Gleichberechtigung ja, Gleichstellung nein
Cindy Bach in Insider Daily
vom 12. März 2010, 14:30 Uhr
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die Woche neigt sich dem Ende zu. Es war einiges los, vor allem auf dem Börsenparkett. Doch auch abseits des Aktienmarktes stand die Welt nicht still. Deshalb gehen wir heute mal wieder auf Exkurs.
Am Montag war Weltfrauentag. Ein Tag an dem allgemeinen Vorurteilen nach, Emanzen ihre starke Weiblichkeit und ihre bereits erfochtene Unabhängigkeit vom Mann frenetisch bejubeln, während Normal-Frau im Supermarkt eine Rose geschenkt bekommt, und sich fragt, ob denn schon Muttertag ist.
Als "Zonenkind" ist mir der Internationale Frauentag natürlich ein Begriff, auch hinsichtlich der Terminierung auf den 8. März. Ich musste schließlich im sozialistischen Kindergarten meines Vertrauens jedes Jahr am 8. März Unmengen an Karten aus Pappkarton für alle weiblichen Mitglieder meiner Familie basteln. Doch irgendwie ist mir dieser "Feiertag" aus unerfindlichen Gründen "abgegangen", vielleicht auch wegen dieser Karten-Bastel-Geschichte. Die DDR schaffte es immer auf eigentümliche Weise Dinge und Geschehnisse sonderbar zu machen. Grund genug, noch einmal kurz zu recherchieren, was hinter dem Frauentag eigentlich steckt.
Der internationale Frauentag: Es war einmal ein Grundgedanke
Seinen Ursprung hat dieser weltumspannende Ehrentag der Frau in einer Initiative der deutschen Sozialistin Clara Zetkin auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz im Jahre 1910. Hier wurde der Frauentag ins Leben gerufen. Bereits ein Jahr später wurde dieser Feiertag" dann schon in einigen Ländern begangen. Grundidee: An diesem Tag sollte auf Ungerechtigkeiten hingewiesen und für die Gleichberechtigung von Frauen, vor allem in der Arbeitswelt, gekämpft werden. Also ein nach wie vor Up-To-Dates Thema.
Im Nationalsozialismus wurde der Internationale Frauentag verboten, hier galt das Ideal der hingebungsvollen Hausfrau und Mutter. In der Nachkriegszeit wurde der Internationale Frauentag im Westen erst in den Siebzigern wieder populär, freilich unter Nichtberücksichtigung seines sozialistischen Hintergrundes. 1977 beschlossen die Vereinten Nationen schließlich, den 8. März als Internationalen Frauentag anzuerkennen.
Doch während im Westen die Frauenbewegung die Vertretung der Interessen der Frauen mittlerweile selbst in die Hand genommen hatte, wurde der 8. März in den Ländern des Ostblocks, besonders in der DDR, seit jeher ausgiebig gefeiert. Den ursprünglichen Zielen diente er aber auch hier nicht. Stimmt, ich habe am Frauentag keine Mutti mit Revolutionsstern für mehr Freiheit demonstrieren sehen. Und so ist es nur verständlich, dass der eigentliche Sinn dieses Tages heute noch viel weniger von Belang ist.
Alice Schwarzer schwärzt den sozialistischen Missbrauch an
Und diese Tatsache ist unserer bekanntesten "Vorzeige-Feministin" und "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer auch ein Dorn im Auge. Sie kritisiert nämlich aktuell in der Presse, dass der Internationale Frauentag heute in der Tradition des realsozialistischen Feiertages steht, der für sie eine Art "sozialistischer Muttertag" war. Die DDR-Bürgerinnen wurden an diesem Tag von ihren Familien, Brigadeführern und der ausschließlich männlichen DDR-Führung für ihren täglichen Einsatz geehrt. Eine verlogene und gönnerhafte Geste, meint Schwarzer. Denn neben der Arbeit im Betrieb hatten die Frauen in der DDR trotzdem nach wie vor die Kinder und den Haushalt zu versorgen, sie mussten um die knappen Waren anstehen und waren weit von einer gleichberechtigten Stellung entfernt.
Für Alice Schwarzer ist das ein Grund, den Internationalen Frauentag abzuschaffen. Sie fordert anstelle eines Frauentages, jeden Tag des Jahres den Menschen zu widmen, Frauen wie Männern. Endlich mal ein "echter" Gleichstellungs-Vorschlag. Denn Fakt ist: Wir haben heute zwar hinsichtlich unserer Rechte deutlich zu unseren Geschlechtskollegen aufgeholt, aber von einer Gleichstellung im gesellschaftlichen Leben sind wir noch weit, weit entfernt.
Doch wie ich heute lesen konnte, liegt das vor allem auch an uns Frauen selbst. Das hat Tina Groll aktuell in der "Zeit" feststellt. Ihr Kommentar "Frauen müssen auf junge Väter setzen" trifft die aktuelle Lage an der "Geschlechterfront" auf den Punkt. Lesen Sie also nachfolgend in meinen erwählten Worten der Woche" einen Auszug aus dem Kommentar von Tina Groll. Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei und natürlich allen im Anschluss ein erholsames Spätwinterwochenende.
Ihre
Cindy Bach
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