Gezielte Entwertung
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 4. September 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
Liebe Leserin, lieber Leser!
Wie die Blätter im Herbst fallen die (Papier-)Preise der Edelmetalle. Der Goldpreis wird wieder unter 800 Dollar gedrückt. Die Silberbugs erwischt es erneut heftiger. Getreu dem Motto tiefer geht's immer" brach die Notierung auf 12,45 Dollar je Unze ein. Bis auf Weiteres geht also die muntere" Preisdrückerei weiter. Und, es ist nicht ausgeschlossen, dass die Drücker-Kolonne an den Terminmärkten noch nicht fertig hat".
Endgültige Marktbereinigung?
Fürwahr stellt sich die extrem spannende Frage, bis zu welchen Tiefen" die Preisdrücker vordringen können bzw. wollen. Anders gefragt, wie radikal wird die gezielte Entwertung der Edelmetalle betrieben? Ein sehr schönes Signal einer Marktbereinigung wären bspw. Schlagzeilen in den Massenmedien wie Edelmetalle wertlos" oder Flucht aus Edelmetallen". Selbstverständlich garniert mit der Präsentation schauderlich hoher prozentualer Verluste.
Vergleich mit den 70er-Jahren
Geht es nun um das Ausloten der möglichen Tiefen", erinnern sich die älteren" Goldbugs sicherlich noch an die letzte große Gold-Hausse in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Konkret an die Jahre 1974 bis 1976, als sich der Preis fürs gelbe Edelmetall zunächst halbierte, um anschließend eine sensationelle 850-Prozent-Rallye hinzulegen. Auch damals war es so, dass viele verunsicherte Investoren in den mageren Jahren das Spielfeld" verließen und verkauften.
Halbierung auch im aktuellen Zyklus?
Momentan ist eher unwahrscheinlich, dass den Papier-Göttern" in der aktuellen Hausse ebenfalls eine glatte Halbierung bis in den Bereich um 500 Dollar gelingen wird, ehe der Aufstieg auf der "Königsetappe" vielleicht sogar zum 2000er-Gipfel führen wird. Ob das Basislager" aber nun bei 730 Dollar, oder doch erst bei 650 Dollar sein wird, ja, liebe Leserin, lieber Leser, das wissen nur die Götter. Für die Optimisten unter den Goldbugs wäre es natürlich umso schöner, wenn schon jetzt im Bereich um 770 Dollar Schluss mit der Drückerei" wäre.
Hoffnung für die Silberbugs
Ähnlich wie beim gelben Edelmetall bewegt natürlich auch die Silberbugs, wann die Papier-Herren ihr grausames Treiben einstellen. Insofern könnte es tatsächlich eine knappe Halbierung bis in den Bereich um 11,5 bis 12 Dollar werden. Positiv ist, dass vom gegenwärtig tiefen Niveau aus nicht mehr allzu viel Luft nach unten da sein sollte. Das Gröbste" scheint in der Tat schon überstanden zu sein.
Und, vielleicht, ja hoffentlich oder endlich, werden viele sagen, begehren die Comex-Silber-Investoren physische Auslieferung. Schätzungen zufolge gibt es etwa 100mal mehr Papier-Silber als reales. Läppische 138 Millionen Unzen liegen in den Lagerhäusern der Comex bei einer 2007er-Jahresförderung von gerade mal 670 Millionen Unzen mit einer geschätzten Reserven-Reichweite bis ins Jahr 2025.
Hinzu kommt, dass aufgrund der gegenwärtigen Schwierigkeiten der Kapitalbeschaffung die Konsolidierung" in der Minenbranche (Juniors bzw. Explorer-Sterben) ersten Auguren zufolge beschleunigt voranschreiten könnte und somit sich möglicherweise über kurz oder lang das Angebot auf natürlichem Wege" verknappen wird.
Last but not least vielleicht eine kleine, alles andere als uninteressante Randnotiz" aus der Schweiz. Dort erachtet die Schweizer Volkspartei (SVP) es für unabdingbar, die Goldreserven der Notenbank (SNB) aufzustocken. Neben der Stärkung des Fundaments des Schweizer Frankens sei Gold auch eine nationale Versicherung für den Fall, dass die Papiergeldwährungen zusammenbrächen."
Ja, liebe Leserin, liebe Leser, weise Worte aus Helvetien. Ob teutonische" Politiker jemals derart denken, geschweige denn agieren werden?