Geschätzter Kunde – Teil 1 von 2
Christopher Corbett in Traders Daily
vom 14. September 2007 12:00 Uhr
ENL5454
Gutes Timing ist alles.
An genau jenem Tag, an dem meine Post nach fünf Uhr am Nachmittag ankam und zwei Wochenzeitungen, die ich abonniert habe, mit einer zweiwöchigen Verspätung in der Post lagen und an eben dem Tag, an dem ich im Postamt des Ortes mehr als 20 Minuten angestanden habe... haben mich die fröhlichen Witzbolde, die für den United States Postal Service verantwortlich sind, dazu ausgewählt, an einer Befragung zur Kundenzufriedenheit teilzunehmen.
Können Sie sich das vorstellen?
Lassen Sie sich von niemandem mehr einreden, dass die Amerikaner ihren Sinn für Humor verlieren würden. Die Begrüßung allein war schon der erste große Lacher „Lieber geschätzter Kunde.“
Die Befragung, die mir vom Post-Dienstleister zugeschickt wurde, war von der Gallup Organisation zusammengestellt worden. Ich kann die Ergebnisse der Umfrage gar nicht erwarten.
Ich erhalte täglich, außer am Sabbat, Post.
Die Post anderer Leute. Post, die an Menschen adressiert wurde, die vor mehr als 25 Jahren einmal hier gelebt haben. Mir absolut unbekannte Menschen. Tote. Ich erhalte Post, die zerkaut wurde. (Von Tieren? Von Maschinen?) Ich erhalte Post, die beschädigt ist. Ich erhalte Post, die feucht geworden ist. Feucht?! Im vergangenen Sommer gab es eine Dürre! Wie konnte die Post da nass werden?
Die Zulieferung ist launisch. Normalerweise hat es mit Zahlen zu tun. Meine Hausnummer ist die Nummer 7. Deswegen erhalte ich Post mit der Zahl 7, wenn Sie mir folgen können. Post, die für Häuser mit der Zahl 7 darauf bestimmt ist.
Ich bringe diese Post gerne zur richtigen Adresse, weil diese fast immer in fußläufiger Entfernung liegt und mir die Bewegung gut tut. Ich weiß, dass das vermutlich eine Verletzung des Bundesgesetzes darstellt. Aber das gibt mir die Möglichkeit, mich mit anderen Mitgliedern aus der Familie der geschätzten Kunden in leichter Häme über den Postdienst zu ergehen.
Über viele Jahre hat ein älterer Herr die Post gebracht. Er war ein Postbote wie aus einem Gemälde von Norman Rockwell, ein großväterlicher Herr, ein beschwingter Geselle mit einem freundlichen Wort und einem Witz für alle und jeden. Man konnte seine Ankunft mit einer geeichten Uhr bemessen. Selbst die Hunde mochten ihn. Sein Spitzname war Dino und er war überall beliebt.
Seit er in den Ruhestand gegangen ist, ist nichts mehr wie vorher. Zum einen hat der Postdienst einige sehr komplexe Regeln zum Dienstalter. Deswegen hatten wir während einer langen Zeit eine Reihe von Vertretungspostboten. Einige von ihnen waren großartig.
Aber diese Postboten, so etwas wie die Jugendlichen des Postwelt, wurden irgendwann durch alte und bewährte Postboten ersetzt. Diese grauhaarigen Veteranen des Postdienstes waren nicht aus den Bildern von Norman Rockwell, sondern aus denen von Norman Bates. Einige von ihnen schienen sehr wütend zu sein, andere schienen unter starken Medikamenten zu stehen oder soziopathisch zu sein. Ich verstehe heute, warum es die Ausdrücke „verstimmter Postangestellter“ und „postalisch werden“ ins Lexikon geschafft haben.