Generika – Eine Branche im Konsolidierungsfieber
Cindy Bach in Insider Daily
vom 19. März 2010, 14:30 Uhr
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das deutsche Pharmaunternehmen Ratiopharm ist unterm Hammer. Der Generika-Hersteller wurde gestern nach einem langen Bieterkampf an den israelischen Konzern Teva Pharmaceutical Industries verkauft.
Ein Unternehmen zu einem guten Preis zu verkaufen, wenn dieser Verkauf herbei gesehnt wurde, ist für einen Eigner ohnehin eine erfreuliche Sache. Für die Konzerfamilie Merckle kommt der Verkauf einem Befreiungsschlag gleich. Denn Teva greift nicht nur tief in die "Übernahmekasse", sondern übernimmt auch die Milliarden-Schulden des angeschlagenen Unternehmens mit. Ratiopharm ist das Filetstück des Firmenreichs der hoch verschuldeten Merckle-Familie. Dennoch ist der unerwartet hohe Preis von 3,625 Mrd. Euro ein echter Glücksfall.
Dramatische Unternehmergeschichte findet gutes Ende
Der Verkauf von Ratiopharm war nötig geworden, nachdem sich der Firmengründer Adolf Merckle mit Optionsscheinen auf die Volkswagen-Aktie verspekuliert und damit seine Firmengruppe an den Rand des finanziellen Zusammenbruchs gebracht hatte. Merckle hatte auf einen fallenden VW-Kurs gesetzt, doch die Aktie stieg im Zuge des Übernahmekampfes mit Porsche, den der Wolfsburger Konzern schließlich gewann. Der Verlust blieb dabei nicht auf Merckles Privatvermögen beschränkt, sondern drohte schließlich die gesamte Firmengruppe in den Abgrund zu ziehen. Adolf Merckle beging im Januar 2009 Selbstmord.
Seinem Sohn, Ludwig Merckle, hinterließ er damit einen schweren Brocken. Er musste mit den Gläubigerbanken, die mit offenen Händen vor seiner Tür standen, in erbitterten Verhandlungen Zeit für den Verkauf der Unternehmensteile herausschinden. Es gelang ihm. Im Falle von Ratiopharm hatte er Glück. Hier gab es gleich drei Bieter, die allesamt enormes strategisches Interesse an dem zweitgrößten deutschen Generikahersteller hatten und sich daher gegenseitig hochboten.
Um Ratiopharm hatten zuletzt neben Teva der isländische Wettbewerber Actavis, der von der Deutschen Bank unterstützt wurde, und der US-Pharmakonzern Pfizer gerungen. Viele Marktexperten hatten mit einem Zuschlag für Pfizer gerechnet. Erst gestern war aus vertrauten Kreisen zu vernehmen, dass der US-Pharma-Konzern ein bindendes Angebot für Ratiopharm abgegeben hätte. Offizielle Bestätigungen gab es indes keine. Und so wundert es nicht, dass heute Teva als Käufer verkündet wurde.
Wichtige strategische Vorteile
Für den Pharmakonzern aus Tel Aviv ergeben sich aus wichtige marktstrategische Vorteile. Für die Israelis, die ihre Nachahmermedikamente bisher vor allem in den USA und Asien verkaufen, ist Ratiopharm ein wesentlicher Baustein ihrer Expansionspläne in Europa. Teva gehört zu den 20 größten Pharmakonzernen weltweit, Bei Generika ist man gar Weltmarktführer. In Deutschland war das Unternehmen bisher nur mit einem Marktanteil von deutlich unter 5 Prozent vertreten. Mit dem Ratiopharm-Kauf wird Teva in Europa die Nummer eins. Es sollte sich für Teva also auszahlen so teuer eingekauft zu haben.
Mit dem erfolgreich abgeschlossenen Verkauf von Ratiopharm wird das Konsolidierungsfieber, das schon seit Jahren in der Branche grassiert, erneut angeheizt. Die Gerüchteküche brodelt, dass auch andere deutsche Generikahersteller zu Übernahmekandidaten werden, an erster Stelle Stada. Deren Aktienkurs weist schon seit vielen Monaten hohe Zuwächse auf. Es bleibt also spannend am Pharmamarkt. Ich bleibe dran.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende bei frühlingshaften Temperaturen.
Ihre
Cindy Bach
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