Giftiger Schlamm….nicht nur in Ungarn...
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 11. Oktober 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Haben Sie ja wahrscheinlich mitbekommen:
In Ungarn gab es bei einer Aluminiumhütte einen Unfall: Bei einem Auffangbecken brach ein Damm, Hunderttausende Kubikmeter giftiger Bauxitschlämme wälzten sich heraus und brachten 4 Menschen den Tod (sie ruhen in Frieden). Inzwischen soll der giftige Schlamm wohl auch die Donau erreicht haben.
Da geht es auch um Rohstoffe, und deshalb ist das auch mein Thema und ehrlich gesagt ärgere ich mich. Dazu gleich mehr.
Aluminium ist ein Basiswert, mit dem ich noch nicht viel getradet habe. Ich glaube da hatte ich mal ein Bonus-Zertifikat, weil Aluminium sehr stark in „Backwardation" notierte und in solchen Situationen Discount- und Bonus-Zertifikate gewöhnlich klasse Konditionen bieten.
Aber die Aluminium-Hersteller sind mir durchaus „suspekt". Bei denen ist das Umweltbewusstsein nämlich offensichtlich besonders niedrig ausgeprägt.
Ich greife da gerne auf die Studien von oekom Research zurück, die erstellen da richtige Rankings in Bezug auf möglichst umweltschonendes Vorgehen etc. der großen Metall-Konzerne. Relativ vorbildlich geht demnach zufolge z.B. die norwegische Norsk Hydro vor, auch die finnische Rautaruukki oder die deutsche Aurubis.
Dennoch, das ernüchternde Fazit der Studie: „42 Prozent der von uns analysierten Unternehmen und mehr als 50 Prozent der Bergbauunternehmen sind für schwerwiegende Umweltschäden verantwortlich."
*** Und Thema Unfall in Ungarn, giftiger Schlamm ist ausgetreten...
...so ein „Unfall" geschieht in den Emerging Markets täglich. Ich bin ja gerade in Afrika unterwegs, und habe mich gestern mit Mitarbeitern der ersten malawischen Uran-Mine unterhalten.
Doch Beispiel Indonesien und Papua-Neuguinea. Die Rohstoff-Riesen Rio Tinto und Barrick Gold pumpen da Giftschlamm direkt in Flüsse oder ins Meer. Sozusagen jeden Tag ein „Unfall", was aber genehm ist, da keinerlei relevante gesetzliche Regelung in diesen Staaten.
Diese beiden Unternehmen kennt wohl jeder Rohstoff-Trader. Wissen Sie, und das ärgert mich - wir wollen doch alle Gewinne machen, aber ist es denn zuviel von solchen Riesen verlangt, auch in Staaten wie Papua Neuguinea mal ein paar Hunderttausend Dollar in die Hand zu nehmen, um die Umwelt nicht so stark zu belasten? Kläranlagen einzurichten etc., damit man nach der Ausbeutung der Vorkommen nicht vergiftete Flüsse und „open pit" Wüsten hinterlässt. Und muss korrektes Vorgehen denn immer per Gesetz erzwungen werden, warum nicht „von sich aus" dies mal tun.
Vielleicht ist Norsk Hydro gar nicht „von sich aus" so gut in Bezug auf nachhaltige Aluminium-Produktion, sondern wegen der strengen norwegischen Vorgaben. Nun, letztlich zählt das, was dabei rauskommt. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Was tun? Vielleicht eine Überlegung für Sie: Ich trade zwar hauptsächlich mit Rohstoff-Zertifikaten, wenn ich aber mal Aktien habe, dann nutze ich gerne mein Stimmrecht und gehe nach Möglichkeit auch zu den Hauptversammlungen.
Und da gibt es erfahrungsgemäß immer Leute, welche für die einen „Querulanten" sind, für mich aber verantwortungsbewusste Sterbliche, welche die jeweiligen Konzerne auf ein umweltfreundlicheres Verhalten festlegen wollen.
*** Nicht vergessen: Chefs sind wir als Aktionäre.
Die Manager sind letztlich nur Angestellte.
Und sie müssen darauf hören, was die Eigentümer wollen. Deshalb das Stimmrecht nicht einfach auf die Depotbank übertragen und deren Vorschläge blind befolgen...sondern durchaus mal schauen, was es für Anträge gibt und im Sinne der Nachhaltigkeit und ethisch korrekten Vorgehens stimmen.
Das sind die Waffen, die wir als Kapitalisten haben und die ich auch nutze, in meinem bescheidensten Rahmen. Würde mich freuen, wenn die Zahl derer, die ebenso vorgehen, steigen würde! Lieber ein Schnäpschen weniger Gewinn, dafür aber mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen können, finde ich.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Jan Zetzsche (11.10. 2010 19:40 Uhr):
Hallo Herr Vaupel, mit Ihrem heutigen Beitrag sprechen Sie mir aus der Seele. Insbesondere die angesprochene Umweltverschmutzung in Neuguinea schreit zum Himmel! Ich möchte hier nur die Freeport-Mine erwähnen. Das ist meines Wissens die weltweit größte Kupfermine und das Unternehmen schert sich einen Dreck um Umweltschutz. Gelegen mitten im primären Urwald von Westpapua wird giftiger Schlamm einfach in die Flüsse gepumpt. Nicht, daß davon lediglich Tiere und Pflanzen betroffen sind; in dieser Gegend leben noch Native People, die sich ausschließlich von dem ernähren, was der Urwald hergibt, das Wasser trinken, etc. Die Menschen bekommen schwere Krankheiten, mißgebildete Kinder, usw. Ich war selbst einmal bei diesen Eingeborenen und es macht mich extrem betroffen, wie um des Profits willen mit Menschenleben gespielt wird. In der Mainstream-Presse erfährt man darüber natürlich nichts! Wenn man dann noch erfährt, daß gewisse Größen der US-Politik (auch Ex-Präsidenten) in dieser Firma Ihr Auskommen haben bzw. hatten, kann einem nur noch schlecht werden. Ich für meinen Teil habe beschlossen, in Firmen mit diesem Geschäftsgebahren keinen Cent mehr zu stecken, auch wenn diese noch so viel Geld verdienen. Es ist schmutziges Geld. Ein weiteres Beispiel für extremste Umweltzerstörung sind die Palmölplantagen. Ich habe solche in Borneo, Indonesien gesehen. Ich war schockiert, in welchem Ausmaß dort Primär-Urwald, der sich in Tausenden von Jahren entwickelt hat, einfach abgeholzt wird, um darauf Palmölplantagen zu errichten. Wer dies einmal mit eigenen Augen gesehen hat, wird auch darin keinen Cent mehr investieren. Es ist wirklich traurig. Letztlich muß es jeder mit seinem Gewissen abmachen, ob er in Unternehmen investiert, die solcherart Umweltzerstörung praktizieren. Aber es wäre sicher sehr hilfreich, wenn mehr und mehr Leute solche Investments ablehnen würden, auch wenn dabei ein Prozente weniger Gewinn abspringen. Ich würde mir deshalb mehr Beiträge wie Ihren heutigen wünschen, damit ihre Leser dafür sensibilisiert werden. Mit frdl. Grüßen.Jan Zetzsche.
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