Gerät der Ölpreis jetzt außer Kontrolle?
Volkmar Michler in Profit Radar
vom 27. Mai 2008 19:00 Uhr
ENL5454
Ich hoffe, Sie haben rechtzeitig vor dem neuen Rekordhoch des Ölpreises bei über 135 US$ noch einmal getankt Jetzt haben zum ersten mal sogar Benzin und Diesel gleichgezogen. Da fällt es schwer, die Marktmechanismen zu verstehen.
Immer wieder für den hohen Ölpreis 4 Gründe genannt:
1. Ölknappheit. Auf lange Sicht halte ich das für richtig. Zwar gibt es noch etliche Ölfelder, die nicht erschlossen sind. Zum Beispiel das gigantische Ölfeld, das vor der Küste Brasiliens erwartet wird. Die Frage ist jedoch, ob diese Ölfelder wirtschaftlich erschlossen werden können. Kurzfristig ist das Öl aber nicht knapp. Tatsächlich herrscht sogar ein Überangebot. Deshalb hat sich zum Beispiel die Royal Shell Dutch dazu entschlossen, im Iran den Betrieb einer Raffinerie zu stoppen. Dort werden sonst über 420.000 Barrel Öl täglich verarbeitet. Und dies führt direkt zum nächsten Grund.
2. Geopolitische Spannungen: Der wieder schwelende Atomkonflikt mit dem Iran ist nur einer von vielen Spannungen, die für Unsicherheit und damit einen höheren Ölpreis sorgen.
3. Nachfrage aus den Schwellenländern: Dies wird immer wieder als Argument angeführt. Eine ganze Reihe von Schwellenländern haben sich von der Wachstumsschwäche der USA bisher abkoppeln können. Ich habe aber meine Zweifel, ob dies von Dauer ist. In den USA hat der hohe Ölpreis bereits zu einem Rückgang der Nachfrage nach Benzin und anderen Ölprodukten geführt. Eigentlich müsste der Ölpreis deshalb fallen. Wenn es da nicht die „Spekulanten“ gäbe.
4. Spekulation: Wenn die meisten Marktteilnehmer langfristig eine Ölknappheit erwarten und deshalb auf einen steigenden Ölpreis setzen, könnte der Ölpreis weiter steigen, obwohl das Öl derzeit überhaupt nicht knapp. Die Frage ist: Wie lange kann sich der Terminmarkt vom tatsächlichen Ölmarkt abkoppeln? Das kann Ihnen seriöse keiner beantworten.