Getreidepreise auf dem Weg zu neuen Tiefstkursen
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 20. Juni 2006 20:45 Uhr
ENL5454
Trotz der Ethanoleuphorie tut sich bei den Getreidepreisen zurzeit nichts. In Arkansas, einem der Hauptanbaugebiete für Getreide in den USA ist die Ernte bei trockenem Wetter vollständig eingefahren und das belastet zurzeit die Spekulationsinteressen.
Ausverkauf bei Mais
Fonds halten immer noch rund 227.000 Maiskontrakte auf der langen Seite, sprich sie spekulieren auf steigende Kurse. Doch die kurzfristigen guten Ernteaussichten hat einige Spekulanten offenbar doch dazu veranlasst ihre Positionen zu verkaufen. Letzte Woche wurden daher fast 40.000 Maiskontrakte verkauft. Die Maispreise fielen deshalb in den letzten Wochen um 14 % von 3,65 US-Dollar je Bushel auf 2,30 US-Dollar je Bushel (siehe Chart).
Unbestätigt sind noch die Daten zur Anbaufläche. Würde die Anbaufläche doch größer sein als erwartet so befürchten Analysten, dass die Prognosen des US-Agrarministeriums daneben liegen könnten. Statt erwarteten 1,1 Milliarden Bushel würden die Endlagerbestände dann bei knapp 2 Milliarden liegen.
Trotzdem bleiben die langfristigen Aussichten weiter intakt. Die Ethanolproduktion wächst rasant und Chinas Nachfrage nach Mais für Viehfutter, Ethanol und Süßstoffe dürfte drastisch zunehmen. Aus China wurde gestern deshalb gemeldet, dass das Land ab 2010 rund 10 Millionen Tonnen Mais pro Jahr importieren könnte. Natürlich wirkt sich dies noch nicht auf den aktuellen Preis aus, aber es gibt meiner Ansicht nach sehr deutliche Zeichen dafür, dass sich die Marktsituation in den Getreidemärkten gerade deutlich verbessert.
Endlagerbestände bei Weizen auf 25 Jahrestief
Die Weizenpreise haben in den letzten vier Wochen deutlich verloren. Der Juli Kontrakt für Chicagoer Weizen liegt bei 3,63 US-Dollar je Bushel. Das sind 17 % weniger als Anfang Mai. Wie bereits beim Mais spielt auch beim Weizen hat das Interesse der Spekulanten eine große Wirkung auf den kurzfristigen Verlauf. Die Fonds waren auch im Weizenmarkt aktiv und haben in der laufenden Rohstoffbewegung eingekauft. Jetzt nachdem die globale Liquidiätssituation schlechter wurde liquidieren einige Fonds ihre Bestände. Dabei sind die Fundamentaldaten für den Weizen eigentlich positiv. Die weltweiten Endlagerbestände für Weizen werden in diesem Jahr voraussichtlich bei lediglich 129 Millionen Tonnen liegen, was einem 25-Jahrestief entsprechen würde.
Ich denke die Entwicklung der Agrarrohstoffe wird sicher am heftigsten diskutiert werden. Einige Superbullen sind bereits sehr optimistisch gestimmt aber der Markt gibt ihnen (noch?) nicht recht und deshalb wird der Getreidemarkt noch von vielen Anlegern gemieden. Ich denke es gibt gute Gründe dafür zumindest einen Teil seines Geldes in Agrarrohstoffe zu investieren insbesondere da sich die kurz- bis mittelfristigen Aussichten fürs Rohöl etwas zurückgebildet haben und dort immerhin rund 70 % der gesamten weltweiten Rohstoffinvestments angesiedelt ist.
