General Motors schockiert die Märkte
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 16. März 2005 18:00 Uhr
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General Motors hat heute die US-Märkte geschockt. Nachdem es zunächst so aussah, als ob sich die Märkte heute erholen würden, kam General Motors mit einer drastischen Ergebnisreduzierung für dieses Jahr. Im ersten Quartal rechnet GM sogar mit einem Verlust.
Hintergrund ist das sehr schwache Nordamerika-Geschäft. Dass die amerikanischen Automobilkonzerne Schwierigkeiten haben, ihre Autos loszuwerden, war schon hinreichend bekannt. Dass sich bei steigenden Ölpreisen dieser Effekt noch ausweiten würde, hätte man sich zumindest denken können. Schließlich sind die amerikanischen Modelle nicht gerade für ihren geringen Verbrauch bekannt. Doch bisher konnte GM über seine Finanzsparte die Effekte noch kompensieren. Das scheint nun nicht mehr zu funktionieren. Allgemein hört man hinter vorgehaltener Hand, dass sowieso ein Automobilhersteller zu viel auf dem Weltmarkt rumkrebst ... GM fällt um 11,60 % auf 29,81 Dollar und liegt nur noch knapp über seinem 10 Jahrestief.
Ich war gestern etwas verwundert, warum die Märkte nach diesen guten Zahlen zum Nettokapitalzufluss in die USA und den halbwegs sauberen Zahlen zum Einzelhandel und einem (gestern noch) sinkenden Ölpreis nicht nach oben gelaufen sind. Das hatte mir heute Nacht mulmige Gefühle bereitet. Ich habe heute morgen ab 6.00 Uhr analysiert, große Fragezeichen bildeten sich über meinem Kopf, fanden aber keine Antworten. So blieb ein unwohles Gefühl. Vielleicht haben Sie an der Mail gestern schon bemerkt, dass ich etwas unsicher war.
Heute morgen habe ich noch mit einem Kollegen telefoniert, der mich fragte, ob es nun auf- oder abwärts gehen wird. Ich musste ihm sagen, dass ich ein ganz komisches Gefühl im Magen habe, dieses aber überhaupt nicht einordnen kann. "Im Prinzip bin ich bullish, aber irgendwie kann es auch wegbrechen – keine Ahnung!", war meine Antwort.
Nun verstehe ich, was los war. Diese Gewinnwarnung von GM lag über den Märkten wie ein riesiger Bleiklotz. Deswegen kamen die Märkte trotz der guten Nachrichten nicht ins Laufen.
Schließlich hat die Opec heute ihre Förderquoten um 500.000 Barrel angehoben und will im Mai noch weiter erhöhen, falls die Preise oben bleiben. Auch das erzielte keine Wirkung auf dem Markt.
Normalerweise würde ich nun sagen, man sollte abwarten, bis sich der Markt beruhigt, und dann massiv Long gehen. Schließlich ist diese Nachricht nun raus. Der Bleiklotz, der die Märkte in den letzten Tagen belastet hat, ist weg. Sie kennen das, nichts ist älter an den Börsen als die Nachricht von gestern. Noch müssen die Anleger den Schock verdauen, aber danach wird auf die Zukunft investiert. Je nachdem, was man von der Zukunft erwartet. Nach dem Einbruch haben die Märkte natürlich erst einmal ein Aufwärtspotential. Das kann man traden, denn so gerät man schnell ins Plus und kann notfalls seine Position auf Kaufkurs durch einen Stop-Kurs absichern. Relativ sichere Sache, wenn nicht ...
Wenn es da nicht noch zwei kleine Probleme gäbe. Am Freitag ist wieder einmal großer Verfallstag, der dreifache Hexensabbat. So benannt, weil die Kurse der weltweiten Indizes im Vorfeld dazu neigen, seltsame Kurskapriolen zu schlagen. Aus diesem Grund sind Positionen im Vorfeld mit größeren Unsicherheiten behaftet. Die wirkliche neue Marktrichtung werden wir erst nach dem Verfallstag erfahren.Was ein günstiger Zeitpunkt für GM, diese Meldung rauszubringen ...
Und der Ölpreis steigt weiter und weiter (siehe dazu die US-Konjunkutrdaten im nächsten Abschnitt) – auch das kann die Märkte weiter in die Knie zwingen.
Denken Sie daran, wenn die Börsen-Welt am düstersten aussieht, sollte man einsteigen ...
Eine Weisheit, die zwar nicht immer, aber immer öfters – zutrifft.
Morgen mehr dazu!
Ihr
Jochen Steffens