Gitter statt Gipfeltreffen
Cindy Bach in Insider Daily
vom 18. Mai 2011, 14:30 Uhr
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heute findet in Brüssel zum 11. Mal das Europäische Währungsforum statt. Auf der Liste der Redner und Diskutanten des Gipfeltreffens der EU-Finanzpolitiker stehen nur ganz große Namen wie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, Olli Rehn, Währungskommissar der EU oder der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.
Ein weiterer Name der auf der Liste stand, aber nun verschwunden ist, lautete: Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds und Präsidentschaftskandidat der französischen Sozialisten. Doch statt Gipfeltreffen ist für den großen Kontrahenten von Frankreichs Präsidenten Sarkozy nun Monolog in einer 12-Quadratmeter-Gefängniszelle in einem Inselgefängnis vor New York angesagt. Hier wartet Strauss-Kahn auf seinen nächsten Gerichtstermin am Freitag. Ihm wird versuchte Vergewaltigung eines Zimmermädchens in einem Hotel in New York vorgeworfen. Zudem prüft die Staatsanwaltschaft angeblich einen älteren Vorwurf gegen Strauss-Kahn - ebenfalls wegen versuchter Vergewaltigung.
"Kopflos in New York" statt "Schlaflos in Seattle"
Noch ist nichts bewiesen. Aber die bis zum Beweis der Tat bestehende Unschuldsvermutung gilt nur in der öffentlichen Betrachtung, in der US-Rechtssprechung besteht laut Ansicht der verantwortlichen Richterin für Strauss-Kahn vor allem eines - Fluchtgefahr. Deswegen muss er hinter Gitter bleiben. Die vom Anwalt angebotene Kaution von 1 Mio. Euro wurde abgelehnt.
Also wird es heute in Brüssel, neben dem offiziellen Diskussionsstoff, den es ja durchaus ausreichend gibt, auch jede Menge Gerede hinter vorgehaltenen Händen in den Pausen geben. Aber auch Politiker sind nur Menschen. Und wie wir Menschen nun mal so sind, so wird eben immer über den gelästert, der nicht da ist.
Hoffentlich gewinnen die EU-Finanzpolitiker dennoch etwas mehr Schlüsselerkenntnisse aus diesem Gipfeltreffen als die Einsicht, dass für einen wichtigen Mann des öffentlichen Lebens ein Fehltritt, sei er bewiesen oder auch nur nachgesagt, das Gesicht und schlimmstenfalls den ganzen Kopf kosten kann. Und so finde ich die Headline eines Kommentars der "Süddeutschen Zeitung" zu Strauss-Kahns Debakel auch absolut zutreffend, die da lautet "Kopflos in New York".
Ich wünsche Ihnen einen guten Handelstag.
Ihre
Cindy Bach