Geliebte Kolumnisten ... und andere Bill Bonner-Beiträge
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 30. April 2007 07:30 Uhr
ENL5454
*** Geliebte Kolumnisten
Irgendetwas hat in meinem Leben gefehlt. Ja, es ist schon Wochen her, dass ich wirklich laut gelacht habe. Also habe ich mich den Seiten mit den Leitartikeln im International Herald Tribune zugewandt, um dort meinen Lieblingskomiker, Thomas L. Friedman zu finden, den Mann, der die Welt besser machen will, auf die schlimmstmögliche Art und Weise.
Ich habe es einst genossen, seine Kolumnen zu lesen. Man konnte sich immer darauf verlassen, dass er zu jedem Thema mit einer derartig dummen Idee kommen würde, dass es einem Esel peinlich gewesen wäre.
Was mich aber gepackt hat, war der Versuch, herauszufinden, wie dieser Mann denkt – oder ob er überhaupt nachdenkt. Wenn ich Friedmans Oeuvre erforsche, dann habe ich das Gefühl, als forschte ich linkisch, wie ein Neurochirurg mit einem Küchenmesser in der weichesten Gehirnmasse. Wie funktioniert das, frage ich mich.
Friedman ist kein Idiot. Er schreibt vollständige Sätze. Irgendwie hat er sich nicht nur als Kolumnist für die angesehenste Zeitung Amerikas einen Namen gemacht, sondern auch als halb-ernsthafter Autor und als gefeierter Redner bei Geschäftsanlässen.
(Sein Erfolg hat mich nicht neidisch werden lassen, er hat mich nur misstrauisch gemacht. Ich frage mich, was der Rest der Welt denken muss, wenn er Friedmans Grübeleien ernst nimmt.)
Ich erinnere mich, es war Friedman, der die USA radikal drängte, in den Irak einzumarschieren und der die amerikanischen Truppen (die tödlichste Angriffsmacht, die die Welt je gesehen hat) damals als ‚Ernährer’ bezeichnete, die zudem, gleich Hebammen, dabei helfen, das Baby Demokratie in die mesopotamischen Wüsten zu bringen. Dann schlug der Krieg ins Negative um und er beschuldigte das Bush-Team, drängte sie, weitere bewaffnete Ernährer zu schicken und noch mehr Geld auszugeben. Er war es auch, der den Terrorismus für die höheren Ölpreise verantwortlich machte und er verlangt immer noch eindringlich, dass die USA „grüner werden“, als eine der Möglichkeiten, eine „Reform“ im Nahen Osten zu unterstützen.
Der Mann hat für alles einen Plan. Und das macht es so witzig, ihn zu lesen. Er kann einfach nicht begreifen, dass die Welt ein Produkt aus vielen Tausenden Generationen evolutionärer Anpassungen, Kompromisse und Innovationen ist, von denen er nicht einmal hoffen darf, alle zu kennen ... auch kann er sich nicht vorstellen, dass es irgendeine Situation gibt – ganz egal wie weit entfernt oder komplex sie auch sein mag – die sein eigenes kleines Gehirn nicht verbessern würde können.
Und deswegen drängt er die amerikanischen Wähler im Jahr 2008 auf einer „grünen Wahl“ zu bestehen. Ich werde mich um die nichtigen Details nicht kümmern (wie z.B. dass man einen College Studenten die Kandidaten befragen lässt, weil „junge Menschen werden von der Klimaerwärmung am stärksten betroffen sein“ werden.) Wirklich haarsträubend daran ist die verzweifelt platte Ernsthaftigkeit, die dahinter steht. Warum sollte ein College Student mehr Einsicht in die Klimaerwärmung haben als irgendwer anderes? Und warum fragen die Wähler, wenn sie doch so sehr an der Klimaerwärmung interessiert sind, nicht selbst die Kandidaten? Wie ist es einem intelligenten Homo Sapiens möglich, solch einen offensichtlichen Unsinn zu schreiben?
Ich fange gerade erst an zu vermuten, dass mit dem Gehirn selbst etwas nicht stimmt. Trotz seines Anspruchs auf logisches Denken, ist das Ding kaum funktionell. Es glaubt einfach alles.
*** ... und noch mehr Weltverbesserer
Ooh la la …jetzt ist die alte britische Rockband, die legendären Spinal Tap, dem Kampf gegen die Klimaerwärmung beigetreten. Diese Gruppe war einst unter dem Namen „The Originals“ bekannt, bis sie feststellte, dass eine andere Gruppe diesen Namen schon trug, woraufhin sie den eigenen Namen in „New Originals“ änderte. Die Band habe gerade einen neuen Song aufgenommen, schreibt die Times London, der den Titel „Warmer than Hell“ (Wärmer als die Hölle) hat.
Spinal Tap waren noch nie eine berühmte Band. Aber sie waren auf dem Weg zur Mittelmäßigkeit, als ihr Schlagzeuger, John „Stumpy“ Pepys bei einem seltsamen Unfall während der Gartenarbeit getötet wurde. Es ist auch nicht der erste Versuch der Band, die Welt zu verbessern. Der Leadsänger hat zuvor schon eine Wohltätigkeitseinrichtung mit dem Namen „On Your Toes“ gegründet, die dazu dienen soll, Menschen mit Hohlfüßen zu helfen.
*** Ausladung
Und das höre ich aus Paris.
„Liebling, ich habe das Gefühl, ich sollte Dir sagen, dass du diese Woche besser nicht nach Hause kommst“, sagte meine Frau Elizabeth am Telefon.
Eheliche Spannungen? Partnerschaftskonflikte? War unser Urlaub wirklich so schlimm?
„Nein ... Nein ... Es ist nur, die Wohnung ist in einem solchen Durcheinander.“
“Was? Sind die Anstreicher noch nicht fertig?” fragte ich.
“Fertig? Sie haben noch nicht einmal angefangen. Sie müssen in dem Moment aus der Tür marschiert sein, in dem wir abgereist sind. Es ist erstaunlich, dieses Land soll eine der höchsten Arbeitslosenquoten in Europa haben, aber es ist fast unmöglich, jemanden dazu zu bringen, etwas zu tun. Wir werden noch über Wochen in diesem Staub und Schmutz wohnen müssen. Ich weiß nicht, ob ich das ertragen kann.“
Mir macht das Durcheinander nichts aus, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich die Ausgaben ertragen kann. Ich habe in Buenos Aires eine schönere Wohnung gesehen, die für ein Zehntel des Preises verkauft wurde. Um genau zu sein war ich in einer fantastischen Wohnung untergebracht, mit Blick über die breite Straße auf der 9th of July Avenue. Diese Wohnung ist viel schöner als unser Loch in Paris, und es hätte weniger gekostet, diese Wohnung zu kaufen, als es kostet, unsere Wohnung in Paris zu renovieren.
Ich kann es natürlich unmöglich wissen, aber ich wäre nicht überrascht, wenn sich die Preise zwischen den beiden Städten angleichen würden. Geringer in Paris, höher in Bueonos Aires.
“Vielleicht sollten wir einfach nach Buenos Aires ziehen” schlug ich vor.
“Okay … jetzt möchte ich wirklich nicht mehr, dass du nach Hause kommst. Es ist, weil du uns die ganze Zeit durch die Gegend schickst, dass wir heute in diesem Chaos stecken.“
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