Gleitender Durchschnitt
Tom Firley in Investors Daily
vom 25. März 2010, 18:00 Uhr
ENL5454
da mich nach meinem letzten Beitrag zur Technischen Analyse (Firley-Indikator) sehr viele grundsätzliche Fragen zum Thema Gleitender Durchschnitt erreicht haben, präsentiere ich Ihnen heute den beliebten (oft kopierten, aber nie erreichten) Beitrag zu einfachen Gleitenden Durchschnitten.
Wenn Sie diese Darstellung verinnerlicht haben, ist der nächste Schritt (gewichtete und exponenentielle Gleitende Durchschnitte) nur noch ein „Klacks".
Viel Spaß beim Lesen. Ich selbst habe jetzt (kurz nach 18.00 Uhr) das unzweifelhafte Vergnügen noch den Rest vom Kindergeburtstag meiner Tochter Paula (sie wird heute drei Jahre alt) mitzufeiern. Hoffentlich haben die Kleinen kein allzu großes Chaos veranstaltet... naja, da ist wohl mehr der Wunsch des Vaters Gedanke... Jetzt aber zum Thema:
Einfache Gleitende Durchschnitte (GD) oder Simple Moving Averages (SMA oder auch MA)
Grundsätzlich ist bei der Technischen Analyse (anders als bei der Chartanalyse) alles nur ein bisschen Mathematik. Kursbewegungen aus der Vergangenheit werden in eine oder mehrere Formeln gepackt.
Als Resultat erhalten Sie dann eine Kurve im oder unter dem Chart, die Ihnen zum Beispiel anzeigen soll, ob sich ein Wert (Aktie, Index, Rohstoff etc.) in einem Aufwärtstrend befindet. Diese „Kurven" können Ihnen auch anzeigen, wann gerade ein Kaufsignal oder Verkaufsignal entsteht.
Der Oberbegriff für diese „visualisierten Formeln" heißt „Technische Indikatoren".
Die wohl bekanntesten Vertreter der Technischen Indikatoren sind einfache „Gleitende Durchschnitte" oder kurz GD. Oft ist hier auch der amerikanische Begriff „Moving Average" (oder kurz MA) oder Simple Moving Average (SMA)zu finden.
Gleitende Durchschnitte (GD)
Was ein „normaler" Durchschnitt ist, dürfte klar sein... Wenn Sie heute 3 Tassen Kaffe trinken, morgen 2 Tassen und übermorgen 5, dann haben Sie im Schnitt am Tag 3,3 Tassen getrunken. Die Rechnung:
3 plus 2 plus 5 ist gleich 10 Tassen.
Das Ganze geteilt durch drei Tage ergibt: 3,3 Tassen täglich oder:
(3 + 2 + 5) Tassen : 3 Tage = 10:3 = 3,3
So weit alles klar und einfach. Gehen wir einen Schritt weiter:
Zuviel Kaffee ist auf Dauer ungesund. Also wechseln wir jetzt zu ganz normalen Wasser. Gehen wir davon aus, dass Ihre tägliche Wasser-Tassen-Menge zwischen Null und 10 Tassen Wasser schwankt. Eine mögliche 20-Tage-Reihe sähe dann so aus:
1. Tag: 3 Tassen Wasser
2. Tag: 2 Tassen Wasser
3. Tag: 5 Tassen Wasser
An den weiteren Tagen jeweils: 8,4,1,4,3,8,5,6,7,9,6,8,5,4,8,7,6 Tassen Wasser
Der normale Durchschnitt wäre jetzt: Summe aller Tassen Wasser geteilt durch 20 Tage, also:
109 Tassen : 20 Tage = 5,45 Tassen täglich. Rechnen Sie nicht nach, die Zahl stimmt...
So weit so gut.
Angenommen Sie hätten sich innerhalb dieser 20 Tage dazu entschlossen, täglich mehr Wasser zu trinken.
Achtung, jetzt kommt der entscheidende (gedankliche) Schritt:
Um dies zu kontrollieren, bringt Ihnen der gesamte Durchschnitt (also Gesamtanzahl Tassen durch Gesamtanzahl Tage) relativ wenig. Daher wollen Sie wissen, wie viele Tassen Wasser Sie jeweils in den letzten 10 Tagen durchschnittlich getrunken haben.
Logischerweise erhalten Sie erst nach dem 10. Tag entsprechende Daten, da Sie für den 10-Tage-Durchschnitt eben auch 10 Tage an Daten brauchen.
Schauen wir uns noch einmal die obere tägliche Tassen-Wasser-Datenreihe an:
3,2,5,8,4,1,4,3,8,5,6,7,9,6,8,5,4,8,7,6
Am Abend des 10. Tages könnten Sie also einen ersten Durchschnitt bilden. Das wären also die Tassensumme der ersten zehn Tage geteilt durch zehn (Anzahl Tage). Ergebnis wäre 4,3. Jetzt entscheidend:
Am Abend des 11. Tages schauen Sie sich den Durchschnitt der letzten Tage an. Somit entfällt für die Berechnung die Tassenanzahl des ersten Tages und die Tassenanzahl des 11. Tages kommt hinzu, so dass wir wieder 10 zu messende Tage haben. Also berechnen wir die Summe der Reihe
2,5,8,4,1,4,3,8,5,6
und teilen alles durch 10. Ergebnis: 4,6
Grafisch sieht das so aus:
Die blaue Linie reflektiert die tägliche Tassen-Anzahl, die rosa-lila Kurve ist der jeweilige 10-Tages-Durchschnitt. Wie gesagt, der 10-Tage-Durchschnitt kann erst am Abend des 10. Tages beginnen (sofern Sie an diesem Abend kein weiteres Wasser mehr trinken und die Datenreihe abgeschlossen ist...), da Sie für die Berechung eben genau 10 „Daten" brauchen.
Wie Sie in der Grafik erkennen, steigt der 10-Tages-Duchschnitt an.
Herzlichen Glückwunsch!
1.) Sie haben Ihr Ziel erreicht, täglich im Schnitt mehr Wasser zu trinken, von täglich durchschnittlich 4,3 auf 6,6 Tassen.
2.) Sie haben gerade verstanden, wie ein Gleitender Durchschnitt (GD) errechnet wird.
Im nächsten Chart habe ich Ihnen den Dax mit einem 10-Tage-GD mitgebracht.
Chart Dax mit 10-Tage-GD
Ein 10-Tage-GD als Analyse-Hilfsmittel ist zwar weniger für das Day-Trading, aber eher für den kurzfristig orientierten Trader geeignet. Grün eingekreist sind Einstiegssignale, rot eingekreist sind Ausstiegssignale. Sie erkennen, dass der GD die kurzfristigen Trends in den letzten Wochen recht gut „erkannt" hätte. Allerdings wären auch drei weniger gute Trades hinzunehmen gewesen (schwarz gestrichelt eingekreist). Allerdings sollten Sie sich bei Ihren Engagements nicht alleine auf einen einzigen GD verlassen.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
PS: Der Dax hat mit dem heutigen Spurt von über 1,5 Prozent nach oben nun das entscheidende Terrain erreicht. Gelingt jetzt die Fortsetzung der Hausse oder müssen wir jetzt wieder mit einer Bewegung nach unten rechnen? Morgen mehr hierzu (auch mit Hilfe der Technischen Analyse)
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von F C Rejhons (26.03. 2010 06:35 Uhr):
Herzlichen Dank Tom - ich habe mich selten noch so köstlich amüsiert - und das am frühen Morgen. Aber diese Darlegung und Erklärung ist hier absolut nicht anders darstellbar. Nochmals herzlichen Dank ihr F.C.R.
Antworten - Kommentar von heinz kässer (27.03. 2010 17:46 Uhr):
SgHFirley,der von ihnen gezeigte chart ist toll.aber was muß ich denn in meinen pc eingeben damit ich zu diesem resultat komme? den schlußdax an 10 tagen addieren dividiert durch 10.aber den chart hab ich dann noch nicht.sie sehen es fehlt bei mir noch das grundlegende.mfg heinz kässer.
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