Geschichte der Staatsverschuldung, Teil 2
Diplomkaufmann Luis Pazos-Gomez, Northeim in Traders Daily zum Thema Value Analyse
vom 15. März 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Zeitsprung: Knapp 500 Jahre später, im Jahr 43 v. Chr., die römische Republik liegt in Ihren letzten Zügen, die erbeuteten Werte der erfolgreichen Kriegszüge haben nicht ausgereicht, die weiteren Sicherungs- und Expansionsbestrebungen zu forcieren und gleichzeitig das Volk zu alimentieren.
Grund: Die Monopolisierung der Kriegsgewinne, einschließlich der expandierenden Sklavenwirtschaft, die nicht mehr wettbewerbsfähige Mittelschicht aufgerieben hat, der Militär- und Sozialetat sprengt in steter Regelmäßigkeit den Staatshaushalt, die Bevölkerung schrumpft.
Kurz: Die erdrückende Schuldenlast und eine drohende deflationäre Depression steuern das Imperium an den Rand des Untergangs.
Ein Mann, Gaius Octaviaus, der spätere Kaiser Augustus, zu der Zeit noch Mitglied des mit diktatorischen Befugnissen ausgestatteten Zweiten Triumvirats, ersinnt eine Lösung dieses Dilemmas, die Durchbrechung dieser sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale. Die lähmend destabilisierenden Schulden, welche immer größer werdende Nominalbeträge in Form von Steuern oder neuen Schulden bedingen, müssen weg und zwar schnell.
Da aber der freiwillige Gläubigerverzicht, also ein Schuldenschnitt, eine langwierige und komplizierte Prozedur ist, greift Octavian zu einem Mittel, welcher sich seit langem Roms Mächtige bedienen, um sich ihrer unliebsamen Gegner zu entledigen, der Proskription, die römische Variante der Vogelfreiheit, die es jedermann erlaubte, die in öffentlichen Aushängen benannten Personen straffrei und gegen Belohnung zu töten.
"Moriturum esse!" - "Es muss gestorben werden!" erschallt es im ganzen Reich, ungeachtet des Standes rollten im Zuge dieser Finanz-"operation" die Köpfe der wohlgenährten Rentiers, deren bekanntester Vertreter Cicero war, einer der brillantesten Redner aller Zeiten (das Wort ist im Zweifel eben doch nicht so scharf wie das Schwert).
Die Gläubiger Roms tilgten so mit ihrem Blut die Passivposten in der Bilanz des Imperiums, welches sich in der Folgezeit an einer wiedergewonnen ökonomischen Prosperität und ca. 150 Jahre später an seiner maximalen Ausdehnung erfreuen konnte.
Der Gläubigermord und dessen etwas subtilere Form, der (meist unfreiwillige) Gläubigerverzicht, wurden damit zum ebenbürtigen Begleiter der Staatsverschuldung.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Wilfried Bürgel (15.03. 2010 14:51 Uhr):
Leider wurde diese Sichtweise der "Bewältigung" der Staatsschulden weder im Geschichts- noch im Lateinunterricht an den Gymnasien gelehrt. Die wirtschaftspolitischen Zusammenhänge kannte der Schüler nicht ... oder sollte sie nicht kennen! Übrigens: die Lehrer auch nicht!
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