Gibt es funktionierende "statische" Jahresanfangs-Strategien?
Tom Firley in Investors Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 10. Januar 2012, 18:00 Uhr
ENL5454
sagen wir mal so: Wenn es wirklich funktionierende Anfangs-Strategien gäbe, dann hätte ich die Überschrift nicht als Frage formuliert, sondern als Aussage...
Natürlich, in irgendwelchen Zeiträumen, in irgendwelchen Indizes, auf irgendwelchen Märkten, funktionieren immer irgendwann (!) zu irgendeinem Jahresanfang irgendwelche Strategien.
Die einen propagieren dann die Index-Verlierer des Vorjahres zu kaufen, die anderen setzen ganz im Gegenteil auf die Index-Gewinner. Schauen wir uns das einmal für 2010 / 2011 an.
Hier die fünf Gewinner aus dem Jahre 2010 (ganz unten habe ich Ihnen eine komplette Liste mit den Ergebnissen aus den Jahren 2010 und 2011 mitgebracht).
| Gewinner 2010 | Performance 2010 |
| Volkswagen VZ | 85,78% |
| BMW | 85,06% |
| Infineon Technologies NA | 79,46% |
| MAN | 63,46% |
| Fresenius SE | 44,42% |
Und was wäre 2011 daraus geworden?
| Gewinner 2010 | Performance 2011 |
| Volkswagen VZ | -4,65% |
| BMW | -12,05% |
| Infineon Technologies NA | -16,47% |
| MAN | -22,80% |
| Fresenius SE & Co KGaA | 13,91% |
Im Schnitt ein Verlust von 8,41 Prozent... na immerhin besser als der Dax, der 2011 etwa 16 Prozent abgegeben hat, aber wesentlich schlechter als die Top-5-Aktien 2011 (Merck, FMC, Fresenius, SAP, Beiersdorf) aus dem Dax, die im Schnitt etwa 15 Prozent gewonnen haben.
Schauen wir uns noch die 5 Verlierer aus dem Jahre 2010 und die jeweilige Performance in 2011 an.
| Verlierer 2010 | Performance 2010 | Performance 2011 |
| Beiersdorf | -9,59% | 5,53% |
| Deutsche Börse NA | -10,69% | -16,76% |
| Deutsche Bank NA | -13,30% | -24,72% |
| E.ON AG | -21,54% | -27,32% |
| RWE | -26,59% | -45,40% |
Die Verlierer aus 2010 haben den Anlegern in 2011 einen (weiteren) Verlust von ca. 21 Prozent beschert.
Warum zu Jahresanfang?
Natürlich, dies ist nur eine Momentaufnahme und selbstverständlich kann und darf ich keine Strategie „verteufeln", nur weil sie in einem Jahr ausnahmsweise mal nicht geklappt hat... Allerdings könnte ich die grundsätzliche Frage stellen, warum ich zeitpunktbezogen ausgerechnet zu Jahresanfang eine Strategie fahren soll, obwohl chart- und markttechnisch oder auch fundamental wenig bis nichts dafür spricht?
Ich verrate Ihnen mal was. Ich zeige Ihnen jetzt mal in einem Chart, wann (in welchen Jahren) so gut wie alle Strategien im Nachhinein gut funktioniert haben.
Eingekreist sehen Sie die Jahresanfänge eines plakativen Gewinner-Jahres im Dax. Wenn Sie zu den jeweiligen Zeitpunkten irgendeine Strategie ausgepackt hätten, dann wären Sie mit relativ großer Wahrscheinlichkeit erfolgreich gewesen (je nachdem, wie Sie Erfolg messen). Nehmen wir 2002 / 2003:
Wenn Sie 2003 die fünf Verlierer aus 2002 (Infineon, Allianz, Münchner Rück, CoBa, Fresenius) gekauft hätten, dann wären Ende 2003 daraus ein durchschnittlicher und sogar recht stattlicher Gewinn von 51% geworden. Bei den fünf 2002-Gewinnern wären es bis Ende 2003 dagegen nur knapp 8% Gewinn geworden. Angesichts einer Dax-Performance von 37% in 2003 ein recht schmaler Gewinn.... Und mit Sicherheit gibt es Jahre, bei denen dieses Verhältnis (Gewinner gegen Verlierer) genau anders herum gewesen wäre.
Fazit: Kaufen Sie jetzt nicht blind ein, nur weil sich eine Strategie interessant anhört. Eigentlich macht solch ein Vorgehen nur dann Sinn, wenn Sie sich wirklich nur ein einziges einmal im Jahr (also am Jahresanfang, was meines Erachtens wie gesagt relativ wenig Sinn macht) Gedanken über Aktienkäufe machen... dann (und NUR dann) würde ich persönlich aber nicht die fünf schlechtesten oder besten Aktien aus dem Vorjahr nehmen, sondern mindestens 10 Qualitätsaktien, die sich in den letzten fünf, zehn oder gar 20 Jahren bewiesen haben. Und wenn sie so dann einige Jahre vorgehen, dürften sie die meisten anderen Strategien schlagen.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
PS: Spielchen gefällig? Wenn ich persönlich JETZT fünf Aktien aus dem Dax wählen müsste, wären es Merck, FMC, Fresenius, adidas, Linde. Warum? Das sind die Werte, die aktuell am weitesten über ihrem 256-Tage-GD liegen. Ich behaupte nicht, dass dies eine herausragende Strategie sei... aber auch nicht schlechter als jede andere. Sie können mit Ihrer Auswahl ja dagegen halten, wenn Sie mögen.
PPS: In diesem Zusammenhang: Die Jahresend-Aktion „Schlag den Firley" ist noch in der Auswertung in Bonn. Das Ergebnis werde ich sicherlich in den nächsten Tagen präsentieren können.
Liste Performance Dax-Aktien 2010 und 2011
| Name | Performance 2010 |
| Name | Performance 2011 |
| Volkswagen VZ | 85,78% |
| Merck KGaA | 28,71% |
| BMW | 85,06% |
| Fresenius Medical Care | 21,44% |
| Infineon Technologies NA | 79,46% |
| Fresenius SE & Co KGaA | 13,91% |
| MAN | 63,46% |
| SAP | 7,22% |
| Fresenius SE | 44,42% |
| Beiersdorf | 5,53% |
| Siemens NA | 44,37% |
| adidas | 2,80% |
| K+S AG NA | 40,94% |
| Linde AG | 1,23% |
| Lufthansa NA | 39,19% |
| Henkel AG & Co. VZ | -4,18% |
| BASF NA | 37,37% |
| Volkswagen VZ | -4,65% |
| Daimler NA | 36,26% |
| Deutsche Post NA | -6,46% |
| Linde AG | 34,92% |
| Deutsche Telekom NA | -8,18% |
| adidas | 29,44% |
| BASF NA | -9,73% |
| Henkel AG VZ | 27,74% |
| Bayer NA | -10,67% |
| Metro | 26,57% |
| BMW | -12,05% |
| Thyssen-Krupp | 17,37% |
| .DAX | -14,69% |
| Fres. Med. Care | 17,03% |
| Münchener Rück NA | -16,46% |
| .DAX | 16,06% |
| Infineon Technologies NA | -16,47% |
| SAP | 15,45% |
| Deutsche Börse NA | -16,76% |
| Münchn. Rück NA | 4,40% |
| Allianz SE NA | -16,89% |
| Allianz SE NA | 2,04% |
| Siemens NA | -20,24% |
| Bayer NA | -1,18% |
| MAN | -22,80% |
| HeidelbergCement | -2,76% |
| Deutsche Bank NA | -24,72% |
| Commerzbank | -5,62% |
| E.ON AG | -27,32% |
| Deutsche Post NA | -5,82% |
| HeidelbergCement | -30,09% |
| Deutsche Telekom NA | -6,17% |
| Daimler NA | -33,14% |
| Merck KGaA | -8,15% |
| K+S AG NA | -38,04% |
| Beiersdorf | -9,59% |
| Thyssen-Krupp | -42,79% |
| Deutsche Börse NA | -10,69% |
| Lufthansa NA | -43,84% |
| Deutsche Bank NA | -13,30% |
| RWE | -45,40% |
| E.ON AG | -21,54% |
| Metro | -47,66% |
| RWE | -26,59% |
| Commerzbank | -70,73% |
