Geldpolitische Exitstrategie
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 18. Februar 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
während an den Aktienmärkten ungeachtet der neuerlichen Risiken wieder fleißig gekauft wird, werden anderswo wichtige Weichen gestellt. Nachdem die chinesische Zentralbank die Mindestreserveanforderungen für Geschäftsbanken kürzlich erneut anhob, um auf die Wachstumsbremse zu treten, wird auch in der wichtigsten Volkswirtschaft der Welt, in den USA, wieder heiß über eine Exitstrategie aus der lockeren Geldpolitik diskutiert.
Wie aus den Protokollen der letzten Januar-Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank hervorgeht, mehren sich die Stimmen innerhalb der amerikanischen Notenbank, die eine Ausweitung der Fed-Bilanz auf zwei Billionen Dollar (!) ablehnen und einen Verkauf von Wertpapieren in der nahen Zukunft fordern. Dieser Verkauf von überwiegend hypothekenbesicherten Wertpapieren (oder nennen wir es beim Namen: Schrottanleihen, die kaum einer haben will), birgt allerdings auch das Risiko heftiger Marktverwerfungen, da der Markt für diese Anleihen seit Beginn der Finanzkrise nicht mehr richtig funktioniert (faktisch ist die Fed „der Markt").
Ausufernde Staatsverschuldung könnte zur nächsten Wirtschaftskrise führen
Darüber hinaus muss die US-Regierung nach den Worten eines wichtigen regionalen Fed-Präsidenten (Thomas Hoenig) jetzt Maßnahmen ergreifen, um zu verhindern, dass das steigende Haushaltsdefizit die nächste Wirtschaftskrise auslöst. Er warnte, dass die US-Notenbank unter politischen Druck kommen könne, das wachsende Etatloch zu finanzieren (eigene Anmerkung: durch Anwerfen der Druckerpresse), was höhere Inflation zur Folge haben könne. Er wies in dem Zusammenhang sogar auf die Möglichkeit einer Hyperinflation in den USA hin. Eine Warnung, die in so deutlicher Form selten von einem Notenbanker zu hören ist. Wenn die US-Regierung ihre geplanten Ausgaben nicht drastisch kürze, dann riskierten die USA ihren Absturz in die nächste Krise, so der Notenbanker. Zu Beginn dieses Monats hatte US-Präsident Obama seinen Haushalt für das nächste Fiskaljahr vorgestellt, welcher die Anhebung von Steuern und die Kürzung von Ausgaben vorsieht, aber trotzdem den USA über die nächsten zehn Jahre eine Zunahme von Schulden in Höhe von 8,5 Billionen Dollar bringen wird.
Allerdings dürften die Folgen für die Wirtschaft bei einer deutlichen Kürzung der Staatsausgaben ebenfalls negativ sein, da ein Großteil der konjunkturellen Erholung lediglich durch diese Staatsausgaben zustande kam (Stichwort „Abwrackprämie", Subventionen, öffentliche Aufträge). Der Staat hat zum großen Teil echte Marktnachfrage ersetzt und muss sich nun aufgrund der ausufernden Verschuldung zurückziehen. Und genau jetzt wird sich zeigen, was der herbeisubventionierte Aufschwung tatsächlich wert ist. Einen kleinen Vorgeschmack auf die Folgen einer Subventionskürzung sehen Sie derzeit bei den deutschen Solarwerten, deren Kurse regelrecht implodieren.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Mathilde Kitzmüller (18.02. 2010 10:20 Uhr):
Subventionskürzungen! Hätte man doch nie Subventionen eingeführt! Das trägt auch zur Blase bei.
Antworten- Antwort von Henrik Voigt (18.02. 2010 16:20 Uhr):
Sehr geehrte Leserin, da haben Sie (leider) vollkommen Recht. Durch Subventionen sammeln sich neben einem riesigen Schuldenberg auch immer mehr kranke Unternehmen im Wirtschaftskreislauf an, die das ganze System gefährden können. Mit freundlichen Grüßen, Henrik Voigt. Chefredakteur DAX Profits/ DAX Daily
- Antwort von Henrik Voigt (18.02. 2010 16:20 Uhr):
- Kommentar von Manfred Tischler (18.02. 2010 16:54 Uhr):
Eine Bitte: Zahlenangaben in der Einheit "Billion" vermeiden, da nicht klar ist, ob unsere Billion oder die der Yankees gemeint ist (bei dem US-Defizit ist es zwar nur ein kleiner Unterschied, aber in unserer Denkungsweise doch ein erheblicher.... Bitte in Tausend (bzw. Million) Milliarden angeben! Danke - MfG; Tischler
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