Bill Bonner ist einer der anerkanntesten Finanzexperten der USA und Bestseller-Autor. Bei uns schreibt er regelmäßig im Börsen-Newsletter Kapitalschutz Akte.
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vom
Warum müssen wir eigentlich zu diesen ganzen Veranstaltungen gehen?“ frage ich meine Frau Elizabeth an einem Samstagabend während der Ferien.
Ich stehe mit gesellschaftlichen Anlässen nicht auf Kriegsfuß, ich bin nur einfach nicht gut dafür geeignet. Ich mag keinen Smalltalk. Ich kann nicht gut lange an einem einzigen Ort stehen bleiben, selbst wenn ich einen starken Drink in den Händen halte; und auch nach Mitternacht kann ich nicht lange wach bleiben.
„Wir müssen gehen... weil es Spaß macht“, lautete die Antwort, „und wenn wir nicht hingehen, werden wir nicht wieder eingeladen.“
„Wäre das nicht gut?“ fragte ich.
Wir waren auf dem Weg zur Hochzeit von Leuten, denen wir noch nie begegnet waren. Wir waren nur mit den Eltern irgendwie bekannt. Dennoch haben wir eine Ladung von der Gräfin von-und-zu erhalten, die uns auf das Chateau Gere le Puy zu einem Empfang einlud. Ganz Aquitanien würde man dort antreffen.
„Hör auf ein solcher Brummbär zu sein“, sagte Elizabeth, „es ist schon klar, dass du nie zu diesen sozialen Anlässen gehen willst.“
„Immerhin bin ich konsistent“, antworte ich „und ich bevorzuge niemanden.“
Egal, ob es sich um ein Ereignis der High-Society... oder um ein Remmidemmi der untersten Schichten handelt, es tut mir um keine Einladung Leid, die in der Post verloren geht. Aber wenn ich einmal da bin, dann höre ich bald auf zu grummeln und amüsiere mich. Es gibt so viel zu sehen. So viele Leute mit denen man reden kann. Ich gucke, höre... und greife manchmal sogar zu.
„Was für eine wunderschöne Hochzeit“, sagte ich und imitierte damit die 200 Gäste, die bei dem Empfang vor mir in der Reihe gestanden hatten. „Und was für ein schönes junges Paar. Man hätte sich kein besseres Wetter wünschen können.“
Das Wetter war schön, das Chateau gewaltig. Es war ein Chateau aus dem 19. Jahrhundert mit schönen, großen Fenstern, die auf einen weiten Park im englischen Stil blickten. Wo auch immer man hinsah, sah man die Anzeichen von eben erledigter Arbeit. Die Fenster waren frisch gestrichen. Die Steine auf der Terrasse waren neu verlegt. Der Garten war gut gepflegt. Nur die alten Ställe sahen ein bisschen vernachlässigt aus... und innen waren sie voll von Teilen alter Autos und Traktoren.
Die Eltern der Braut müssen bei den Vorbereitungen über Monate wie die Tiere geschuftet haben. Als ich ihre Hände in die meinen nahm, um sie zu begrüßen, da fiel mir auf, dass sie hart wie Nägel waren.
„Wissen Sie“, sagte der Vater der Braut, „man braucht hin und wieder eine Hochzeit. Denn sonst bekommt man das Haus nie wieder so in Form.“
*** Während des Urlaubs in Frankreich brachte ich einen ganzen Tag damit zu, eine schlechte Geldanlage zu begutachten. Das Projekt sah auf dem Papier sehr gut aus... und es schien auf trockenem Land zu stehen. Es ist ein majestätisches Chateau in der Normandie, das ich für Seminare ausgestattet habe. Aber das Projekt versank fast von Anfang an in dem weichen Boden französischer Regulierungen.
Auf dem Weg nach Hause versuchte ich mit Pierre herauszufinden, was schief gelaufen ist:
„Pierre“, fing ich an, „das wirkliche Problem ist, dass die angelsächsischen Geschäftsleute nicht wirklich verstehen, wie man Geschäfte in diesen südlichen Ländern macht. Wenn einem das Gesetz in England und Amerika sagt, dass man etwas tun muss, dann weiß man, dass man es tun muss. So funktioniert das hier nicht.“
„Nun, es funktioniert und es funktioniert wieder nicht“, erklärte Pierre, „auch hier machen wir die Dinge gerne richtig. Wir benutzen sehr gerne das Wort ‚korrekt’, um zu beschreiben, wie Dinge sein sollten... einfach anständig. Aber es ist wahr, dass man Dinge nicht wirklich anständig machen kann, ohne auf die Gesetze zu achten.“
„Aber Pierre, du siehst doch, dass wir hier in der Normandie feststecken“, fuhr ich fort, „die einen Bürokraten sagen das eine, die anderen sagen etwas anderes. Die von der Denkmalpflege sagen, dass sie uns ins Gefängnis stecken, wenn wir etwas an den Fenstern verändern. Die Verantwortlichen für die öffentliche Sicherheit sagen, sie stecken uns ins Gefängnis, wenn wir keine Riegel vor die Fenster machen. Die Mehrheit sagt, dass man, wenn man die Zustimmung dieser beiden Ämter nicht hat, keine Chance hat, das Gebäude zu nutzen. Offensichtlich kann man nicht alle Gesetze beachten, wenn man noch Geschäfte machen will.“
„Nein“, stimmte Pierre zu, „aber man muss tun, was korrekt ist. Darauf kommt es an.“
„Aber wie kann ich wissen, was richtig ist, wenn es so viele Dinge gibt, die korrigiert werden müssen“, fragte ich.
„Man muss dafür einfach ein Gefühl haben“, antwortete Pierre.
Aber wie steht es mit dem Problem der sich widersprechenden Regulierungen?
„Es ist sehr einfach“, erklärte er, „man lädt jemanden von der Baudenkmalpflege zur Begutachtung ein. Sie sehen sich die Fenster an. Sie sehen keine Riegel. Sie geben ihre Zustimmung. Dann baut man die Riegel ein und lädt den Vertreter der Sicherheitsabteilung ein, damit er kommt und sich die Sache ansieht. Er wird zufrieden sein, und du hast deine Zulassungen. Du gehst damit zum Bürgermeister... und holst dir deine letzte Zulassung ab.“
„Aber was, wenn die Leute von der Baudenkmalpflege zurückkommen... und die Riegel sehen?“
„Mach Dir deswegen keine Sorgen“, sagte Pierre, „sie wissen doch auch, dass die Riegel eingebaut werden müssen, weil das Gebäude sonst nicht sicher ist. Wenn jemand raus fällt uns sich verletzt. Diese Leute sind nicht völlig ohne Verstand.“
„Oh, das ist mir gar nicht aufgefallen“, lautete meine Antwort.