Gold: Crasht der "sichere Hafen"?
Franz-Josef Buskamp (Chefredakteur "Value-Investor") in Nebenwerte Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 1. September 2011, 17:00 Uhr
ENL5454
Am Goldmarkt hat die Tagesvolatilität zuletzt deutlich zugenommen, was bereits aus dieser Sicht gegen die Vorstellung spricht, dass es sich bei Gold um einen „sicheren Hafen“ handelt.
Die Optimistenquote verharrt unverändert auf hohem Niveau.
Inzwischen haben fasst alle maßgeblichen Finanz- und Nachrichtendienste Gold auf ihren Titelseiten präsentiert. Der Markt ist somit aus Sicht der Stimmungsindikatoren überhitzt, was mit der seit Juli zu beobachtenden Übertreibungsphase einher geht. Goldanalysten relativieren diese Warnungen, da Gold ja noch über bedeutendes langfristiges Aufwärtspotenzial verfügt und Korrekturpotenziale geradezu naiv verdrängt werden.
Kaum ein Marktbeobachter kann sich noch eine größere Goldkorrektur vorstellen. Dies erinnert zum Teil an die Abläufe am Neuen Markt, wo sich auf dem Höhepunkt des seinerzeitigen Exzesses ebenfalls kaum noch jemand größere Korrekturen vorstellen konnte.
Fühlt man in die aktuelle Entwicklung am Goldmarkt rein, fehlt für den Vergleich mit dem Neuen Markt aber der Exzess im Gesamtsektor. Das heißt, Silber und Edelmetallaktien flankieren diese Entwicklung nicht, was für mich ein Hinweis ist, dass uns die eigentliche finale Übertreibungsphase noch bevorsteht. Um diese aber einleiten zu können, ist – analog zum Ölmarkt 2006/07 – eine vorherige Stimmungsabkühlung erforderlich.
Nahezu jeder Anleger, jeder Analyst, der am Goldmarkt involviert ist, vertritt inzwischen die Auffassung, dass Gold nur noch steigen kann und mit diesem Anstieg große Gewinne garantiert sind. Da sind in den vergangenen Monaten immer mehr Trittbrettfahrer auf den Haussezug aufgesprungen. Es wäre in der Börsenhistorie ein Novum, wenn ein Markt mit einer solchen Erwartungshaltung der Anleger tatsächlich ohne größere Korrektur und die damit verbundene Ernüchterung einfach munter weiter steigen und alle auf einfache Art und Weise reich machen sollte. Dies wird sich bald als Illusion herausstellen.
Auch für den Fall einer Korrektur wird die psychologische Wirkung dieses Rückgangs völlig unterschätzt.
Heißt also:
Die Korrektur könnte sich aufgrund des hohen Erwartungsdrucks 1. viel stärker präsentieren als ich mir selber vorstellen kann und 2. sich viel länger hinziehen als dies allgemein zu erwarten wäre.
Herzlich Ihr
Franz-Josef-Buskamp
ANMERKUNG DER REDAKTION:
Franz-Josef Buskamp ist Chefredakteur des Börsendienstes "Value Investor", der sich auf unterbewertete Substanzaktien spezialisiert hat. Herrn Buskamps komplette Analyse und weitere Anlageempfehlungen können Sie zu einem spannenden Kennenlernpreis hier testen...