Gestrige Fed-Sitzung: Meine Bewertung
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 28. Januar 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Rückblick und meine subjektive Bewertung auf:
Die gestrige Sitzung der US-Notenbank.
Zunächst die Fakten. Die amerikanische Notenbank ließ die Leitzinsen unverändert (0,25%). Auch die Formulierung, dass dieses Niveau „für einen längeren Zeitraum" beibehalten werden soll, änderte sich um kein Jota.
Ein einziger regionaler Fed-Gouverneur (der von Kansas) stimmte dagegen. Er hielt es - wie ich ebenfalls - für angemessener, eine Perspektive der Zinserhöhung aufzuzeigen, um sich schon jetzt gegen eine kommende Inflation zu wappnen.
Eine positive Nachricht (positiv im Sinne von „volkswirtschaftlich vernünftig"): Die Fed möchte den Ankauf von Anleihen mit selbst gedrucktem Geld zum Ende des ersten Quartals einstellen.
Kauf von Anleihen mit selbst gedrucktem Geld, das ist „total daneben", finde ich. Immerhin soll das nun aufhören. Allerdings gab es da so einige Formulierungen „unter Vorbehalt", dass mir leise Zweifel kommen.
Was noch? Achja, der Fed-Vorsitzende Ben „Luftnummer" Bernanke wird wohl heute seinen Vertrag für eine zweite Amtszeit erhalten. Bernanke ist kein zweiter Paul Volcker. Das war mal ein Zentralbankpräsident nach meinem Geschmack...als wichtigstes Ziel sah er die Bekämpfung der Inflation. Ein starker Dollar bedeutete ihm noch was. Ganz anders als die Luschen-Geldpolitik der USA heute.
*** Andererseits: Vielleicht ist die „Luschen-Geldpolitik" gar nicht so irrational. Aus rein egoistisch amerikanischer Sicht nämlich.
Versetzen wir uns mal in die Lage „der USA".
Das Handelsblatt hatte gemeldet: Seit der Finanzkrise haben sich die gesamten Staatsschulden der Vereinigten Staaten von Amerika um 43% oder 3.916 Milliarden Dollar erhöht. Damit stehen wir bei insgesamt knapp 12,9 Billionen Dollar.
Unter diesem Aspekt wäre eine Inflation gar nicht so unwillkommen. Denn bei relativ hoher Inflation wird diese Schuldenlast natürlich „leichter".
Ein Vorteil aus Sicht der USA: Ein großer Teil der amerikanischen Staatsverschuldung wurde bei Ausländern eingegangen. Trader´s Daily-Leser(innen) wissen längst: Ein großer Teil der chinesischen Devisenreserven von mittlerweile 2,4 Billionen Dollar (muss man sich mal vorstellen!) ist in US-Staatsanleihen angelegt.
Und wenn es nun eine Inflation geben würde, und der Dollar weniger wert wird, und die Halter von US-Staatsanleihen negativ betroffen wären...
...wäre es da aus amerikanischer Sicht wirklich so schlimm, wenn die Chinesen einen Wertrückgang ihrer US-Staatsanleihen hinnehmen müssten?
So etwas wird natürlich nie laut gesagt werden, am wenigsten in einem „Fed Statement" verkündet. Aber es ist eine Überlegung, die ich gerade hatte und die meiner Ansicht nach durchaus Sinn machen würde.
Es würde natürlich das herkömmliche Denkmuster „eine Zentralbank bekämpft Inflation und will eine eigene starke Währung" auf den Kopf stellen. Vielleicht will Ben „Luftnummer" Bernanke genau das Gegenteil. Um die Schuldenlast für sein Vaterland zu erleichtern.
Es steht allerdings geschrieben (nämlich hier im Trader´s Daily): Das wäre ein Spiel mit dem Feuer! Wer mit der Inflation essen will, muss einen langen Löffel haben.
Sprich: Dies kann leicht außer Kontrolle geraten. Und eine galoppierende Inflation ist nichts Feines, ganz sicher nicht. Da erinnert sich vielleicht noch der älteste und weiseste Teil der Trader´s Daily-Gemeinde an die deutsche Hyperinflation Anfang der 1920er. (Ich weiß zumindest von einem Leser, dass er schon als Kleinkind mit seinem Vater in den 1920ern Waldspaziergänge unternahm und dabei mehr über Aktien erfuhr.) Dann könnte auch das internationale Vertrauen in Dollar-Anlagen zusammenbrechen, eine Flucht aus US-Aktien und US-Anleihen einsetzen.
Auch der Geisteskranke, kann er überhaupt über diesen Punkt zum Nachdenken gebracht werden, wird dies zugestehen müssen.
*** Aber vielleicht liege ich mit dieser Einschätzung auch völlig daneben. Vielleicht ist Ben Bernanke einfach nur unfähig.
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Markus Sprenger (28.01. 2010 12:23 Uhr):
Im Jahr 2031 geht der letzte geburtenstarke Jahrgang in Rente. Ich glaube nicht, dass die Renten, die Staatsschulden und die Lebensversicherungen ohne eine saftige Inflation bezahlbar sind. Wie sehen Sie das? MfG Markus Sprenger
Antworten - Kommentar von Thomas Mayrhofer (28.01. 2010 12:28 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vaupel, auf der einen Seite großes Lob und herzlichen Dank für Ihre erfrischenden Kommentare, bei welchen Sie sich kein Blatt vor den Mund nehmen, und sich Ihre eigene unverfälschte Meinung (hoffe ich zumindest) weitergeben. Auf der anderen Seite jedoch meiner Meinung nach berechtigte Kritik: Auch wenn ich im tiefsten Herzen Ihre Aussagen über Ben Bernanke teile, würde ich Sie bitten für die Zukunft öffentliche Kommentare wie: \"Auch der Geisteskranke (selbst wenn Sie den Namen nicht anführen sollte es allen klar sein: Ben Bernanke), kann er überhaupt über diesen Punkt zum Nachdenken gebracht werden, wird dies zugestehen müssen.\" zu unterlassen. Es liegt meiner Ansicht nach weit unter Ihrem tatsächlichem geistigen Niveau solche unbedachten Äußerungen zu tätigen. Auch auf die Gefahr hin das Ihnen meine Meinung am A.... vorbeigeht, vielleicht regt es trotzdem zum denken an..... Schöne Grüße aus dem verschneiten Niederösterreich, Thomas Mayrhofer
Antworten - Kommentar von Dr Papp Ernoene Ungarn (28.01. 2010 16:53 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vaupel! Nach meiner Meinung liegen Sie mit Ihrer Annahme ganz richtig, nur verfolgen Sie diese Gedanken nicht bis zur Ende. Denn sollte der US Dollar inflationiert werden, und ob über kurz oder lang wird es geschehen müssen, heisst das für die übrige Welt, dass all jene Staaten, die diese schöne T-Bonds gekauft haben, den hohen Lebensstandard der USA finanziert haben. Vor allem aber die Chinesen. Und mich würde auch mal interressieren, wieviel Staatsverschuldung der EU-Raum Staaten gekauft haben, oder noch kaufen. Denn es ist sicher, dass dann alle EU Bürger auch für den Wohlstand der Amerikaner mitbezahlt haben. Und ich möchte gerne wissen, wie diese Zahlen aussehen. Sie haben sicherlich mehr Möglichkeiten, um diese Zahlen in Erfahrung zu bringen. Und dann noch eine Frage an unsere sog. lieben Politiker. Warum verkaufen die EU Staaten ihre T-Bonds jetzt nicht, zum Beispiel um Gold kaufen zu können. Warum warten wir solange, bis die T-Bonds vollkommen wertlos werden? Ich gehe davon aus, dass auch die EU Staaten T-Bonds gekauft haben, und vielleicht auch noch kaufen. Mit freundlichen Grüßen
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