Gipfelsturm am Aktienmarkt – Deutschlands Privatanleger stehen draußen - Teil 2
Georg Pröbstl in Nebenwerte Daily zum Thema Nebenwerte
vom 04. Juni 2007 17:00 Uhr
ENL5462
Eigentlich sollten Anleger, Banker und Börsenjournalisten angesichts des guten Umfelds sehr zufrieden sein. Ich für meinen Teil bin es leider nicht. Was ich wirklich bitter finde: Der schöne Boom findet ohne die deutschen Privatanleger statt. Wie das Deutsche Aktieninstitut DAI meldet, sinkt die Zahl der Aktionäre in Deutschland dramatisch ab. 2006 waren es nur noch 2,4 Millionen. Im Hoch 1999 waren es mit 3,5 Millionen rund 50 Prozent mehr. Auch bei Fonds sieht es nicht besser aus. Gab es 2001 noch 9,8 Millionen Fondsbesitzern in der Republik, so waren es nach Angaben des DAI in 2006 nur noch 7,9 Millionen. Insgesamt ging damit die Zahl der Menschen, die auf Aktien und Fonds setzen, seit 2001 um 20 Prozent zurück: von 12,9 Millionen auf 10,3 Millionen.
Damit profitiert der Durchschnittsdeutsche leider nicht von den ausgezeichneten Restrukturierungs- und Exporterfolgen unserer deutschen Firmen. Mich wundert die Aktienzurückhaltung nicht. Ich befürchte, die Deutschen meiden Aktien nicht aus Jahrtausend-Frust, sondern weil sie einfach kein Geld fürs spekulieren oder investieren haben.
Während in den USA beispielsweise die Arbeitnehmer einen guten Teil ihres Einkommens als Altersvorsorge in Aktien stecken, werden die abhängig Beschäftigten bei uns vom Staat über die hohen Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung ausgequetscht. Bei rund 10 Prozent „Zwangssparen“ vom Bruttolohn im Rahmen der staatlichen Altersvorsorge bleibt den meisten Menschen einfach nichts mehr für das lukrative Aktiensparen übrig. Und auch mit Riester- und Rürup-Rente bekommen die Deutschen keine Renditehämmer angeboten.
Die Zahlen sind eindeutig: Bei rund 290 Millionen US-Bürgern gab es nach Angaben des DAI 2002 in den Staaten 84,3 Millionen Aktien- oder Fondsbesitzer – das waren 30 Prozent der US-Bürger. In Deutschland kamen auf rund 82 Millionen Einwohner in 2002 nur 11,5 Millionen Aktien- oder Fondsbesitzer – das waren nur 14 Prozent. Und 2006 waren es nur noch knapp 13 Prozent.
Ich vermute: Am aktuellen Aktienboom in Deutschland verdienen vor allem die US-Sparer. Glückliche Amerikaner!
Ihr
Georg Pröbstl
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