Geniezeit
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 12. Mai 2005 18:00 Uhr
ENL5462
Zeit des Booms, boomende Orte, Boom, Boom, Krawumms
Die FDIC (Federal Deposit Insurance Corporation) sagt, dass es in den Vereinigten Staaten 55 Regionen gibt, die sich in der Mitte eines Immobilienbooms befinden. Eine Region mit Immobilienboom ist definiert als eine Gegend, in der die Wohnimmobilien in den letzten drei Jahren um mehr als 30 % gestiegen sind. Das ist die größte Anzahl von Booms in den vergangenen 30 Jahren, sagt der FDIC und diese Zahl ist doppelt so hoch wie in den Achtzigern.
Wenn ein Bullenmarkt Genies schafft, dann hat der Immobilienboom in der Vereinigten Staaten eine ganze Nation der Genies entstehen lassen. Die Dreißig- bis Vierzigjährigen glauben, dass ihnen etwas aufgefallen ist, dass ihre Eltern und Großeltern übersehen haben: das die Preise am Immobilienmarkt steigen. Und da sie schneller steigen als die Inflationsrate ... und auch schneller als die Zinssätze auf geliehenes Geld ... liegt nichts näher, als ausgiebig Geld zu leihen, um damit Häuser zu kaufen.
Es gab einmal eine Zeit, zu der glaubten die Leute, dass die einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen darin bestehen würde, etwas herzustellen, das sich verkaufen lässt. Die Idee ... ich zitiere aus dem Gedächtnis ... war, dass man etwas für x Dollar herstellte und es dann für x + 30 % Dollar verkaufte. Obwohl das eine ziemlich einfache Theorie ist, fiel es schwer, sie in die Praxis umzusetzen – besonders wenn es in Asien immer jemanden gibt, der bereit ist, das gleiche Produkt für x – 30 % zu verkaufen. Den amerikanischen Hersteller blieb, wenn sie mithalten wollten, nur eine einzige Möglichkeit. Sie mussten große Geldbeträge in die Forschung, in neues Equipment und in die Ausbildung stecken, so dass man die Dinge besser und billiger herstellen konnte als in Asien. Aber das erforderte all die altmodischen Tugenden – Ehrgeiz, Sparen, Selbstdisziplin, harte Arbeit und Durchhaltevermögen – wer sollte in der Lage sein, damit fertig zu werden? Also ging die Produktion in Amerika zurück und die Löhne stagnierten. 1965 machte die Produktion noch die Hälfte der Wirtschaft in Amerika aus. Bis 1989 war der Wert auf 39 % gefallen. Und 2004 kamen nur noch 9 Cent aus jedem Dollar, der erwirtschaftet wurde, aus der Produktion von Gütern. Pro Stunde verdienen die Amerikaner unter realen Bedingungen nicht mehr als vor 30 Jahren. Im letzten Jahr sind die Einkommen sogar gefallen.
Man danke Gott für den Anstieg der Hauspreise. Ohne diesen Anstieg wäre Amerika in arger Bedrängnis. Man wäre nicht länger in der Lage, den Lebensstandard zu steigern. Man könnte nicht mehr so viel Geld leihen. Die Chinesen wären nicht mehr in der Lage, so viele Fabriken zu bauen. Die asiatischen Zentralbanken hätten nicht mehr so viel Geld. Es gäbe nicht mehr so viele Genies in Amerika.
Der Boom bei den Immobilienpreisen ist ganz natürlich, aber nicht normal. Er ist nicht die glückliche Konsequenz, weil so viele Genies auf einmal festgestellt haben, wie man schnell reich wird. Stattdessen ist er das groteske Ergebnis einer Zentralbank, die in die Zukunft blickte und versuchte, sie zu verbessern, bevor sie Gegenwart war. 2001 glaubten Alan Greenspan und sein Team, dass eine Depression im japanischen Stil auf Amerika zukäme. Sie entschlossen sich, das durch ein bisschen Hokus-Pokus zu verhindern – sie kürzten die Kreditzinsen unter die Inflationsrate. Die Amerikaner waren immer noch tendenziell bullish, also griffen sie danach.
Ich habe darauf schon so oft herumgeritten, dass ich es mir selbst schon zu den Ohren wieder herauskommt. Es ist mit klar, dass Leute, die Geld leihen und es ausgeben, nicht reicher sondern ärmer werden. Aber diese Einsicht scheint an den amerikanischen Genies abzuprallen, also reite ich weiter darauf herum.
Aber heute füge ich noch etwas hinzu. Ich fange an, nicht mehr nur an uns zu denken sondern auch an unsere asiatischen Nachbarn. Während wir Schulden und technischen Schnickschnack ansammeln, sammeln sie Dollar und Kredite. Was werden sie damit tun?
Ein Wirtschaftswissenschaftler berichtet, dass die asiatischen Zentralbanken – inklusive Japan – mehr als 1, 5 Billionen Dollar in ihren Schatzkammern horten. Ein kleiner Einbruch beim Wert des Dollars würde für sie riesige Verluste bedeuten. Im Vergleich: Die Zentralbank von Nicaragua hat 1989 einen Betrag, der 13,8 % des Bruttoinlandsprodukts entsprach, verloren. Argentinien hat einen Rekord erreicht, als es im selben Jahr 23.5 % des Bruttoinlandsprodukts verlor. Diese Verluste standen nicht nur "auf dem Papier". In Argentinien fiel der Lebensstandard – und er liegt immer noch 30 % unter dem Wert zu der Zeit als der Boom explodierte.
Was Argentinien getan hat, unterscheidet sich nur wenig von dem, was Amerika heute tut – man hat mehr ausgegeben, als man sich leisten konnte. Man hat den Unterschied ausgeglichen indem man mehr Geld druckte – das ist genau der Vorschlag von Ben Bernanke, der vielleicht schon im nächsten Jahr Alan Greenspan als Vorsitzender der Fed ablöst. In Argentinien sind die Druckerpressen fast unter der Belastung, immer mehr Geld zu drucken, zusammengebrochen. Im Fall von Amerika bricht vielleicht die gesamte Weltwirtschaft zusammen. Bislang wird die Inflation von den asiatischen Zentralbanken noch aufgefangen – die den Dollar in ihren Bilanzbüchern zum Nennwert stehen haben – und von den Genies, die Häuser für weit mehr kaufen als sie wert sind. Jeder kann sich vorstellen, wie lange das noch weitergehen kann.
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