Gold: Betrug mit Wolfram?

in Traders Daily zum Thema Gold
vom


Trader´s Daily-Leser Thomas T. schrieb mir:

"Sie schreiben sehr viel über Rohstoffe - Gold, Silber , Platin, Palladium, Tantal usw.
Ich weiß nicht, ob ich es überlesen habe, jedoch habe ich zu Wolfram noch nichts gelesen.
Da soll es Bürger, Institutionen und Länder gegeben haben, die Goldbarren mit Wolframkern gekauft haben sollen, und auch in Fort Knox soll mittlerweile mehr Schrott als Gold liegen.


Ich gehe davon aus, dass Sie es wissen, aber nicht schreiben dürfen. Da bekommt man schnell mal die Karte, die der Schiedsrichter am Gesäß trägt."

Meine Antwort:

Wolfram gehört nicht zu meinen Favoriten unter den "strategischen Metallen".

Es hat eine interessante Eigenschaft: Und zwar entspricht die Dichte von Wolfram mit 19,25 g/cm³ fast genau derjenigen des Goldes.

Obwohl seine Verarbeitung aufgrund der physikalischen und chemischen Eigenschaften relativ aufwändig ist, wird es daher immer wieder zur Fälschung von Gold eingesetzt. Solange seine weißglänzende Farbe nicht sichtbar ist, kann es perfekt im Inneren von Goldbarren versteckt werden.

Noch vor wenigen Jahren galt Wolfram auch deswegen als strategisch wichtiger Rohstoff, weil angenommen wurde, dass seine Reserven in weniger als vierzig Jahren erschöpft sein könnten. Doch mit neuen Explorationsmethoden und bei steigenden Preisen können noch über viele weitere Jahre Wolframressourcen erschlossen werden. Experten rechnen damit, dass die relativ gut erreichbaren Vorkommen noch für mindestens hundert Jahre reichen werden. Andere Länder wie die USA und China haben strategische Reserven von Wolfram zurückgelegt, was sicher sinnvoll ist - allerdings gibt es da meiner Ansicht nach Rohstoffe, bei denen das mehr Sinn machen würde.

Generell fällt auf, dass die Nachfrage nach Wolfram stark von der Wirtschaftsaktivität abhängt. Diese zyklischen Schwankungen wirken sich enorm auf den Preis des nicht an Börsen gehandelten Metalls aus. Normalerweise fällt der Preis des am meisten gehandelten Werkstoffs Ammonium-Parawolframat (APT) in wirtschaftlicher Schwäche so tief, dass viele Minen nicht mehr kostendeckend produzieren können und schließen müssen. Erholt sich die Wirtschaft anschließend, gehen diese nach und nach wieder in Produktion, wenn die Lagerbestände zur Neige gehen. Steigen die Preise zu hoch, wiederholt sich dieser Zyklus erneut, weil dadurch die Wirtschaft geschwächt wird.

Mein Fazit: Wolfram ist ein Metall, dessen Preis sich relativ zyklisch entwickelt, sprich zusammen mit der Weltkonjunktur. Zudem gibt es weltweit recht große Reserven.

Das ist kein Favorit von mir - da muss ich nur an Indium oder Gallium denken, bei denen nur wenige Hundert Tonnen pro Jahr weltweit gefördert werden und die Nachfrage explodiert. Und das in Nischen, welche relativ unabhängig von der allgemeinen Konjunkturlage boomen (wie Smartphones).

Was den vom Leser angesprochenen "Betrugsaspekt" betrifft, sprich Goldbarren mit Wolframkern: Das ist ein seit dem Mittelalter bekannter möglicher Betrug, da Wolfram wie gesagt nahezu die gleiche Dichte wie Gold hat. Wieviel der Goldbestände davon betroffen sind? Who knows? Eins sollte aber klar sein: Wenn bei den Goldbeständen in größerem Umfang entsprechend Schindluder betrieben worden ist, bedeutet das doch auch...

...dass Gold in Wahrheit noch knapper ist. Und so etwas ist tendenziell Preistreibend - beim Goldpreis.

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily


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Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.

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Kommentar von mcgeiz

das ist mal wieder typisch meister vaupel, ein perfekter artikel, eine perfekte antwort. weiter so. meister vaupel. grüße mcgeiz

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Kommentar von anders wannborg

Sehr geehrter Herr Vaupel, ich finde Ihr Antwort etwas feige. Der fragesteller wollte sicher von Ihnen wissen, wie Sie zu allen Betrugsgerüchten (seit Jahren im internet) stehen. Vor allem die Aktivitäten von Zentralbanken (Fort Knox++) sind da im Kreutzfeuer.

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Kommentar von Ströbel

Es muss doch in der heutigen Zeit technisch möglich sein, mit mindestens 100 verschiedenen Bestimmungsmöglichkeiten zu erkennen, wenn ein Goldbarren einen Wolframkern enthält....?!

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