Gold als "Save Heaven"?
Dr. Markus Schoor in Investoren Wissen zum Thema Gold als Geldanlage
vom 29. Januar 2008 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
Gold als sicherer Hafen, wenn das Finanzsystem in eine Krise gerät? Gold als Schutz vor Inflation?
Meine ganze Kompetenz bezüglich Gold
lässt sich in einer kleinen Geschichte zusammenfassen: Zu meiner Geburt schenkte mir mein Patenonkel eine Goldmünze. Ich war (etwas zeitverzögert) begeistert. Die Begeisterung hielt jahrelang an, bis ich im Jahr 2001 in einem Münzkabinett war, um gleiches für meine Patenkinder zu tun.
Natürlich hatte ich meine Goldmünze mitgenommen und wollte anhand des Effektes, den das "ungeheure Geschenk" auf mich machen würde, mich zu diesem Investment in die Zukunft meiner Patenkinder motivieren.
Der Verkäufer im Münzkabinett grinste mich an und erläuterte mir blumenreich, dass der "Vreneli" 60 Euro wert sei.
Ich war entsetzt. Im Nachhinein sah ich meinen Patenonkel mit ganz anderen Augen. Da hatte dieser knausrige alte Mann zu meiner Geburt keine 60 Euro ausgegeben!?
Ich verlies den Laden Hals über Kopf: diese Erfahrung wollte ich keinesfalls für meine Patenkinder!
Aber so nach und nach komme ich wieder ins Grübeln: Der "Vreneli" kostet im Internet jetzt ca. 270 Euro. (Hätte ich doch damals ein paar Münzlein für die Paties mitgenommen!)
Offensichtlich können Münzen durchaus ein gutes Geschäft sein, wenn man sich wirklich ganz sicher ist, dass die Zeiten hart werden und der Goldpreis steigt. Allerdings kann man auch 35 Jahre lang drauf warten, dass sich was tut. Und 35 Jahre lang können Diebe vorbeikommen, die die Münzen im Kleiderschrank finden (achten Sie darauf, wenn Sie den Artikel meines Kollegen unten lesen!).
Hier endet also schon meine spärliche Kompetenz ...
und derweil gehen stündlich neue Informationen dazu ein. Also bitte betrachten Sie die weiteren Ausführungen als den Anfang eigener Überlegungen zum Thema - und nicht mehr!
Als Trader ist mir aufgefallen, dass alle Welt auf steigendes Gold setzt und dass sich mancherorts die Erde leicht absenkt, weil die Tresore mancher ländlichen Bank sich mit Goldbarren füllen.....Mr. Goldfinger ist sicher schon tätig.....
Aufgefallen ist mir in den letzten Wochen aber auch, dass die Mehrheit der Marktteilnehmer den Goldpreis bei 940 Euro toppen sieht, also dem Gold kaum Kurse darüber zutraut. Das bedeutet allerdings, dass Kurse darüber einen schnellen heftigen Kursanstieg auslösen können.
Natürlich gibt es die Dauer-Pessimisten, die glauben, dass kein Stein in dieser Welt auf dem anderen bleibt und Gold sich dann wieder zu der eigentlich wahren Währung entwickeln wird. Was mich dabei nervös macht ist: Wenn meine Informationen stimmen, liegen zwei Drittel aller Goldreserven in den Tresoren der Zentralbanken. Sollten diese mit einem Verkauf der Bestände beginnen, z.B. um die Regierungen zu stützen, die sie durch ihr Fehlverhalten in Schwierigkeiten stürzen, dann wird das Gold ganz sicher nicht die "wahre Währung" werden.
Dann haben wir da noch jede Menge weitere Problemchen:
Viele der derzeit angebotenen Goldinvestments sind als Zertifikate emittiert. Aber Zertifikate sind gewöhnliche Schuldverschreibungen, die beim Kollaps einer Bank in den Konkurs der Bank fallen, auch wenn zur Deckung des Zertifikats reale Goldbestände aufgebaut wurden. (sowohl die Bestände als auch das Versprechen aus dem Zertifikat fallen in die Insolvenzmasse der Bank).
Nun, ich glaube nicht, dass dies schon der Zeitpunkt für eine insolvente Bank ist, obwohl "Rettungen" über "Rettungen" Nothern Rock, IKB, SachsenLB, WestLB - vergessen wir nicht die zahlreichen "weissen Ritter" bei UBS, Merril Lynch, Cititbank, Societe Generale, usw...
Aber für einen Börsianer ist es immer noch nicht wirklich realistisch anzunehmen, dass es zu einer wirklichen Bankenpleite kommt, da alle Beteiligten wissen, was auf dem Spiel steht...
Für den Börsianer ist es eher wahrscheinlich, dass die Folgen der "Rettungen" zu einer entscheidenden Realität werden - und diese sind zweifelsohne: Inflation - ganz egal ob jetzt oder nach einer Rezession.
Die Notenbanken weltweit überschwemmen den Markt mit Bargeld und bringen dabei mehr Geld in Umlauf als Werte da sind. Das führt dann in der Folge zwangsweise zu Inflation.
Hier kommt dann erneut das Gold ins Spiel, denn es gilt bei Investoren weltweit als Investment gegen Inflation.
Also kommen wir zur Gretchenfrage
Es ist also so, dass wir einerseits nach einer Absicherung gegen Inflation suchen müssen und andererseits auch eine Bankenpleite - inklusive eines Dominoeffekts der über weitere Bankenpleiten zu einem Derivatecrash führen würden - nicht ausschliessen können: Wir wollen also einen Schutz gegen Inflation und einen sicheren Hafen für den Fall der Fälle, also eigentlich zwei Ziele mit einem Schlag.
Und genau dann wir es schwierig mit den Goldinvestments:
Zur Zeit beliebt ist beispielsweise das Zertifikat: WKN A0LP78
Hier bleibt das Problem des Zertifikats: Obwohl 100%ige physische Gegendeckung angestrebt wird (der Prospekt weißt auf zahlreiche Ausnahmen hin) , ist es zweifelhaft, ob das Gold im Falle einer großen Finanzkrise verfügbar ist. Es handelt sich auf eine Schuldverschreibung der GBS und sonst nichts. Der Originalprospekt liegt zudem nicht auf deutsch vor. Aber im deutschen Prospekt steht: "Ein Lyxor Gold Bullion Security ist eine von der Gesellschaft emittierte, gesicherte, undatierte Nullkupon-Schuldverschreibung mit einem Nennwert von 0,00001 USD" Es gibt jede Menge weitere warnende Stimmen im Internet....aber das muss nichts bedeuten....
Anders beim DWS Gold Plus (WKN 973246)
Hier kann man im Rechenschaftsbericht nachlesen, was drin ist. Erstaunlicherweise wenig Gold (ca. 35%) aber viele Terminkontrakte und fast 60% des Anlagevermögens in ganz gewöhnlichen Rentenpapieren. Das ist aber Sondervermögen (ein KAG Fonds) - also kein (heute erkennbares) Risiko bei einer Bankenmisere.....
Jochen Steffens machte mich auf das Xetra-Gold ( ETC, ISIN DE000A0S9GB0) aufmerksam: Hier hat man physische Verfügbarkeit und keine Schuldverschreibung vorliegen, und natürlich eine gute Handelbarkeit. Aber hier taucht auch deutlich das Thema Währung wieder auf, denn die Preise sind natürlich in Euro.
Aber dies scheint eine echte Alternative zu den klassischen ETFs zu sein:
Womit schon wieder ein Problem auftaucht: Ich konnte auf Anhieb (die Zeit bis zum Redaktionsschluss naht), keine in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Gold ETFs finden. Dies ist sehr wichtig wegen der Steuer und auch nicht ganz unwichtig wegen der Überwachung durch die Bafin, aber darüber haben wir hier ja schon oft gesprochen.....Aber dieses Detail trage ich noch am Donnerstag nach, sobald ich es herausgefunden habe.....
Eigentlich wollte ich am Schluss darauf hinweisen, dass ich eher zu Silber neige, wenn man mich schon in diese Investments zwingt (noch bin ich aber nicht bereit dazu), aber das hat mein Kollege im nächsten Artikel übernommen....
Ich arbeite derweil an meiner Lieblingslösung für das Problem Inflation und Geldmangel - Diese Lösung fängt mit M an. Dazu mehr am Donnerstag.....
Ihr Doc
Der Vogel
Den Vogel hat aber mein Kollege Michael Vaupel vom Rohstoff-Investor abgeschossen. Er macht gerade eine Werbekampagne, in der er Ihnen ohne Risiko einen Sonderreport zuschickt, in dem er ankündigt, Ihnen zu zeigen, wie Sie ohne Kursrisiko vom Goldanstieg (wenn er denn kommt) profitieren können. Ich kenne den Report leider noch nicht, und konnte auch nicht mit ihm sprechen, da er in Asien lustwandelt (hoffe ich) und bin aber als alter Chancensucher dazu verpflichtet mir anzuschauen, was da dran ist......
Das Wahnsinns-Angebot von meinem Kollegen Michael Vaupel (trainiert Ihr Denken).