Gelten die nun getroffenen Entscheidungen als Lösung der Probleme?
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 1. November 2011, 13:00 Uhr
ENL5454
Gelten die nun getroffenen Entscheidungen als Lösung der Probleme?
Zunächst einmal scheint es sich durchaus um einen sinnvollen Weg zu handeln, der nun beschritten wird. So beurteilen es ja auch die Marktteilnehmer und quittierten dies mit steigenden Kursen. Doch gelten die nun getroffenen Entscheidungen tatsächlich als Lösung der Probleme?
Hier gibt es einige Dinge zu beachten. So ist zum Beispiel für das gesamte Konstrukt des EFSF die Bonitätsnote "AAA" Voraussetzung.
Bonitätsnote "AAA" ist Voraussetzung für den EFSF
Über die Funktionsweise des Rettungsschirms berichtete ich hier im Wave Daily am 3. Oktober. Hier schrieb ich: "Um niedrige Refinanzierungskosten zu sichern, benötigt die EFSF eine exzellente Bewertung durch die Ratingagenturen. Die erforderliche Höchstnote "AAA" für die Bonität der Anleihen bekommt der Rettungsfonds nur, wenn deren Summe komplett durch Bürgschaften von "AAA"-Staaten abgesichert ist."
Wir haben aktuell sechs Euro-Länder mit dem Rating "AAA": Deutschland, Österreich, Finnland, Frankreich, Luxemburg und die Niederlande.
Kann ein Unternehmen alles kippen?
Nun hat jedoch die Ratingagentur Moody's vor einer Herabstufung der Bonität Frankreichs gewarnt. Müsste man da nicht gleich den ganzen Mechanismus infrage stellen? Wenn die verbliebenen Länder nun ihre besten Bonitätsnoten verlieren, würde entweder die Ausleihekapazität schrumpfen oder der Zinssatz, zu dem sich der Rettungsschirm refinanziert, würde steigen. In beiden Fällen hätte dies einen enormen negativen Einfluss auf die gesamte Rettungsaktion.
Hängt das Glück dieser Welt nun tatsächlich von den Ratingagenturen ab, die in der Vergangenheit schon durch schlechte Leistungen aufgefallen sind? Hier müssten also Maßnahmen getroffen werden, um diese Abhängigkeit aufzuheben. Hoffen wir, dass die Politik genug Druck gegenüber den Ratingagenturen aufbauen kann, um eine Herabstufung zu verhindern.
Bislang wurde "nur" ein Leichtgewicht gerettet
Man muss zudem beachten, dass bislang "nur" das relativ kleine Griechenland, ein Leichtgewicht im europäischen Vergleich gerettet wurde. Und die Verschuldung des Landes ist auch nach dem Haircut noch viel zu hoch. Und da gibt es ja noch andere kriselnde Staaten, die zum Teil viel größer sind.
Wer also glaubt, die Probleme seien allein durch den Euro-Gipfel nun gelöst, der könnte sich noch sehr irren. Aktuell sehen wir nur die Lösungen für die akuten Probleme. Für das was noch kommen kann, müssen dann neue, wohl noch extremere (was die jetzt schon unglaublichen Summen angeht) Lösungen her.
Ich wünsche Ihnen gute Gewinne
Sven Weisenhaus
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