George Soros, Friedrich von Hayek und Karl Popper – Teil 2 von 2
Mark Tier in Traders Daily
vom 3. Dezember 2009, 12:00 Uhr
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Für Soros sind Fehleinschätzungen ein Faktor dafür, welchen Lauf ein Ereignis nimmt. In seinen Worten heißt das: „Überzeugungen verändern die Ereignisse" in einem Prozess, den er in seinem Buch „The Alchemy of Finance" als Reflexivität bezeichnet.
Für manche war das Buch bahnbrechend, weil es komplexe Ereignisse erklären konnte. Für die meisten anderen war das Buch undurchdringbar, sogar unlesbar und nur wenige Leute erfassten die Idee der Reflexivität, die Soros versuchte darzulegen. Soros schreibt selber in seinem Vorwort zur Taschenbuchausgabe, dass er nicht das Gefühl hat, dass man seine Gedanken zur Gänze versteht:
„Nur der erste Teil meines Arguments scheint sich durchzusetzen - dass die vorherrschende Meinung die Preise am Markt beeinflusst. Der zweite Teil - dass die vorherrschende Meinung unter bestimmten Umständen auch die so genannten Grundlagen beeinflussen kann und dass Veränderungen der Marktpreise eine Veränderung der Marktpreise verursachen kann - scheint unbemerkt geblieben zu sein."
Veränderungen der Marktpreise können Änderungen der Marktpreise nach sich ziehen? Das klingt doch lächerlich.
Ist es aber nicht.
Um ihnen nur ein Beispiel zu geben: Wenn die Aktienpreise steigen, dann fühlen sich die Anleger reicher und sie geben mehr Geld aus. Die Verkäufe der Firmen und die Profite steigen in der Folge.
Die Analysten an der Wall Street weisen auf diese „verbesserten Grundlagen" hin und drängen zum Kauf. Das schickt die Aktien noch weiter rauf... und so weiter und so weiter. Das ist das, was Soros den reflexiven Prozess nennt - eine Feedbackschleife: Eine Änderung der Aktienpreise hat eine Änderung bei den Grundlagen der Firmen bewirkt, die wiederum einen weitern Anstieg der Aktienpreise bewirkte. Und so weiter.
Sie haben mit Sicherheit bereits von diesem besonderen reflexiven Prozess schon einmal gehört.
Die Reflexivität ist eine Feedback-Schleife: Wahrnehmungen verändern Tatsachen und Tatsachen verändern Wahrnehmungen. So ist es auch gewesen, als der thailändische Baht zusammenbrach. Im Juli 1997 ließ die thailändische Zentralbank ihre Währung frei floaten. Die Bank erwartete eine Entwertung von ungefähr 20 %, aber bis Dezember war der Baht von 26 je US Dollar auf über 50 zusammengebrochen. Ein Fall von mehr als 50 Prozent.
Die Bank hatte ausgerechnet, dass der Baht „in Wirklichkeit" bei 32 pro Dollar lag. Was laut der theoretischen Modelle zur Währungsbewertung wohl auch durchaus richtig war. Aber die Bank hat versäumt einzurechnen, dass die Freigabe des Baht, einen sich selbst verstärkenden Prozess der Reflexivität in Gang setzen würde, der die Währung in den freien Fall stützte.
Mehr zu Thailand morgen, hier im Trader´s Daily.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hans Dieter Franke (03.12. 2009 12:35 Uhr):
Soros verwechselt reflexiv mit rekursiv. Tatsächlich meint er rekursiv. Reflexiv: "ich denke dass ich x denken kann" (Dedekind) Rekursiv: eine Funktion die sich selbst als Argument hat. Geht nur mit einwertigen Funktionen. Beispiel einer rekursiven Reihe: Die Fibonacci Reihe. Beispiel rekursive Funktion: Elliot waves. Grundproblem aller Chartisten ( das Elliot gelöst hat nur haben es die Chartisten nicht gemerkt) weil die Preise über der zeit aufgetragen werden meinen sie der Index hängt von der Zeit ab. Das ist falsch. Niemand kauft oder verkauft weil es Donnerstag 9:23 Uhr ist. MfG Dr.H.D.Franke
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