General Motors: Die Entscheidung naht
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 26. März 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
am nächsten Dienstag schlägt für den einstmals größten Automobilhersteller der Welt die Stunde der Wahrheit. Bis zum 31. März muss dass Unternehmen der US-Regierung ein tragfähiges Konzept vorlegen, aus dem hervorgeht, wie die beantragten staatlichen Hilfsmittel eingesetzt werden sollen, um eine Sanierung erfolgreich zu gestalten. Noch lebhaft in Erinnerung ist uns die Vorführung der drei Vorstandschefs von GM, Ford und Chrysler zu Jahresbeginn durch einen Wirtschaftsausschuss des Senats. Damals gingen die drei Verantwortlichen offensichtlich noch davon aus, dass es die automatische Pflicht einer Regierung in einer der größten Wirtschaftskrise des Landes sei, finanzielle Hilfen ohne großes Aufhebens zu genehmigen. Angesichts des raschen Niedergangs fast aller industriellen Wirtschaftszweige in den USA wurde aber sehr schnell klar, dass die Regierung Obama selbst bei allem guten Willen ein solch dreistes Selbstverständnis vom Funktionieren einer Wirtschaftsordnung nicht bieten lassen konnte. Der nochmalige Rapport Ende Februar verlief dann auch schon in einem wesentlich sachlicheren Klima, das Konzept von GM wies allerdings immer noch keine durchdachten Handlungsschritte zur Sanierung des Konzerns auf.
Lehman-Pleite als warnendes Beispiel
Außer Frage steht, dass die US-Regierung GM ähnlich wie schon dem Versicherungsriesen AIG aus „systemrelevanten Gründen" helfen muss. Alle bisher mühevoll zusammengeschnürte Konjunkturpakete und die Hilfsmaßnahmen für das Finanzsystem wären zum Scheitern verurteilt, wenn ein solch großes Unternehmen wie GM tatsächlich Pleite gehen würde. Eine Insolvenzbeantragung nach Chapter 11, die eine Fortführung des Betriebes unter besonderen Schutzmaßnahmen für den Schuldner vorsieht, wäre zwar denkbar, wird aber alleine aus psychologischen Gründen wohl kaum in Erwägung gezogen. Die Lehman-Pleite vom vergangenen Herbst war für alle eine Erfahrung, die nach Möglichkeit einmalig bleiben soll. Bei der Lösung des Problems muss es aber für die US-Regierung auch darum gehen, deutlich zu machen, dass die bisherige marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung in den USA nicht in Frage steht. Das heißt, ergibt sich aus übergeordneten staatlichen Interessen keine Notwendigkeit für eine Hilfsmaßnahme muss auch ein Unternehmen mit einer größeren Anzahl an Beschäftigten untergehen. Die Alternative wäre eine Planwirtschaft durch die Hintertür.
Sanierungskonzept wird trotzdem Opfer verlangen
Die Krux in dem Sanierungskonzept von GM liegt in dem Interessenkonflikt zwischen den Unternehmensmanagern und der Regierung. Während die Manager den Strahl der Hilfsgelder möglichst komplett auf ihre Unternehmen vereinigen wollen, ist der Regierung daran gelegen, auch die vielen Zulieferunternehmen in die Hilfsmaßnahmen einzubeziehen. Am Ende bedeutet das für einen nicht unerheblichen Anteil der GM-Arbeiter nicht anderes als die Arbeitslosigkeit. Ohne eine radikale Schrumpfkur lässt sich GM in der Zukunft nicht mehr in die Gewinnzone zurückführen. Obwohl das Unternehmen in den vergangenen Jahren schon allerlei Tricks bei der Kostenreduktion angewandt hat, wurde der Kern des Problems, die veraltetet,unzeitgemäße Produltpalette nicht angegangen. Viele Zulieferbetriebe in der Autoindustrie haben diese Verschlankungskur aufgrund des harten Wettbewerbs schon hinter sich gebracht. Noch bizarrer wird es allerdings, wenn man an die Reaktion der Börse zu der nicht zu umgehenden Radikalsanierung denkt. Die Entlassung von vielen Mitarbeitern und die mögliche Abspaltung von Tochtergesellschaften (Opel!) wird dem Aktienkurs eine weitere Rallye bescheren. Der Grund hierfür ist einfach zu nennen: Mit einem genehmigten und schlüssigen Sanierungskonzept ist die Unsicherheit für das Unternehmen zunächst beseitigt.
Aufwärtstrend noch intakt
Der Aktienkurs von GM führt nur noch ein Schattendasein seiner selbst. Von 40 US-Dollar im Herbst 2007 zerlegte die Absatzkrise den Wert des Titels auf 1,27 US-Dollar am 6.März dieses Jahres. Wer damals aber, aus welchen Erwägungen auch immer, zugegriffen hatte, konnte innerhalb von nur zwei Wochen sein Investment fast verdreifachen. Zum Trost sei gesagt, weder ein Fundamentalanalyst noch ein Chart-Techniker hätten aber angesichts der damaligen Situation umfangreich in das Papier investiert. Im Vorgriff auf die zu erwartende Entscheidung über das Sanierungskonzept am 31. März scheinen die Bullen in den vergangenen zwei Handelstagen auch ein wenig kalte Füße bekommen zu haben, denn immerhin verlor die Aktie fast 20 Prozent. Der kurzfristige Aufwärtstrend konnte aber gerade noch verteidigt werden. Solange er Gültigkeit hat, dürfen die Bullen jeden Rückschlag als Kaufgelegenheit betrachten. Aus technischer Sicht zeigen sich noch keine Signale, die von einer Trendumkehr zeugen. Das Kaufsignal des MACD ist aktiv, der Abbau des überkauften Zustandes durch die rückläufige Stochastik verläuft im normalen Rahmen. Zudem lässt sich aus dem Umsatzverhalten kein ansteigender Verkaufsdruck ablesen. Das Ziel der aktuellen Erholungsbewegung liegt bei 4 US-Dollar, wird der aktuelle Aufwärtstrend aber nachhaltig gebrochen, dürfte nach dem Erreichen der Unterstützung bei 2,38 US-Dollar zunächst einmal eine Bodenbildungsphase in einer Handelsspanne zwischen 2 und 3 US-Dollar folgen.
