Geldpolitik: Da macht es China richtig!
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Global Anlegen
vom 15. Januar 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
So ist es richtig.
(Wie immer nur meine höchst subjektive Ansicht, was sonst.)
Während die amerikanische Notenbank weiterhin eine Politik des leichten Geldes fährt (volles Programm, inklusive Kauf von Staatsanleihen mit selbst gedrucktem Geld, das muss man sich mal vorstellen!)...
...steuern die Chinesen schon wieder gegen.
Konkret: Auch die chinesische Führung hatte wegen des Wachstumseinbruch staatliche Impulse für die Konjunktur gesetzt. Staatliche Ausgabenprogramme, laxere Geldpolitik, das übliche Programm.
Wichtig ist es: Sobald abzusehen ist, dass dies greift - die Maßnahmen zurückfahren. Denn sonst hat man ganz schnell eine kräftige Inflation.
Die chinesischen Entscheidungsträger handeln genau so: Sie haben letzte Woche den Mindestreservesatz um 50 Basispunkte erhöht.
Mindestreservesatz, das bedeutet: Von den bei ihnen deponierten Einlagen müssen die Banken einen Teil bei der Zentralbank hinterlegen. Als Sicherheit. Den Rest können sie verleihen oder damit spekulieren oder was weiß ich.
Eins ist klar: Wenn der Mindestreservesatz gesenkt wird, bleibt den Banken mehr Geld zur freien Verfügung. Eine Senkung des Satzes entspricht also einer „Lockerung der Geldpolitik".
Eine Erhöhung ist das Gegenteil.
Und China hat den Mindestreservesatz für seine Banken gerade erhöht. Für Großbanken sind es statt 15,5% nun 16,0%. Und für kleinere Banken 14,0% statt 13,5%.
(Sympathisch, dass für kleinere Banken günstigere Bedingungen gelten, oder? So wird staatlicherseits ein bisschen dagegengehalten, dass es zu immer größeren Banken kommt, welche letztlich „too big too fail" sind, d.h. in einer Krise vom Staat auf jeden Fall herausgehauen werden müssen, da systemrelevant.)
Es sieht so aus, als ob die chinesische Führung nun schon das Ende der Krise vorwegnimmt und Schritt für Schritt die Geldpolitik wieder an das „Vorkrisen-Niveau" heranführt.
Mal sehen, ob auch die US-Notenbank so handeln wird. Sonst könnten wir spätestens 2011 eine Inflation haben, die sich gewaschen hat. Ich finde: Solange von der Fed keine Änderung ihrer Geldpolitik kommt, sind zukünftige Inflations-Profiteure wie Edelmetalle weiter interessant.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes winterliches Wochenende!
Ihr
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Andreas Franke (18.01. 2010 08:14 Uhr):
Lieber Michael, wie immer gefällt mir ihre kluge Art. Jedoch wehre ich mich dagegen, dass wir „systemrelevante“ Banken zu retten haben. 1. der Begriff „systemrelevant“ sollte als Unwort einer politisch kreativen Staatsführung verachtet werden. 2. aus der Bankenwirtschaft ist ja nun tatsächlich nur die „dritte“ Säule – die Privaten Banken betroffen" das sollte zu denken geben 3. haben wir eine überzeugende Insolvenzordnung, und wenn der Staat und die HRE nix zu verstecken haben, ist es das beste Sanierungsinstrument – anstatt Milliarden von Steuergeldern zu verschwenden. (widerholt erwähne ich, dass die Sparanlagen einstandsmäßig durch den Staat dem Steuerzahler weniger kosten, als die bisherige Rettungsverschwendung) 4. Ergebnis: auch wir im „Entwicklungsland“ können nicht nur von England, sondern auch was von China lernen. Herzliche Grüße Andreas
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