George Soros
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 19. August 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
gestatten Sie mir bitte noch einen kleinen Nachtrag zu den gestrigen Meldungen. Der starke Anstieg der Lagekomponente des ZEW-Konjunkturindex wird ja gern in den Medien als Erfolg gefeiert, während der deutliche Rückgang der Erwartungskomponente als „nicht dramatisch“ eingestuft wird. Pikanterweise gab es im Lauf der letzten Jahre bisher nur drei Mal die Situation, in der die Lagekomponente die Erwartungskomponente nach oben geschnitten hat (also in der die aktuelle Lage deutlich optimistischer als die Zukunft beurteilt wurde): Das war in den Jahren 2000, 2007 und eben jetzt 2010. Sie dürften bereits an den Jahreszahlen sehen: 2000 und 2007 waren die Startpunkte eines mehrjährigen Bärenmarktes. Optimisten glauben natürlich, dass es diesmal ganz anders kommt. Ich gehöre nicht dazu.
Unterdessen flatterte mir eine weitere interessante Meldung der US-Börsenaufsicht auf den Schreibtisch. Wie aus einer Pflichtmitteilung hervorging, baute „Investmentguru“ George Soros innerhalb seiner Fondsgesellschaft seine Aktienpositionen im Juni drastisch – nämlich um fast die Hälfte - ab. Da es sich um eine große Fondsgesellschaft handelt, haben wir es hier mit Milliardenbeträgen zu tun. Bei einzelnen Titeln wie dem brasilianischen Ölriesen Petrobras und anderen Leitwerten wie dem Discountriesen Wal-Mart, der Großbank JP Morgan Chase und der Pharmafirma Pfizer wurde nahezu der gesamte Bestand veräußert. Es gilt als sicher, dass ein großer Teil der freigewordenen Mittel in US-Staatsanleihen umgeschichtet wurde, zumal die US-Notenbank in der vergangenen Woche so (Großanleger-) freundlich war, in diesem Segment Stützungskäufe vorher anzukündigen. Jeder große Fond hat also die Gelegenheit, sich im Vorfeld einzukaufen und fast sichere Gewinne zu verbuchen, wenn die Notenbank bald völlig überteuerte Anleihen kauft. Dämlichkeit oder offensichtliche Manipulation durch die Notenbank, das ist hier die Frage. Auf alle Fälle bleiben so die Zinsen für Staatsanleihen (und damit für die Staatschulden) niedrig, was durchaus gewollt ist.
Darüber hinaus dürfte die Entscheidung Soros`, einen derart bemerkenswerten Kapitalabzug aus den US-Aktienmärkten vorzunehmen, eine deutliche Nachricht an andere Investoren senden. George Soros wurde bekannt mit seinen Spekulationen gegen das britische Pfund und dem “Knacken” der Bank of England im Zuge der europäischen Finanzkrise im Jahr 1992, durch die sein Fonds mehr als $1 Milliarde Gewinn einstrich.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Matthias Wiltzsch (19.08. 2010 14:56 Uhr):
Hallo Herr Voigt, kürzlich haben Sie berichtet, daß Fondsmanager sich u.a. auch danach richten, wenn es im Tageschart zu Schnittpunkten der 200 Tagelinie mit der 50 Tagelinie kommt, ob sie sich Long oder Short positionieren! Wenn ich mir den Leitindex S&P 500 hernehme, dann hat es am 15.06.2010 diesen Schnittpunkt (Shortsignal) gegeben! Ob sich G. Soros danach richtet bleibt natürlich offen? Was wirklich dahinter steckt wird wohl ein Geheimnis bleiben. Vielleicht will man auch dem drohenden Kollaps von Staatsanleihen damit entgegenwirken? Mit freundlichen Grüßen M.Wiltzsch
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