Geschichte der Staatsverschuldung
Diplomkaufmann Luis Pazos-Gomez, Northeim in Traders Daily zum Thema Value Analyse
vom 12. März 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Richtig ist, dass im Zuge der französischen Reparationszahlungen nach dem gewonnenen Krieg von 1870/1871 und des finanziellen Gewitters in Folge des Gründerkrachs die monetäre Basis des Deutschen Reichs ab Mitte der 70er Jahre des 19. Jh. bereinigt, die Zinsen mit 2% bis 3% niedrig, die Währung (teil-) goldgedeckt und der Entmündigungskoeffizient, sprich die Staatsquote, mit 10% bis 15% sehr moderat - und damit weitaus niedriger als heute, im "freiesten Staat auf deutschem Boden" - war.
Diese volkswirtschaftlich günstigen Rahmenbedingungen waren mit Sicherheit - in für ökonomische Variablen typisch reflexiver Art und Weise - Ursache wie Folge einer niedrigen Staatsverschuldung, dieselbe jedoch mitnichten verpönt oder jenseits des politischen Kalküls, wie spätestens die vorbereitenden Maßnahmen zur Finanzierung des 1. Weltkrieges zeigen.
Überhaupt ist das auf und ab der Staatsverschuldung, der Zyklus aus Inflation, Krise und Währungsreform (der bekannte Euphemismus für den für unmöglich gehaltenen Staatsbankrott), neben der militärischen Gewaltanwendung, eine der wenigen Konstanten territorialer Monopolherrschaften.
Von dieser unheilvollen Kombination, der Mischung und - wiederum reflexiven - Beeinflussung aus Militäroperation und Staatsverschuldung, kündet bereits der im Alten Testament im Buch Daniel beschriebene Untergang Babylons im Jahr 539 v. Chr.: An einer Wand der Residenz König Belschazzars erscheint eines Abends ein geisterhafter, durch die babylonischen Schriftgelehrten weder les- noch deutbarer, Schriftzug.
Darauf hin wird Daniel, Wahrsager und Astrologe und Oberster der Zeichendeuter (oder Zahlendeuter, s. u.), vom Volk der in babylonischer Gefangenschaft verharrenden Juden herbeigerufen. Er entschlüsselt die in Aramäisch notierte Botschaft, "Mene mene tekel u-parsin", und interpretiert diese als Ankündigung des Endes von Belsazars Herrschaft:
"Gezählt hat Gott die Tage deiner Herrschaft [...], gewogen wurdest Du [...] und zu leicht befunden, geteilt wird dein Reich [...]." (Buch Daniel, 5,1 - 6,1. Quelle: "Die Bibel - Altes und Neues Testament - Einheitsübersetzung", Stuttgart 1980).
In der selben Nacht findet Belschazzar durch die Hand seiner Knechte den Tod - in der historischen Realität ist er wohl im - ressourcenintensiven - Krieg gegen den Perserkönig Kyros II. gefallen.
Doch Eingedenk der Tatsache, dass es sich bei der wortwörtlichen Übersetzung der Geisterschrift vermutlich um die Bezeichnung verschiedener Münzen handelt - Mene = Mine war in der Antike eine gebräuchliche Geldeinheit, Tekel = Schekel ist es noch heute in Israel - ist vielleicht gar keine allegorische Interpretation vonnöten.
Das, was David klar und deutlich sah, waren Finanzkennzahlen, monetäre Verpflichtungen in Form von Außenständen, also Schulden, angehäuft durch lange Kriege und einen ausufernden Hofstaat.
Der finanzielle Ruin beendete schließlich die babylonische Vorherrschaft in Mesopotamien. Staatsverschuldung, Preis im Kampf um die Macht und doch der Untergang der Mächtigen? Ein Menetekel für den fallierenden Schuldner?
Fortsetzung folgt.
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