Geschichte der Staatsverschuldung, letzter Teil
Diplomkaufmann Luis Pazos-Gomez, Northeim in Traders Daily zum Thema Value Analyse
vom 17. März 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Am Montag beendete ich meinen Beitrag mit diesen Worten: „Der Gläubigermord und dessen etwas subtilere Form, der (meist unfreiwillige) Gläubigerverzicht, wurden damit zum ebenbürtigen Begleiter der Staatsverschuldung."
Er läutete das Ende des Templerordens, des größten Gläubigers seiner Zeit, ein und riss die Fugger und Medici in die Tiefe der Bedeutungslosigkeit. Den Hass des Schuldners auf den Gläubiger bekamen denn auch die "Geldjuden", seit dem kanonischen Zinsverbot durch Papst Innozenz III. von 1215, bis in unsere Tage zu spüren (und konnten trotzdem bis heute große Vermögensbestände erhalten).
Ebenso wie John Law nach dem Scheitern seines Papiergeldexperiments in Paris (interessanterweise hatte er selbst ausschließlich Edelmetalle bevorratet).
Insbesondere der deutschen Bevölkerung ist dieser Verzicht gut bekannt, waren die Währungsreformen von 1923 und 1948 vor allem auch deswegen nötig, da der Staat jeweils mit einem mehrfachen seiner Jahreswirtschaftsleistung bei den Haushalten in der Kreide stand - letztendlich kein Unterschied zu den Staatsfinanziers von Argentinien, das sich 2001 für zahlungsunfähig erklärte.
Die willkürlich gewählte und seitenweise fortsetzbare Liste an Beispielen entlarvt dabei vor allem den finanzwissenschaftlich gepflegten Mythos, die Schulden von heute wären die Steuern von morgen.
Falsch, diese können und wollen auch gar nicht zurückgezahlt werden, die Begleichung wird vielmehr durch eine Rasur der Gläubiger, also allen direkten und indirekten Haltern von Wertpapieren öffentlich-rechtlicher Schuldner, exekutiert werden, die Forderungen und Verbindlichkeiten gegeneinander aufgehoben.
Wer also in einer Zeit, da sich die Weltstaatsverschuldung in einem absolut wie relativ noch nie gekanntem Ausmaß auftürmt um der portfoliotheoretischen Diversifikation und Sicherheit Willen sein Depot mit Triple-A gerateten Staatsanleihen bestückt, sollte auf der Hut sein, da selbst der nobelpreisgekürte Dr. Markowtiz in seinen ausgeklügelten Modellen keinerlei Strukturbrüche berücksichtigt - ein Fehler, mit finanziell und vital schmerzhaften Folgen.
Literatur:
Gunnar Heinsohn/Rolf Knieper/Otto Steiger, "Menschenproduktion - Allgemeine Bevölkerungslehre der Neuzeit", Frankfurt/Main 1979
Benoit B. Mandelbrot/Richard L. Hudson, "Fraktale und Finanzen", München 2005
Paul C. Martin, "Die Krisenschaukel", München 1997
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