Gelddrucken ohne Reue?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 03. März 2005 18:00 Uhr
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Weiterhin passiert nichts. Das soll heißen, es gibt nichts Neues. Was gestern passiert ist, passiert auch heute wieder, mehr oder weniger.
Wenn man jedoch ein paar Jahre zurückblickt, dann ist das, was heute passiert, nicht nur außerordentlich, es ist sogar grotesk.
"Manchmal frage ich mich, wer diese Welt am Laufen hält. Intelligente Leute, die uns zum Narren halten, oder Narren, die es ernst meinen", das fragte sich Mark Twain und heute fragen wir uns das auch.
Was mich so verwundert sind die letzten Nachrichten aus "The Economist". Die Geldmenge der Vereinigten Staaten hat die stärkste Zuwachsrate der letzten 30 Jahre, schreibt das Magazin. Sie stieg zwischen 2003 und 2004 um 20 % oder mehr. Warum steigt die Geldmenge so schnell? Ist es das Werk der amerikanischen Zentralbank, die verzweifelt versucht, eine lange, deflationäre Depression nach japanischer Art zu vermeiden? Bis jetzt hat man die Depression vermeiden können, allerdings um den Preis einer Blase in der gesamten amerikanischen Wirtschaft, mit einem Schwerpunkt im Immobilienmarkt. Raten Sie mal, um wie viel der Preis für Immobilien in Kalifornien in den vergangenen zwei Jahren anstieg. Zwanzig Prozent pro Jahr. Das ist der gleiche Wert, um den auch die Geldmenge anstieg.
Gestern hieß es in den Nachrichten, dass sich Freunde zusammenschließen, um Häuser zu kaufen. Häuser sind zu teuer, als dass sich ein Paar allein eines leisten könnte. Ich habe vorhergesagt, dass der Lebensstandard in den Vereinigten Staaten sinken wird. Und das ist der Beweis, dass dieser Prozess schon angefangen hat. Sie wollen Ihren Lebensstandard noch schneller senken, dann kaufen Sie sich doch Ihr Haus zusammen mit einem anderen Paar.
Aber das Phänomen beschränkt sich nicht auf Amerika. Immobilienblasen werden überall auf der Welt beobachtet. Und auch die Geldmenge steigt in vielen Ländern, insbesondere in Asien. Gerade passiert Folgendes: Die amerikanischen Verbraucher geben mehr als sie sich leisten können für Produkte aus, die in Asien produziert wurden. Dadurch bleiben Milliarden von Dollar in den Händen asiatischer Exporteure. Diese zahlen das Geld in ihre Zentralbanken ein, die es dann in die örtliche Währung umtauschen und dadurch auch ihre Geldmenge erhöhen.
"Eigentlich sollten Zentralbanken über das Geld wachen. Bisher haben sie die größte Liquiditätsblase der Geschichte verursacht", sagt der Economist.
Wenn diese Nachricht in den 70ern herausgekommen wäre, dann lägen die Dinge völlig anders. Die "Wächter über die Schuldverschreibungen" wären in Panik geraten. Sie hätten die Schuldscheine zu Dumpingpreisen verkauft, die Renditen wären in die Höhe geschossen. Urplötzlich wären die Hypothekenzinsen in die Höhe geschossen, und mit der Immobilienblase wäre es vorbei gewesen.
Aber jetzt achtet niemand mehr so genau auf die Geldmenge. Heute weiß jeder, was vor dreißig Jahren noch niemand wusste oder geglaubt hätte: Nämlich dass die Zentralbanken so viel Geld drucken können wie sie wollen, ohne dass es zu einer Inflation der Verbraucherpreise käme.
Nachdem die Verbraucherpreise nicht angestiegen sind, steht den Bankiers nichts mehr im Weg. Und jetzt steigen die Immobilienpreise jedes Jahr um 20 %, ohne dass ein Ende in Sicht wäre. Die Verbraucher treiben sich mehr und mehr in die Schulden, in dem fantastischen Glauben, dass die "Bank der ewig steigenden Immobilienpreise" auch weiterhin ihre übermäßigen Ausgaben übernehmen wird, für immer.
Wir wissen, wie alles angefangen hat. Wir wissen jedoch nicht, wie und wann das alles enden wird.
Hier in Nicaragua bin ich versucht, mehr Eigentum zu erwerben. Es ist entsetzlich verlockend. Im Vergleich zu den Preisen in Nordamerika ist es günstig. Aber auch hier gibt es eine Immobilienblase. Grundstücke, die vor fünf Jahren für 40.000 Dollar verkauft wurden, werden heute für 120.000 Dollar verkauft. Das gleiche Grundstück würde jedoch in Kalifornien oder Florida das Fünf- bis Zehnfache kosten. Man kann sich vorstellen, dass die Entwicklung, die wir praktisch selber losgetreten haben, weiterhin anhalten wird. Man kann sich schon die asphaltierten Straßen vorstellen, und dass die Elektrizität anständig funktionieren wird. Man kann sich schon vorstellen, wie Amerikaner, die ihren Ruhestand hier verbringen wollen, die Gegend verstopfen, und dass die Leute Restaurants, Bars und Hotels bauen. Man kann sich auch schon vorstellen, dass die Preise auch weiterhin ansteigen. Gleichzeitig weiß ich, dass die Käufer und Verkäufer die Hotels entlang der Küstenlinie schon sehen können, dass sie die glatt asphaltierten Straßen schon spüren können, die sie direkt an den Strand bringen werden. Sie können das Geld schon zählen, dass sie herausschlagen werden, wenn die Preise hier auf das Niveau von Südkalifornien oder sogar Costa Rica ansteigen.
Ich weiß, dass die Preise jetzt schon durch die von den Blasen in den Köpfen geschürten Erwartungen aufgepumpt sind. Und ich weiß auch, dass – sobald die Blasen in Nordamerika platzen – die Schockwellen auch noch hier die Preise umstoßen werden.
Ich erwarte eine Offenbarung.