General Motors: Der größte Teil der Gewinne kommt nicht von den Autoverkäufen
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 21. Juli 2003 18:00 Uhr
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Letzte Woche gab es einige enttäuschende Quartalszahlen von Hightech-Unternehmen, aber es gab auch über den Erwartungen liegende Zahlen: Der Philly Fed Index, der die Unternehmensaktivität mist, stieg im Juli auf 8,3 Punkte, nach 4,0 im Juni. Das ist der beste Wert seit Januar. Vielleicht steigt die Unternehmensaktivität in Philadelphia, aber in Armonk im Bundesstaat New York merkt man davon nichts. Dort befindet sich nämlich der Firmensitz von IBM. Und der Finanzvorstand von IBM hat den Investoren mitgeteilt, dass das Geschäft "gut, aber nicht robust" sei, und dass viele der Kunden von IBM größere Technologie-Ausgaben verschieben würden. Außerhalb des Technologiesektors berichtete General Motors von einem bittersüßen Quartal. Der süße Teil war, dass die Gesellschaft leicht die Schätzungen in Bezug auf den Gewinn pro Aktie schlagen konnte. Leider verdient General Motors allerdings mit dem Verkauf von Autos fast überhaupt kein Geld mehr.
Der Autobauer vermeldete für das zweite Quartal einen ordentlichen Gewinn, aber nur wegen der boomenden Finanzierungsabteilung, die ein Rekordergebnis vorweisen konnte. Insgesamt verdiente General Motors im zweiten Quartal 901 Millionen Dollar, davon 140 Millionen Dollar aus dem operativen Geschäft mit Autos (dieser Betrag ist eingebrochen, im gleichen Vorjahreszeitraum lag er noch bei fast 1 Mrd. Dollar). Im Gegensatz dazu hat sich der Gewinnbeitrag der Finanzierungsabteilung fast verdoppelt, auf 834 Millionen Dollar. Es ist beeindruckend, dass die Finanzierungsabteilung von General Motors fast für den gesamten Gewinn des Gesamtkonzerns verantwortlich ist.
Ich fragte Robert Tracy, Analyst bei Apogee, wie sich dieser Gewinn der GM-Finanzierungsabteilung zusammensetzte. "Sie werden es nicht glauben", antwortete der mir, "aber es waren die Hypothekenfinanzierungen, die GM atemberaubende 415 Millionen Dollar Gewinn brachten – das ist ungefähr dreimal soviel wie der Gewinn, der mit dem Autogeschäft erzielt wurde. Man kann es auch anders sehen – mit den Hypotheken hat der Autokonzern General Motors fast die Hälfte seines Netto-Gewinns erwirtschaftet."
"Also was passiert mit diesem sogenannten Autokonzern, wenn die Zinssätze steigen und der Markt für Hypotheken austrocknet?" fragte ich weiter.
"Dann würde dieser sogenannte Autokonzern eine Menge weniger Geld verdienen", antwortete Tracy, "solange dieser Konzern nicht wieder mehr Geld mit dem Verkauf von Autos verdienen kann."
Wenn also die kleineren Gesellschaften der "New Economy" nur geringes Wachstum sehen und sich die größeren Gesellschaften der "Old Economy" in Banken mit angeschlossenen Fabriken verwandeln, um Geld verdienen zu können – was für Hoffnung gibt es dann für einen Aktienmarkt, der ein durchschnittliches KGV von über 30 hat? Welche neuen finanziellen Phänomene werden auftauchen, um die Aktienkurse auf das nächsthöhere Niveau von noch lächerlicheren Bewertungen tragen zu können?
Oder, anders gefragt, welche finanziellen Phänomene könnten den Aktienmarkt davor bewahren, den Kräften der Schwerkraft nachgeben zu müssen? Sicherlich werden die Aktienmarkt-Bullen die Antwort wissen. Ich kenne die Antwort nicht.
Basierend auf der Dividendenrendite ist der Aktienmarkt zumindest um das Doppelte überbewertet. Derzeit liegt die Dividendenrendite bei rund 1,6 %. Im Gegensatz dazu lag sie auf dem Markthoch des Jahres 1966 bei durchschnittlich 3,39 %. Und beim letzten Bärenmarkt-Boden, im Jahr 1974, lag dieser Wert bei durchschnittlich 4,5 %. Also rund 2,5 Mal so hoch wie jetzt.
Der Dow Jones Index müsste also unter 3.000 Punkte fallen, um wieder die durchschnittliche Dividendenrendite des Jahres 1974 oder 1982 zu erreichen. Aber das könnte niemals passieren ... richtig?