Globale Finanzwelt: Stairway to Heaven oder Highway to Hell?
Markus Miller in Kapital & Steuern Global zum Thema Kapitalschutz
vom 18. September 2008, 16:00 Uhr
Ob wir uns an den Internationalen Kapitalmärkten und der Weltwirschaft nach dem derzeitigen Finanz-Supergau zukünftig analog Led Zepellin wieder auf einem Stairway to Heaven befinden, oder ganz nach AC/DC weiter auf dem Highway to Hell kann ich auch nicht beurteilen. Ich persönlich glaube wir werden für lange Zeit irgendwo dazwischen sein, auch wenn ich mir bewusst bin, dass diese Aussage für Sie genauso viel Mehrwert bietet, wie viele Informationen die Sie aktuell erhalten und am nächsten Tag bereits wieder in die Tonne treten können. Aber alles in allem geht es darum Ihre Vermögenswerte zu schützen und zu erhalten. Von Mehrung möchte ich derzeit gar nicht mehr reden. Ich möchte Ihnen allerdings nochmals die aus meiner Sicht 5 zentralsten Risikofaktoren für Ihr Vermögen vor Augen führen. Die ersten beiden stelle ich Ihnen heute vor, die anderen folgen im Rahmen meiner nächsten Veröffentlichungen
Es war noch nie leicht, ein Vermögen auf Dauer zu erhalten. Aus vielen Gründen glaube ich, dass die vergangenen 30 Jahre diesbezüglich die besten und "einfachsten" Zeiten waren, die es jemals gab und geben wird. Denn es war noch nie so leicht, große Vermögen erfolgreich zu verwalten - Aber eben nur bis 2000/2001!
Risikofaktor 1: Epochale globale Veränderungen
2000/2001 waren die großen Wendejahre sowohl in der Weltwirtschaft als auch in der Geopolitik. Seitdem hat sich einiges geändert.
USA
Die USA sind inzwischen nicht mehr in der Lage, ihre wirtschaftlichen und politischen Interessen weltweit durchzusetzen - die Großmacht ist angeschlagen. Der Al-Kaida-Terror ist dafür das zeitgeschichtliche Symbol und der Anstieg des Ölpreises von 10 Dollar Ende 1999 auf 70 Dollar in 2006 und vielleicht auch nachhaltig auf über 150 Dollar und mehr im kommenden Jahrzehnt ist dafür die eindeutigste weltwirtschaftliche Kennziffer. Weltweit ist keine andere Wirtschaft so hochgradig abhängig vom Öl wie die USA, selbst China (noch) nicht.
China
China ist zur Wirtschafts-Großmacht aufgestiegen und hat damit sämtliche gewohnten Mechanismen der Weltwirtschaft außer Kraft gesetzt. Das bevölkerungsreichste Land hat seit 2001 sein Brutto-Inlandsprodukt mehr als verdoppelt. Gleichzeitig haben andere Schwellenländer ihr Wirtschaftswachstum enorm hochgedreht. Asien ist heute der Motor der Weltwirtschaft, nicht mehr die USA oder Europa.
Europa
In Europa wachsen zahlreiche Probleme transnational zusammen und entfalten zusätzliche Brisanz. Gleichzeitig läuft der Kontinent auf den letzten Reserven seines technischen Know-hows. Neben der unaufhaltsamen Überalterung der Gesellschaften von Finnland bis hinunter nach Sizilien "vergreist" auch die Wirtschaft. Die Fertigungsindustrien klappen reihenweise zusammen. Übrig bleiben Montagebänder, auf denen oftmals nur noch in Asien hergestellte Produkte zusammengebaut werden. Gleichzeitig nimmt der internationale Know-how-Wettbewerb und Innovationsdruck dramatisch zu. Dem rapiden und äußerst zielgerichteten Ausbau der chinesischen Universitäten hat Europa nichts entgegenzusetzen. Lediglich die USA halten noch mit.
Rohstoffe
Rohstoffe haben sich weltweit verknappt und werden sich weiter verknappen. Es bedarf keiner großen Erklärung, dass Rohstoffe buchstäblich eine fundamentale Bedeutung haben. Neu seit sechs Jahren ist das durchgängig abnehmende Versorgungsniveau. Der ausreichende Zugang zu Rohstoffen wird in Zukunft großen Einfluss auf wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg haben. Außenpolitik wird daher zunehmend zur Rohstoff-Sicherungspolitik.
Auf dem 2. Rohstoffkongress BDI räumte selbst Angela Merkel ein: "Europa hat manchmal ein Tempoproblem." China agiere bei der Besetzung relevanter Rohstoffmärkte schneller und zielstrebiger. Und wohin in der Welt wir auch kommen, waren fast immer schon andere Politiker da, die sich für ihre Staaten bestimmte Rohstoffreserven gesichert haben und das auf ziemlich lange Zeit, so Angela Merkel auf dem Rohstoff-Kongress. Die Rohstoffpreise sind laut dem Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) von 2003 bis Ende 2006 um über 80 Prozent gestiegen, in wichtigen Bereichen (z. B. Eisenerze) noch wesentlich stärker
Spekulatives und Risikobehaftetes Kapital in Produkten die keiner versteht
Spekulatives Geld und neuartige Finanzaktivitäten haben die verschiedenen wirtschaftlichen Sphären und Regionen para-wirtschaftlich verflochten. Die Niedrigzinsphase nach dem Marktzusammenbruch im Jahr 2000 hat zu einer Aufblähung des spekulativen Kapitals geführt. Es "wandert" um die Welt und findet immer neue "Basiswerte", auf die in abgeleiteter Form mit geliehenem Geld spekuliert wird (Futures, Optionen, Verbriefungen, etc.) Diese Nebenmärkte stehen heute z.B. in Form von Zertifikaten auch Privatanlegern offen. Das Resultat ist eine Nebenwirtschaft, die völlig anderen Gesetzen folgt, als die althergebrachte Basiswirtschaft, und die teilweise die jeweiligen Basiswerte dominieren kann!
Sogenannte Hedgefonds sind die Treiber dieser Entwicklung. Ihr wesentliches Kennzeichen ist, dass sie im Gegensatz zu sämtlichen anderen Finanzmarktteilnehmern völlig unreguliert und unkontrolliert agieren können. Von den Fehlentwicklungen in diesem Segment sind übrigens regelmäßig große Vermögen überproportional betroffen, weil viele Banken ihren Private Banking Kunden gerne solche "alternativen Investments" ins Depot buchen. Die Hedgefonds sollen inzwischen 1.400 Milliarden Dollar steuern. Circa 70 bis 80% davon sind von den Banken geliehen.!
Die Banken verbriefen solche Ausleihungen meist und verkaufen sie in kleinen Stücken an Pensionskassen und Privatanleger. Die freuen sich über das vermeintlich "sichere" Festverzinsliche Papier in ihren Depots. Fragt sich nur, wie lange noch?! Der Ökonom Roger Kubarych von der HypoVereinsbank USA meinte dazu kürzlich: "Gehen die Wetten der Fonds nicht auf, kann das ganze Finanzsystem in Bedrängnis geraten."
Mein Fazit
Sie sehen: In diesem Jahrzehnt ist bereits Entscheidendes passiert - und Sie können sich darauf gefasst machen, dass Weiteres geschehen wird. Ihr Vermögen ist heute quasi Zwangsmitglied in einem weltweit verflochtenen Risikokonglomerat. Und hier ziehen Leute die Strippen, bei denen nicht immer sicher ist, ob sie noch wissen, was sie tun.
...ganz nach James Dean gilt für viele Bankvorstände: Denn Sie wussten nicht was Sie tun und wissen es auch heute noch nicht!
Ihr
Markus Miller
...das Steuer ist wichtiger als die Steuern!