Gold, Bilanzen und der Irak
Investors Daily
vom 25. Mai 2004 18:00 Uhr
ENL5454
*** Der Dollar fällt wieder. Der Goldpreis ist auf über 385 Dollar gestiegen. Könnte es sein, dass der Goldpreis endlich seinen Boden gefunden hat ... 25 Dollar unter dem Niveau, von dem ich gedacht hatte, es sei der Boden?
*** "Unserem ganzen Berufszweig geht es schlecht", erzählte mir letztes Wochenende ein französischer Buchhalter.
"Es gibt immer mehr Regeln ... immer mehr Codes ... immer mehr Gesetze. Sie kommen nicht nur aus Paris, sondern jetzt auch aus Brüssel. Und je mehr Regeln es gibt, desto mehr Korruption gibt es. Denn die neuen Regeln geben mehr Interpretationsmöglichkeiten ..."
"Die Bilanzierung ist eigentlich sehr einfach. Und man vertraute diesem Handwerk. Wenn ein Wirtschaftsprüfer die Zahlen selbst eines großen Unternehmens abgesegnet hatte, dann konnte man sicher sein, dass diese Zahlen ziemlich sicher waren ... man konnte sich auf die Regeln verlassen. Jetzt werden Gesetze verabschiedet, um diesen Berufszweig zu regulieren, und jeder betrügt."
"Ein großer Teil dieses Problems kommt aus der angelsächsischen Welt. Das ist merkwürdig. Denn es waren die Engländer, deren Rechtssystem auf dem Gewohnheitsrecht basierte ... während es auf dem Kontinent festgelegte Gesetze gab, wie den Code Napoleon. Aber jetzt importieren wir aus England und Amerika die schlimmsten Bilanzierungsprinzipien."
"Jetzt gibt es überall Buchhalter, die versuchen, den 'Shareholder Value' zu erhöhen. Was für eine Masche! Als ob die Aktien mehr wert würden, wenn man die Bilanzierungspraxis ändert! Ich war von diesem ganzen Thema so abgestoßen, dass ich ein Buch darüber geschrieben habe."
"Und wie viele Ausgaben haben Sie schon verkauft?"
"150."
*** Ich bin weiterhin verblüfft und bestürzt über Thomas L. Friedman, den Kolumnisten der New York Times. Ich frage mich, was für Brot er isst, und was für Luft er atmet. In seiner Kolumne von letzter Woche gab er Indien einen Rat. Und welchen Rat gab er den 900 Millionen Indern? Er sagte, sie müssten ihr politisches System "reformieren".
Das ist ein weiterer Erkenntnis-Durchbruch, oder was meinen Sie? Wieso haben die Inder da noch nicht vorher dran gedacht?
Selbst sein Laptop muss Friedman ausgelacht haben.
Und gestern schrieb Friedman wieder über den Irak. Nachdem er zuvor Amerika aufgefordert hatte, in den Krieg zu ziehen – mit dem Versprechen leichten Ruhmes und ewig dauernder Dankbarkeit der Iraker – stellt er jetzt fest, dass Selbstmordattentäter versuchen, die Amerikaner los zu werden. "Leute der Massenvernichtung" nennt er sie. Er räumt ein, dass er keine Ahnung hat, wer diese Leute sind – aber irgendwie meint er zu wissen, ihre philosophische Einstellung zu kennen. Sie seien "Nihilisten", sagt er, und er fügt hinzu, dass sie sich selbst in die Luft sprengen, damit ihre Gebete im Himmel beantwortet werden. Das wäre zwar ein merkwürdiger Nihilist, der an ein Leben nach dem Tod glaubt, aber immerhin kann man einem Mensch in kleinen Stücken keine Fragen mehr stellen.
Nun, also was kann man laut Friedman gegen diese neue Herausforderung durch die gläubigen Nihilisten tun? "Die Autorität und Sicherheit im Irak an die Iraker abgeben, sobald sie damit umgehen können ... wir müssen dieses Theater schließen, bevor es uns zu nahe kommt."
Also das ist eine Idee, der wir alle zustimmen können. Lasst uns einfach diese Selbstmordattentate stoppen. Ok. Richtig.