben allerdings Anleihen ausgibt, dann wirkt das weniger inflationär als das plumpe Gelddrucken und macht es zudem möglich, dass der Leitzins über längere Zeit niedrig gehalten wird.
Auch das ist natürlich US-Dollar-negativ zu betrachten!!
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