Gewohnt schwache Konjunkturdaten
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 7. Januar 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
die Serie von durchwachsenen Konjunkturdaten setzte sich auch gestern wieder fort. In den USA gingen gemäß dem Beratungsunternehmen ADP im Dezember 84.000 Arbeitsplätze verloren, während der Konsens lediglich mit einem Stellenverlust von 75.000 gerechnet hatte. Wie gestern ebenfalls gemeldet wurde, liegt der vom Institute for Supply Management ermittelte ISM-Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe im Dezember bei 50,1 Punkten und damit gerade noch im Wachstumsbereich über 50 Punkten. Volkswirte hatten hingegen mit einem Anstieg gegenüber dem Vormonatsniveau von 48,7 Punkten auf 50,5 Zähler gerechnet.
Soeben erreichte mich die Meldung, dass der Einzelhandelsumsatz in Deutschland im November 2009 real um 1,1 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken ist, nachdem er im Oktober stabil geblieben war. Die Markterwartungen lagen hier bei einem Anstieg um 0,2 Prozent und wurden damit deutlich verfehlt.
Wenn ich die Daten der letzten Wochen Revue passieren lasse, dann zeigt sich folgendes Bild: Zahlen zum Wirtschaftswachstum, Auftragseingängen etc. fielen recht stark aus (Stichwort: Aufbau von Lagerbeständen), während Daten aus den Bereichen Konsum, Arbeitsmarkt und Immobilien deutlich schlechter als erwartet waren. Eine kräftige V-förmige Konjunkturerholung, von der in letzter Zeit in immer mehr Marktkommentaren zu lesen ist, sieht anders aus. Ich frage mich gelegentlich, was die Verfasser dieser Texte denn so einnehmen, um diesen Optimismus zu erreichen.
Die Vermögensverluste aus den sinkenden Immobilienpreisen drücken in den USA anscheinend stärker auf den Konsum als es die Kursgewinne am Aktienmarkt (von denen wohl überwiegend die Banken profitieren) kompensieren können. Auch die angespannte Lage am Arbeitsmarkt und die Überschuldung von Haushalten, Unternehmen und des Staates wirken sich negativ auf den Konsum aus (für Schulden müssen Zinsen gezahlt werden). Ohne Entspannung in den Schlüsselbereichen Konsum, Arbeitsmarkt und Immobilien dürfte es lediglich eine schwache und temporäre Wirtschaftserholung geben. Die Strategie der Notenbanken und Regierungen, mittels Zinssenkungen und neuer Schulden/ Kredite den Wirtschaftskreislauf wieder anzukurbeln, dürfte angesichts einer bereits bestehenden Überschuldung sehr fragwürdig sein.