Gold: Abwertungswettlauf kennt einen Sieger
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Gold als Geldanlage
vom 27. März 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
noch vor knapp zwei Wochen erschien die Welt dem Untergang börsentechnisch näher zu sein als dem nächsten Morgen. Wie so häufig nutzte die Gunst der Stunde nur eine kleine Zahl von Investoren während sich die Mehrheit von ihnen von der Orientierungslosigkeit der Analysten anstecken ließ. Nach einer Rallye von knapp 20 Prozent beim DAX inmitten des Bärenmarktes ereilt so manchen Beobachter schon wieder ein mulmiges Gefühl. Allerdings sollte man sich bei Investitionsentscheidungen weniger von Gefühlen denn mehr von Fakten leiten lassen. Schaut man sich nämlich die Begleitmusik zu dieser Erholung an, so stellt man fest, dass auch der in Einheit mit den Aktienmärkten steigende Euro seine Gewinne gegenüber dem US-Dollar verteidigt hat und der Rentenmarkt von immer weniger Optimisten auf seinem aktuellen Niveau gehalten wird. Der Zwang zur Performance treibt viele institutionelle Investoren geradewegs in den unterbewerteten Aktienmarkt. Die Diskussion um den US-Dollar als Weltleitwährung wird nicht zufällig gerade jetzt geführt.
Schwacher US-Dollar muss staatliche Stützungsmaßnahmen begleiten
Nachdem US-Präsident Obama in der selbstverständlichen Pflicht eines Staatsoberhaupts das Vertrauen der Welt in die internationale Leitwährung US-Dollar am Dienstag noch einmal betonte, ruderte sein Finanzminister einen Tag später schon wieder etwas zurück. Er könne sich eine Weltleitwährung, wie es die Chinesen vorgeschlagen haben, durchaus vorstellen. Den USA bleibt gar nichts anderes übrig, als ihre Währung rasch abwerten zu lassen, denn damit wird der durch das Konjunkturpaket in Gang gesetzte Aufschwung angemessen begleitet. Würde der US-Dollar in der aktuellen Phase hingegen stärker aufwerten, würde das den erhofften Aufschwung konterkarieren. Eine ähnliche Politik praktizieren die Asiaten schon seit Jahren, denn sie wollen ihre starke Exportwirtschaft nicht durch unnötige hohe Wechselkurse belasten. Hinter den verbalen Stützungsversuchen für den US-Dollar steht also derzeit keine reale Politik. Hauptlastträger und letzter Währungspfeiler ist noch der Euro, angesichts der dramatischen Wachstumseinbrüche wird die EZB aber gar nicht umhin kommen, die Leitzinsen rasch weiter zu senken und weiteres Geld in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen.
Gold als klassischer Schutz vor weiteren Einbrüchen am Aktienmarkt
Unabhängig davon wieviel Papiergeld in der nächsten Zeit an die Märkte verteilt wird, dass Ziel der Notenbanken ist klar fomuliert: Sie wollen unter allen Umständen eine Deflation mit niedrigen Wachstumsraten und sinkenden Preisen verhindern. Der Preis hierfür ist ein starker Anstieg der Inflation und es wird von der Disziplin der Notenbanken (und vor allem der Politik) abhängen, wie stark die Geldentwertungsrate ausfällt. Der aktuelle Anstieg des Goldpreises ist aber noch nicht hauptsächlich der Sorge um die erst später auftretende Inflation geschuldet, sondern der gewollten neuen Schwäche des US-Dollars, der die Verrechungswährung zu Gold repräsentiert. Steigt der Goldpreis, setzt das automatisch den US-Dollar unter Druck und umgekehrt. Darüber hinaus mißtrauen viele Investoren noch der Entwicklung an den Aktienmärkten und wollen sich gegen überraschend auftretende, neue Einbrüche und Rückschläge absichern. Es liegen also auch ganz praktische Gründe für den langsamen Anstieg des Goldes in Richtung der 1.000 US-Dollar-Marke vor.
Bullen müßen jetzt Gas geben
Nach dem Hype um die Rohstoffe im ersten Halbjahr 2008 mussten auch die Gold-Bullen einsehen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Die Korrektur vom Hochpunkt bei 1.032 US-Dollar (17.3.2008) auf knapp 700 US-Dollar baute jedoch nur den überkauften Zustand bei dem Edelmetall ab. Seit November 2008 bewegt sich der Goldpreis wieder in einem Aufwärtstrendkanal und erreichte in dessen Verlauf sogar Mitte Februar wieder die 1.000 US-Dollar-Marke. Erneut schlugen aber die Bären zurück und verhinderten ein weiteres Mal, dass die Notierung den psychologisch wichtigen Widerstand überschreiten konnte. Die aktuelle Konstellation gestaltet sich aber für die Bullen günstig, denn nach mehrmaligen erfolglosen Versuchen der Bären, den Aufwärtstrend nach unten zu durchbrechen, signalisieren die Trendindikatoren MACD und Coppock, dass der nächste Anlauf auf die 1.000-US-Dollar-Marke bevorsteht. Lediglich eine untergeordnete Abwärtstrendlinie, die sich vom Hochpunkt im Februar herleiten lässt, bremst noch den Elan der Bullen. Gelingt in den nächsten Tagen ein Bruch dieser Linie, die um 953 US-Dollar verläuft, dann steht der Rallye nicht mehr im Wege. Möglicherweise wird dann auch noch im April das alte Hoch bei 1.032 US-Dollar überwunden werden. Fällt der Goldpreis hingegen nachhaltig unter die Aufwärtstrendlinie bei 917 US-Dollar, muss mit einer erneuten Korrektur bis 880 US-Dollar gerechnet werden.
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