Gewaltiger Wandel in Afrika
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 11. Februar 2011, 12:00 Uhr
ENL5454
Gerade musste ich an die „Kunst des Krieges" von Sun-Tzu denken. Exzellenz liegt demnach nicht darin, jeden Kampf zu gewinnen - sondern den Feind zu besiegen, ohne überhaupt zu kämpfen.
In diesem Büchlein stehen weitere gewinnbringende Weisheiten...und ziemlich clever geht die chinesische Führung vor, wenn es um Afrika geht.
Auf diesem Kontinent finden gerade gewaltige Umbrüche statt. In den letzten zehn Jahren sind mehr Chinesen nach Afrika gezogen, als dies in Hunderten Jahren zuvor Weiße getan haben. (Ausnahme Südafrika). So kommt es, dass z.B. in Namibia die Zahl der Chinesen mit der Zahl der Deutschstämmigen Namibianer (ehemals Schutzgebiet des Deutschen Kaiserreichs) gleichgezogen ist.
Die chinesische Führung verkündet und hält sich auch daran ein Credo der „Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten". Das freut natürlich Politiker wie Robert Mugabe in Simbabwe, und entsprechend können die Chinesen dort ohne lästige westliche Konkurrenz massiv in neue Minen investieren.
China ist offensichtlich in erster Linie darauf aus, sich Rohstoffe auf dem afrikanischen Kontinent zu sichern. Doch nicht nur: In Nigeria und auch in Südafrika haben chinesische Unternehmen massiv in die einheimische Textilindustrie investiert und entsprechende Firmen übernommen.
Exporte von nigerianischen Textilien gelten als nigerianische Exporte - dahinter stehen jetzt aber Chinesen.
Wenn man sich die bilateralen Handelsbilanzen Chinas und der einzelnen afrikanischen Staaten anschaut, dann wird klar: Ja, China bezieht hauptsächlich Rohstoffe aus Afrika und liefert „Billigwaren". Über 80% der chinesischen Importe aus afrikanischen Staaten sind Rohstoffe und Rohwaren.
Übrigens ist der Begriff „Billigware" wohler eher negativ besetzt...niedrige Qualität, billiger Preis. Doch für einige afrikanische Länder ist das in der Tat passend. Wenn man in Malawi chinesische Billig-Plastiklatschen kaufen kann, ist das durchaus ein Fortschritt.
Und eigentlich ist es auch nicht verkehrt, wenn die chinesische Führung z.B. mit Angola ein Abkommen hat, welches „Erdöl gegen Infrastruktur" liefert. Gegen die Lieferung angolanischen Erdöls bauen die Chinesen das Land auf, Zehntausende Kilometer asphaltierte Straßen zum Beispiel. Und jeder Volkswirt und Aufbaustrategie-Spieler weiß, dass sich Investitionen in die Infrastruktur normalerweise lohnen.
Nun, doch ausgeführt werden die Arbeiten in erster Linie von „importierter Arbeit" - Chinesen. Diese kommen wie zu Beginn beschrieben zu Zehntausenden in die jeweiligen Länder. In Angola verrichten sie die Infrastruktur-Arbeit. Keineswegs in erster Linie die Einheimischen - dabei gibt es eine hohe Arbeitslosenquote.
Noch ein Aspekt. Im Überland-Bus saßen auch zwei chinesische Arbeiter. Einer die „gewohnte" Arbeitsameise, im Blaumann und unbeweglicher Gesichtsausdruck. Der andere ganz anders - locker, halblange Haare, Zigarette rauchend und mit Ihrem Autor radebrechend. Es stimme wohl, dass die chinesische Führung auch gewisse „unliebsame Elemente" nach Afrika schicke. Na und genug Menschen hat man ja, bei ca. 1.200 Millionen Einwohnern...
Mein Fazit: Gemischte Eindrücke - aber hier passiert etwas! In nur einem Jahrzehnt haben „die Chinesen" in Afrika einen wichtige Rolle gewonnen. Und es geht weiter. Wir leben in interessanten Zeiten.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben ein angenehmes Wochenende!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von ladentrog leopold (11.02. 2011 13:50 Uhr):
sehr geehrter herr vaupel, ich lese immer gerne ihre artikel. mich würde nun noch folgendes interessieren: ihr jatropa projekt in afrika gefällt mir besonders gut. kann man in dieses projekt noch sagen wir mal mit € 10.000,-- einsteigen???? ich danke für ihre geschätzte rückantwort
Antworten