Geldanlage trotz hoher Realinflation? (Teil 1 von 2)
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 3. August 2009, 16:00 Uhr
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Liebe Leser,
wie Sie sich sicherlich noch erinnern, hatte ich angekündigt, Ihnen ein paar Techniken vorzustellen, mit denen Sie trotz realer Inflation, die weitaus höher liegt als durch die amtliche Prozentrate angesetzt, profitabel anlegen bzw. traden können.
Insgesamt möchte ich Ihnen in diesem Zuge zwei Techniken vorstellen. Die eine basiert auf der Nutzung von Pair Trades, die andere erfordert ein klein wenig an Optionskenntnissen, das ich Ihnen aber ausführlich näher bringen werde. Es soll heute und in der Ausgabe morgen (dann erhalten Sie den zweiten Teil) erst einmal darum gehen, wie diese Strategien überhaupt vom Prinzip her funktionieren. Für weitere, sich daraus ergebende Fragen nutze ich gerne die darauffolgenden Ausgaben von Investoren Wissen und Sie haben natürlich stets die Möglichkeit, mir Fragen per E-Mail zu senden. Kommen wir also zur heutigen Strategie:
Marktneutral handeln durch konsequenten Einsatz von Pair Trades
Sie erinnern sich noch, was es mit einem Pair Trade auf sich hatte bzw. wie Sie einen Pair-Trade bauen können? Gut.
Dann habe ich hier die entsprechende Technik für Sie.
Angenommen, wir haben ein Portfolio von 25.000 EUR, mit dem Sie die Pair-Trade Strategie durchführen möchten. Wir erinnern uns, dass ein Pair-Trade bedeutet, dass Sie gleichzeitig auf eine Position long und dazu auf eine andere Position short gehen.
Für unsere Zwecke legen wir einmal fest, dass diese beiden Positionen aus dem gleichen Industriesektor stammen sollen. Das Unterscheidungskriterium, was letzlich für die Generierung des Gewinns verantwortlich sein wird, ist ein starkes Gefälle im Bereich der relativen Stärke.
In anderen Worten: Wie in den zwei oben verlinkten Artikeln beschrieben, hat unsere Short-Position eine relative Schwäche sowohl gemessen am Gesamtmarkt als auch gemessen am Sektor und unsere Long-Position hat eine hohe relative Stärke, sowohl gegenüber dem Gesamtmarkt als auch dem Sektor.
Wir wollen nun darauf setzen, dass sich die Aktie, auf die wir long sind, gegenüber der Aktie, auf die wir short sind, deutlich besser entwickelt (Die Logik hierzu ist in den verlinkten Artikeln entsprechend beschrieben. Bitte lesen Sie diese Artikel zuerst, wenn Ihnen nicht mehr ganz klar sein sollte, was es mit Pair Trades auf sich hat).
Steigt der Markt bzw. fließt Geld in unseren Industriesektor, entwickelt sich die Long-Aktie aufgrund der relativen Stärke besser als die schwache Aktie. Fällt der Markt bzw. fließt Geld aus unserem Sektor, fällt die "Short-Aktie" weiter als unsere starke Long-Position. Das Ergebnis sollte also in beiden Fällen (wenn der Trade richtig gebaut ist), darauf hinauslaufen, dass eine Outperformance der Long-Position eintritt.
Wie geht das nun im Detail?
Generell sollten Sie zunächst einmal drauf achten, dass Sie Short-Positionen nur in einem sog. Margin-Account eingehen können. Wir halten daher von unseren Gesamtmitteln eine Sicherheitsreserve - sagen wir 20%.
Auf unser Portfolio von 25.000 EUR bedeutet dies, dass 5000 EUR cash verbleiben und der Rest für Pair-Trades genutzt wird. Diese 20.000 EUR lassen sich aufteilen auf vier Positionen, so dass also 5000 EUR pro Pair-Trade zur Verfügung stehen. Dies wiederum bedeutet, dass für die Long-Seite in jedem Pair-Trade 2500 EUR und für die Short-Seite 2500 EUR zur Verfügung stehen.
Es ist wichtig, dass Short- und Long-Seite gleich groß sind, denn nur so ist Marktneutralität gewährleistet (übrigens hebt sich so bei Trades in anderen Währungen auch das Währungsrisiko automatisch nahezu vollständig auf).
Ziel ist es nun, stets vier Pair Trades laufen zu lassen, die alle in verschiedenen Industriesektoren sind. Sobald ein Trade mit 2%-3% im Gewinn steht, schließen Sie ihn und suchen sich ein neues Paar. Ziel ist es, jeden Monat die erreichte Performance um 2%-3% insgesamt zu steigern (additiv betrachtet, nicht exponentiell. Dies ist übrigens durchaus realistisch), was einer angepeilten Jahresperformance von 24% bis 36% entspricht.
Natürlich gibt es hunderte von Möglichkeiten, an der Börse Geld zu verdienen, aber für diese Strategie sprechen eine Reihe von Punkten:
- Niedrige Volatilität: Insgesamt ist die Strategie bei korrekter Handhabung von der Volatilität her erfreulich niedrig, was die eigenen Nerven sehr schont.
- Nahezu 100% Unabhängigkeit vom Marktgeschehen: Für Sie ist nur die relative Entwicklung der jeweiligen Paare interessant
- Diversifizierung des Risikos auf "4 Schultern", so dass ein möglicher Ausreißer durch die drei anderen "Beine" sehr gut aufgefangen werden kann
- Sie können diese Strategie problemlos in anderen Währungsräumen nutzen ohne sich über Derivate zur Absicherung Sorgen machen zu müssen
- Kein Einsatz von Papieren, die ein Emittentenrisiko mit sich bringen: Sie handeln lediglich Aktien, long und short. Es sind keine Zertifikate, Optionsscheine oder andere Papierchen notwendig, bei denen Sie schlaflose Nächte haben müssen wegen angeschlagenen Emittenten oder sich ärgern, weil mal wieder an den Kennzahlen Ihres Scheins auf Ihre Kosten "herumgeschraubt" wurde.
- Funktioniert in allen Marktlagen: Finanzkrise? Bullenmarkt? Panik? Abverkauf? Bei dieser Strategie nicht wichtig.
- Das PPT kann Ihnen egal sein: Es wird mal wieder von "unbekannter Hand" im Markt herumgesaut? Indizes angehoben, da sie drohen, unter wichtige Chartmarken zu fallen? Ihnen egal, denn die gesamte Marktrichtung interessiert sie nicht, nur die Entwicklung der beiden Positionen jeweils relativ zueinander.
Zugegeben, keine Strategie an der Börse ist die pure Lizenz Geld zu drucken. Die Arbeit bei dieser Strategie steckt in der Recherche nach neuen Handelspaaren. Sie haben jedoch eine Reihe von Vorteilen, die iIhnen rein direktionale (also nur Long- oder Short-)Strategien nicht bieten.
Die nötige Fertigkeit in der Auswahl der Paare muss natürlich auch gemeistert werden, aber durch Paper-Trading lässt sich hier durchaus kreativ experimentieren.
Ein ganz nützliches Tool kann hier übrigens auch sein, sich die Verhältnisse von zwei Aktien als Chart anzeigen zu lassen. Das sollte jeder in einfachen Chartsoftware möglich sein oder aber auch auf Webpages wie Stockcharts.com (dort können Sie einen Doppelpunkt zwischen die Tickersymbole setzen).
Ich selbst setze diese Strategie schon seit einiger Zeit erfolgreich für einen Teil meines konservativen Kapitals ein. Auch hier gibt es natürlich Risiken, aber diese sind m.E. deutlich niedriger, als wenn Sie mit herkömmlichen Methoden arbeiten.
Im professionellen Bereich gibt es übrigens einige Adressen, die solche und ähnliche Methoden anwenden bzw. ihrem kleinen, meist exklusiven Kundenkreis zur Verfügung stellen. Die "Anlegermassen" erfahren hiervon meist nur sehr wenig.
Beste Grüße
Alexander Hahn